Eine Schnapsidee oder ein Geniestreich? Wenn ein Bandleader entscheidet, die Diskografie zu sichten und ausgewählte Stücke davon mit einem befreundeten Musiker durch den Mixwolf zu drehen, um ihnen neue Aspekte zu entlocken. Das kann so oder so ausgehen. Im Fall der Herren Keth und Myer darf man erfreut feststellen: Eine prima Idee war das!
Intensiv. Das ist das Wort, welches vielleicht am besten auf die Musik von The Twilight Sad zutrifft. Und dann noch: schottisch. Außerdem auch: eng befreundet mit Robert Smith. Okay, das war mehr als ein Wort. Müssen wir uns wohl, ha, intensiver mit dieser Band beschäftigen. Daher zur Einleitung nur noch drei weitere Worte: Album des Monats.
In diesem Jahr feiern Ladytron den 25. Geburtstag ihres Debüts. Aber noch viel besser ist: Die Liverpooler beschenken uns mit einem neuen, ihrem achten Album. Paradiesisch!
„Hüte dich vor dem Gesang der Sirenen, sprach sie, kein Sterblicher hat noch bisher ihrem zaubrischen Lied widerstanden!“ (aus „Von den Irrfahrten des Odysseus“, Franz Fühmann nach Homer). Aber keine Sorge, wegen des fünften Hundreds-Albums sollte man sich weder Wachs in die Ohren stopfen, noch sich wie der tapfere Titelheld am Mast festbinden lassen. Im Gegenteil: Auch diese Platte ist wieder ein ohrenöffnender Genuss – und unser Album des Monats.
Bevor wir in der kommenden Woche die ersten Platten des noch jungen Jahres besprechen werden, widmen wir uns noch ein paar elektronischen Veröffentlichungen, die in den letzten Wochen und Monaten des Vorjahres erschienen und eine unbedingte Empfehlung wert sind: den aktuellen Scheiben von Northern Lite, Austra und Kalipo.
White Lies sind eine Band, der man lobend attestieren muss, dass sie immer wieder versucht, neue Wege zu gehen. Ihrem Sound neue Facetten zu verleihen. Stillstand ist der Tod. Für Album Nummer sieben haben die drei sich zum Ziel gesetzt, die Songs erst gemeinsam live spielen zu lernen, bevor es für die Aufnahmen ins Studio geht. Das und ein Kern der Inspirationen, der tief in den 70ern liegt – ob das Resultat wohl allen Fans gefallen wird?
Tanzt mit uns den Tanz, der da Erinnerung heißt! Viel schöner und vor allem passender hätten Nation Of Language ihr viertes Album nicht benennen können. Wohl keine Band hat in jüngster Vergangenheit tanzbare elektronische Musik von der Klasse aufgenommen, die so wohlige Erinnerungen an die Großzeiten des New Wave erweckt hat, wie die New Yorker. Und das, ohne dabei rein retro zu klingen. Dem Fazit sei vorgegriffen: Das bleibt auch auf dem neuen Album in gleicher Güte so.
30 Jahre ist es her, da veröffentlichten drei Amerikaner und eine Schottin ihr bahnbrechendes Debüt. Und das Feuer lodert immer noch heiß, dazu muss man der Band nur auf Social Media folgen. Oder eben ihre Musik hören, was sowieso im Zweifelsfall stets die bessere Wahl ist. Auch auf dem achten Studioalbum weiß der druckvoll-markante Garbage-Sound auf voller Linie zu überzeugen.
The Horrors als Album des Monats auf depechemode.de? Unerhört? Nö. Wir kommen gleich noch auf die Querverbindungen zu sprechen. Nicht, dass The Horrors das nötig hätten. Die haben sich längst als Garanten für erstklassige, intensive Platten etabliert und bestätigen das mit ihrem sechsten Album eindrucksvoll.
Willkommen, fremder Gast! Lass dein Gepäck stehen, unser Personal kümmert sich sofort um alles. Auch um dein Auto, gib uns einfach deine Schlüssel. Du sollst dich ganz der Atmosphäre hingeben, hier auf unserer stilechten Zeitreise ins Schönste der 80er. Hier im „Lost Lovers Motel“.
Alle gut ins neue Jahr gerutscht? Dann können wir in den nächsten Tagen ja nochmal die vergangenen 366 Tage Revue passieren lassen, der überschaubare Veröffentlichungsmonat Januar gibt es ohnehin her. Wir werden über ein paar interessante Platten reden (bzw. schreiben), uns an besondere Konzerte erinnern … Doch den Anfang macht das Werk, das – szeneübergreifend – für ganz viele Menschen die überragende Erscheinung des Musikjahres 2024 war: „Songs of a Lost World“ von The Cure. Eine Würdigung.
Es ist schön, mitzuerleben, dass die Herren von Forced To Mode sich auch in ihren sonstigen Betätigungsfeldern zunehmend selbstbewusst austoben. In diesem Jahr hat beispielsweise Thomas Schernikau – gemeinsam mit Alexander Leonard Donat – das zweite WHOLE-Album veröffentlicht. Da hören wir doch mal rein.