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Querbeats – Roundup September 2023

So, nach dem merklichen Sommerloch feuerte der Veröffentlichungsmonat September wieder aus allen Rohren. Die Entscheidung fiel schwer, darum sind es auch gleich zehn Alben geworden. Wir haben uns für unseren kleinen Rundflug die neuen Platten von The Chemical Brothers, Kylie Minogue, Róisín Murphy, Slowdive, Nation Of Language, The Mobile Homes, James Blake, Roosevelt, Kid Francescoli und Die Selektion herausgepickt.

Dann gleich mal rauf auf die Tanzfläche und den Speck geschüttelt. Wenn schon Legenden wie The Chemical Brothers rufen. Den Herren Rowlands und Simons stand nämlich der Sinn nach einer ordentlichen Party nach den Jahren des Zuhausebleibenmüssens. Auf „For That Beautiful Feeling“ ist daher die sonst ja oft beeindruckende Gästeliste überschaubar – nur Halo Maud und Beck. Dafür konzentrieren sich die beiden Soundgalvaniseure auf die guten alten Block Rockin‘ Beats und liefern einen Stapel gut gereifter Bollermänner.

Padam Padam. Keine drei Minuten, aber der verdammte Ohrwurm sitzt fest im Gedächtnis. Padam Padam. Ja, wir hüpfen gleich weiter, denn Kylie Minogue bleibt ihrem jüngeren Disco- und Aufwärtstrend treu und lässt sich eine weitere Hitplatte auf den Leib schneidern. Padam Padam. „Tension“ ist absolut nichts weiter als unbeschwerter Dance Pop, es will aber auch gar nichts anderes sein. Und gibt es irgendjemanden, der Kylie nicht irgendwie mag? Nein, oder? Padam Padam.

Und weil wir gerade so schön tanzen, bleiben wir auch dabei. Jetzt sinkt aber das Tempo, dafür steigt die Herausforderung, denn die Moves, die uns Róisín Murphy abverlangt, sind weniger die geradlinigen. Die Frau, die der Rezensent als großartigste Bühnenurgewalt bezeichnen würde, die er kennt, hat sich nach früher einzelnen Zusammenarbeiten nun für ein ganzes Album mit DJ Koze zusammengetan. Die Großmeisterin des unorthodoxen Kurz-vorm-Refrain-Abbiegens und der Experte in unerwarteter Beatbastelei haben eine „Hit Parade“ der eigenwilligen Einfälle aufgenommen, die mit der Zeit eine unerhörte Sogwirkung entwickelt.

2017: Unerwartetes und großartiges Comeback nach 22 Jahren. 2023: Huch, „schon“ wieder ein neues Album von Slowdive! Da kann man wohl zu Recht behaupten: „Everything Is Alive“. Der frühere Shoegaze ist zwar noch vorhanden, aber die Waage hat sich doch deutlich in Richtung elektronisch angetriebenen Dreampops verschoben. Auf acht Songs zelebrieren Rachel Goswell, Neil Halstead & Co. die pure Klangschönheit. Musik zum Hineinlegen, Darinherumwälzen und Wegträumen. Eines der Alben des Jahres!

Albumcover von "Nation Of Language - Strange Disciple"

Apropos Alben des Jahres. Das Album des Monats kam in diesem an Kandidaten reichen September von Nation Of Language. Mehr über den bezaubernden Synthiepop von „Strange Disciple“ könnt ihr hier lesen.

Seit 1984 sind The Mobile Homes bereits aktiv. Man nennt die Herrschaften hinter vorgehaltenem Synthesizer auch die schwedischen Depeche Mode. Und das ist gar nicht so verkehrt, wobei es auch eine Nummer kleiner geht und man hier Mesh oder Kent nennen könnte. Obwohl sie auf ihren bislang (nur) acht Alben trotz guter Kritiken und Touren bzw. Zusammenarbeiten mit Nitzer Ebb (Bon Harris gastiert hier auf einem Song), Laibach oder Karl Bartos seltsamerweise nie über den Status als Geheimtipp hinausgekommen sind, hat ihr Sound deutliche Inspirationen unserer Götter. Auch „Tristesse“ bietet eigentlich alles, was man in diesem Genre braucht: melancholische Synthesizer, mitreißende Melodien, eine warme Gesangsstimme. Taucht ruhig mal tiefer hier ein, liebe Leser!

Bei James Blake war bereits auf dem letzten Album „Friends That Break Your Heart“ ein Aufwärtstrend nach zwei zuvor doch ein bisschen unspannenden Alben zu erkennen. Der setzt sich nun auf „Playing Robots into Heaven“ fort. Außerdem hat er endlich die störenden Hip-Hop-Kollaborationen über Bord geworfen und kehrt stattdessen zum gefühlvoll intimen und basslastigen Elektroniksound seiner Anfangszeit zurück (nicht ohne diesen an aktuelle Gegebenheiten anzupassen). Das, verbunden mit einigen melodiösen Dancefloor-Raketen, macht diese Platte zu einer erfreulichen Angelegenheit.

Schon beim Vorgänger, dem dritten Album von Roosevelt, merkten wir an, dass Marius Lauber vielleicht langsam zu sehr auf Nummer sicher unterwegs ist. Andererseits lieferte er eben auch wieder Singlekandidat an Singlekandidat ab. Und nun? Macht er auf „Embrace“ genauso weiter. Okay, bei einem anderen Plattenlabel, aber sonst muss man schon sehr auf die Änderungen in den Feinheiten achten. Bisschen unspektakulär, andererseits tourt er damit erfolgreich um die Welt – und gewohnt gut sind die Tracks natürlich schon. Einmal lassen wir das noch gelten.

Wenn wir schon so gefühlt mediterran und mit Schirmchen im Drink unterwegs sind, können wir uns auch gleich Mathieu Hocine widmen, der bereits sein siebentes Album als Kid Francescoli vorlegt. Und „Sunset Blue“ – mit kompetenter Unterstützung (French 79, Alex Gopher, Stan Neff) und diversen mit ihm duettierenden Gaststimmen aufgenommen – ist eine wunderbar lässige Genießerplatte für Freunde luftig-leichten Elektropops geworden.

Zum Abschluss dieser starken Runde noch etwas EBM mit Trompete. Oder halt Prosecco Wave, wie Die Selektion und ihre Fans es gerne selbst bezeichnen. Nicht nur das Plattencover ihres dritten Albums „Zeuge aus Licht“ lässt ein gewisses Augenzwinkern erkennen, auch bei der Musik ist ein wissendes Schmunzeln sicher nicht verboten. Aber vor allem entfachen Luca Gillian, Hannes Rief, Samuel Savenberg und Tausendsassa Max Rieger ein amtlich produziertes und dabei sehr eingängiges Soundgewitter, das Fans von DAF, Nitzer Ebb oder auch Clan Of Xymox gefallen sollte.

Róisín Murphy, Slowdive oder andere dieser Alben“ kaufen:

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

1 Kommentar

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  1. Cool, schön geschrieben, danke!!!
    Macht schon Lust in das ein oder andere mal reinzulauschen :)
    vg

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