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Rückblick

Querbeats – Roundup April 2023

Der März war schon stark, doch auch der April 2023 war keineswegs ein musikalischer Scherz. Ganz hohes Niveau hier – und das über Genregrenzen hinweg. Begleitet uns auf unserem kurzen Rundflug, den Soundtrack liefern Sono, Everything But The Girl, Braids, Jessie Ware, Susanne Sundfør, Jonathan Bree, Autobahn und VNV Nation.

Wir fallen gleich mal mit dem Album des Monats ins Haus. Das lieferten die Jungs von Sono – unsere Rezension zu „In the Haze“ könnt ihr hier nachlesen. Und hier gibt’s unser Interview mit den drei sympathischen Herren.

Eine echte Überraschung bzw. gleich mehrere davon gab es von Everything But The Girl. Erstens, dass es die Band überhaupt noch gibt. Dann, dass Tracey Thorn und Ben Watt 24 Jahre nach dem letzten Album mit „Fuse“ nochmal eine neue Platte herausbringen. Und schließlich, dass diese so gut und zeitgemäß klingt. Nicht nur chilliger Coffeetable-Pop oder Oldschool-Trip-Hop, was ja auch okay gewesen wäre (und was es natürlich auch zu hören gibt) – aber Stücke wie „Nothing Left to Lose“ klingen ja schon fast nach Moderat. Coole Platte.

Der Elektropop von Raphaelle Standell-Preston und ihren beiden Bandmitstreitern ist gerne auf der experimentellen Seite unterwegs. Da können auf „Euphoric Recall“, dem fünften Album der Braids, schon mal björkeske Momente direkt auf an Goldfrapp erinnernde Sounds treffen und von Stellen, die an Poliça denken lassen, abgelöst werden. Mitunter innerhalb eines Songs. Am Ende ergibt sich jedoch ein spannender, ganz eigenständiger Klang.

Nun schrauben wir den Experimentalcharakter etwas zurück und springen stattdessen fröhlich unter die glitzernde Discokugel. Jessie Ware hat sich dort mittlerweile als selbstbewusste Popdiva eingerichtet und feuert mit „That! Feels Good!“ eine echte Euphoriebombe auf die Endorphinrezeptoren ab. Kein Wunder, dass die Single „Freak Me Now“ dann noch einmal als Duett mit der Schwester im Geiste, Róisín Murphy (zu dieser kommen wir im September zurück), veröffentlicht wurde. Kann man immer wieder auflegen, wenn man gute Laune braucht.

Dass Susanne Sundfør bei uns auf ewig einen Stein im Brett hat, ist sicher kein Geheimnis. Ob das Album-Meisterwerke wie „The Brothel“, „The Silicone Veil“ und „Ten Love Songs“ sind oder Zusammenarbeiten mit den Herren Röyksopp. Nachdem ihr letztes Album eher zurückhaltend akustisch ausfiel, beschreitet sie mit „Blómi“ mal wieder ganz andere Wege. Eröffnet und beendet die Platte mit zwei Spoken-Word-Stücken – und packt dazwischen eine Reise durch die nordische Sprache und Mythologie, vielschichtig orchestriert und arrangiert. Und natürlich gewohnt brillant gesungen. Muss man sich drauf einlassen können, aber dann wird man reich belohnt.

Ja huch, da müssen wir doch glatt feststellen, dass „Pre-Code Hollywood“ bereits das fünfte Album von Jonathan Bree ist. Wie konnte der Mann uns nur bisher entgehen? Vielleicht wegen des weiß maskierten Gesichtes? Aber okay, so tief in den Sounds der 80er steckte er bislang noch nie, wenn man das bei den Vorgängern nachprüft. Grandios, wie er sich mit seiner wunderbaren Stimme über die Melodien croont. Zwischen John Grant, The Magnetic Fields, The Divine Comedy und diversen Synthiepop-Klassikern ist noch Platz im Herzen. Eine der Entdeckungen des Jahres!

Post-Punk bleibt im United Kingdom angesagt. Und das ist gut so. Bei Autobahn ist die Menschheit sogar schon bei „Post-History“ angekommen, wie der erste Song auf „Ecstasy of Ruin“ besagt. Am Ende steht der „Class War“, und auf dem Weg dahin machen die vier aus Leeds keine Kompromisse. Spartanisch klopft die Drummachine, stoisch pumpt der Bass, nur die Keyboards lassen etwas Licht herein. Ein Wummern und Scheppern wie in der schönsten Kellerdisco.

Und auch von Ronan Harris gab es schon wieder ein neues Album. Wie und wo wir „Electric Sun“ in der Diskografie von VNV Nation einsortieren, gibt es hier zu lesen.

Albumcover von "VNV Nation - Electric Sun"

„Sono, Susanne Sundfør oder andere dieser Alben“ kaufen:

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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