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Querbeats – Roundup Juli/August 2023

Und hier ist auch schon der zweite Doppelrechenschaftsbericht zum musikalischen Sommer. Im Juli ging es noch mit den Veröffentlichungen, aber im August musste man dann die Lupe auspacken. Haben wir getan. Es fanden sich: Blur, Little Dragon, Georgia, Golden Features, Skeleten, Nathan Micay, hackedepicciotto und Daði Freyr.

Gleich mal ein ganz großer Name am Anfang. Blur! Ja, Damon Albarn hat neben seinem Megaerfolg mit den Gorillaz und den drölfzig anderen Projekten, in denen er sich so tummelt, auch mal wieder Zeit für seine alten Buddys gefunden. Und mit ihnen auf „The Ballad of Darren“ eine bezaubernd melancholische Herbstplatte aufgenommen (und sie mitten im Sommer herausgebracht). Mit nur einem oldschool-krachigen Ausreißer, vielen ruhigen, aber bezaubernden Songs – und mit „The Narcissist“, der für nicht wenige Menschen den Song des Jahres darstellte.

Yukimi Nagano und ihren Jungs ist es endlich gelungen. Was denn, fragen Sie zu Recht? Nun, Little Dragon haben zwar noch nie eine schlechte Platte veröffentlicht, aber ihr bisheriges Karrierehighlight „Ritual Union“ ist nun doch schon ein Dutzend Jahre her. Und nun haben die Schweden es eben geschafft. „Slugs of Love“ erreicht diese musikalischen Höhen wieder. Der trip-hoppige Elektropop mit der kleinen Prise Soul wird in ganz starken Songs perfektioniert – und der eingangs erwähnte Tausendsassa Damon Albarn singt auf einem der Highlights auch noch mit.

Wir können ja nicht immer nur loben hier. Also müssen wir leider festhalten, dass „Euphoric“, das dritte Album von Georgia nicht wirklich Euphorie entfacht. Nach dem mutig quer durch die elektronische Popmusik experimentierenden Debüt und dem Vergleiche mit Größen wie Robyn rechtfertigenden Nachfolger „Seeking Thrills“ wurden hier, auch mithilfe externer Produzentenunterstützung, sämtliche Ecken und Kanten rundgelutscht. Sehr schade, zumal man bei ungefähr der Hälfte der Songs durchaus erahnt, wie gut das hätte werden können.

Aber bleiben wir ruhig noch ein wenig bei geradlinigem Dance. Der muss ja nicht schlimm sein. Wie Thomas Stell alias Golden Features beweist. Der setzt sich seine goldene Maske auf, jettet von Sidney hinein in die Berliner Clubszene und rollt dann die Bässe aus. Mit mehr Erfolg als der arme „Sisyphus“. Denn diese knackigen Tech-House-Banger hier machen ordentlich Beine und Spaß, besonders wenn Gaststimmen wie Rromarin und Louisahhh mitmischen.

Noch mehr elektronische Musik aus Sydney, Australien, gefällig? Kein Problem. Russell Fitzgibbon, der sich Skeleten nennt, kennt Berlin vermutlich auch. Oder Köln. Jedenfalls Roosevelt. Denn an dessen fluffige Soundwelten (mehr hierzu im September-Rückblick) erinnert Fitzgibbons Debüt „Under Utopia“ mehr als nur einmal. Das macht aber gar nichts, denn diese Musik ist genau das, was man „uplifting“ nennt. Und so etwas können wir derzeit alle gebrauchen.

Hinüber nach Kanada. Jetzt wird es instrumentalelektronisch hier. Nathan Micay, schon länger im House- und Technobereich unterwegs, landete dann plötzlich einen großen Erfolg mit dem Soundtrack zur HBO-Serie „Industry“. Und auch „To the God Named Dream“ mit all seinen Arpeggio-Atmosphären könnte man sich gut als Soundtrack vorstellen. Hey, Netflix, eine (gelungene) Serie über das Berghain in der Planung?

Und was war auf unserem Lieblingslabel Mute so im Sommer los? Nun Danielle De Picciotto (Berliner Clublegende und Multimediakünstlerin) und Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) haben sich mal wieder als hackedepicciotto zusammengetan. Auf „Keepsakes“ erweisen sie persönlichen Freundschaften Referenz, indem sie jeden Song einer bestimmten Person widmen. Mit einem Sound, bei dem sie sich einerseits im neapolitanischen Studio an einer Vielzahl von klassischen und elektronischen Instrumenten ausgetobt haben, der aber von einer fast ungewohnten Zärtlichkeit und Zugänglichkeit geprägt wird.

Ohne Corona hätte der Eurovision Song Contest 2021 in Island stattgefunden. Denn ein putziger junger Mann im Pixelpulli hätte 2020 garantiert gewonnen. Egal, „Think About Things“ wurde auch so ein Hit (aktuell 141 Millionen Streams beim grünen Riesen). Nun legt Daði Freyr mit „I Made an Album“ seine erste internationale (und englischsprachige) Platte vor. Leider fehlen der Hit und dessen 2021er Nachfolger hier, die hätten sicher nicht geschadet. Aber auch so liefert Freyr eine lässige – und abwechslungsreiche – Sammlung eingängiger Songs ab, die sich die Synthiepop-Fraktion nicht entgehen lassen sollte. Und wie singt er am Schluss selbst: „Hier haben wir Tanzenpflicht!“

„Little Dragon, Daði Freyr oder andere dieser Alben“ kaufen:

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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