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Querbeats – Roundup Februar 2023

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Während ihr in den letzten Tagen in euren Kalendertürchen (hoffentlich erfolgreich) nach Gutscheinen für die anstehenden Ausgaben rund um eure Lieblingsband gesucht habt, gibt es heute endlich mal wieder einen musikalischen Rundumschlag. Den Januar haben wir vor einer Weile schon besprochen, wie ihr hier nachlesen könnt. Im Februar gab es u. a. spannende Platten – mit reichlich depechigen Querverweisen – von Maps, Miss Grit, Young Fathers, Algiers, Sunroof, Kraków Loves Adana, Orbital und Deichkind.

Zum Auftakt gleich fünf Alben von Künstlern, bei denen man gewisse Verbindungen mit Depeche Mode zum Aufhänger machen kann (die aber natürlich alle auch für sich stehen). James Chapman beispielsweise hat mit dem Maps Remix von „Should be Higher“ sicherlich einen der besten und melodischsten Remixe der „Delta Machine“-Phase beigesteuert. Nun heißt es bei Maps aber auf dem fünften Album „Counter Melodies“. Und ja, das ist ein Hinweis auf den Sound. Denn der softe Elektropop, für den Chapman bekannt ist, lässt sich hier zwar auch heraushören, aber im Vordergrund steht dieses Mal eher die Clubtauglichkeit. Und wem das nicht reichte, der bekam später im Jahr noch eine Version mit „Counter Mixes“.

Miss Grit wiederum reiht sich ganz aktuell in die Riege der Depeche-Mode-Remixe ein. Mit ihrem gelungenen Remix zu „Ghosts Again“ nämlich. Nach diversen Singles und EPs hat Margaret Sohn nun ihr Debütalbum veröffentlicht. Es geht um Mensch und Maschine oder Mensch-Maschine, inspiriert vom Sci-Fi-Film „Ex Machina“ (Filmtipp!). Auf „Follow the Cyborg“ umspielen nun kühle Sounds die warmen Melodien, wobei das Album längst nicht so elektronisch ausfällt, wie man erwarten könnte. Stattdessen lebt zwischen den Synthies der gute alte Indie-Rock wieder auf.

Auch die Young Fathers sind euch sicherlich ein Begriff, waren sie doch im Frühsommer eine ganze Weile auf Einladung der Band Support auf der Memento Mori Tour. Dort tobten die Young Fathers sich ordentlich auf der Bühne aus, und wer sich auf die sicherlich eher sperrige Musik des Kollektivs aus Edinburgh einließ, hatte auch Freude daran. Auf ihrem vierten Album „Heavy Heavy“ ist übrigens gar nicht alles so heavy. Sondern oft durchaus recht zugänglich. Wenn man das bei dieser wilden psychedelischen Tribal-Trip-Hop-Mischung sagen kann.

Algiers waren – ein paar Jahre früher – ebenfalls schon mit Depeche Mode auf Tour. Insbesondere Mr. Gahan outete sich wiederholt als großer Fan des Quartetts aus Atlanta (und wir haben sie auch schon persönlich interviewt). Ihre vierte Platte macht es dem Hörer mal wieder nicht leicht. Klar, diese Band war schon immer voller Druck, und Franklin James Fisher kann nach wie vor mit seiner stimmlichen Wucht Wände einsingen. Aber auf den 17 Tracks von „Shook“ gibt es außerdem etwa ein Dutzend Gastvokalisten und ungefähr genauso viele Stile. Das ist oft spannend, funktioniert aber nicht immer und verzettelt sich doch ab und zu. Gutes Album, nicht ihr Bestes.

Dass die Herren Daniel Miller und Gareth Jones nicht aus der Geschichte Depeche Modes wegzudenken sind, müssen wir hier keinem mehr erklären. Nachdem ihnen ihr gemeinsames „Debütalbum“ als Sunroof vor zwei Jahren so viel Spaß gemacht hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis die beiden erneut ihre Gerätschaften verkabeln und drauflos experimentieren würden. Für Freunde instrumentaler Knuspersounds nachzuhören auf „Electronic Music Improvisations, Vol. 2“. Mehr dazu in ein paar Tagen in unserem Interview mit den zwei Legenden.

Apropos. Auch mit Deniz Çiçek haben wir vor einer Weile gesprochen, das vollständige Interview schulden wir euch noch und werden es in diesen Tagen nachreichen. Derweil hat die fleißige Musikerin schon das nächste Album von Kraków Loves Adana veröffentlicht, das siebente mittlerweile (und später im Jahr gleich noch eine Coverversion, eine Non-Album-Single und eine weitere EP). Auf „Oceanflower“, das zwischen düsteren Coronawintern entstand, setzt sie den dunklen Zeiten warme Sounds entgegen und liefert eines ihrer harmonischsten Werke ab. Außerdem gibt es als Bonusglücksmoment auf zwei Tracks ein Wiederhören mit gleich drei Bandmitgliedern der leider aufgelösten Chromatics.

Hurra, die Hartnoll-Brüder gibt es auch noch! Also nicht nur in lebendig, sondern auch als Orbital. In der Techno-Hochphase der frühen Neunziger groß geworden, aber stets mit einer ganz eigenen Version von Techno unterwegs, hatten sie immer ein Gespür für die Melodie unter dem dicken Bass. Auf „Optical Delusion“ gelingt ihnen das mehrfach vorzüglich, und exzellente Gastauftritte (z. B. von den Sleaford Mods) erhöhen den Reiz zusätzlich. Macht enormen Spaß, die Platte!

Und dann war da noch unser Album des Monats. Was es über Deichkind und „Neues vom Dauerzustand“ zu berichten gab, könnt ihr hier gern noch einmal nachlesen.

Sunroof, Miss Grit oder andere dieser Alben“ kaufen:

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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