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Querbeats – Roundup November/Dezember 2023

Und damit kommen wir zum Ende unseres Rückblicks auf das vergangene Jahr. Ab morgen werden die Augen auf 2024 gerichtet. Im November gab es noch einmal einige spannende Neuveröffentlichungen, während der Dezember gewohnt sparsam unterwegs war. Wir hören uns jetzt gemeinsam durch die Alben von GusGus, Jaakko Eino Kalevi, Vince Clarke, Madness, Palm Ghosts, Odd Beholder, Peter Gabriel und Forced Movement.

Zum Beine lockern starten wir gleich mal mit einem „DanceOrama“. Wer beim Berliner Glass Danse Festival dabei war – oder einfach jemals ein Konzert von GusGus besucht hat –, weiß, was für positiv schweißtreibende Ereignisse die Isländer aus ihren Auftritten machen. Das DanceOrama soll nun einen futuristischen Ort darstellen, an dem jede/r seinen ganz persönlichen Rave erleben kann. Dazu wandeln die neun Tracks durch die Geschichte der elektronischen Tanzmusik. Da über die Hälfte der Stücke instrumental gehalten sind, dauert der Zugang zum Album vielleicht etwas, aber nur Geduld, das zündet schon.

Die Musik von Jaakko Eino Kalevi biegt immer rechtzeitig in eine andere Richtung ab, bevor man meint, sie einordnen zu können. Daher ist sein neues Album mit „Chaos Magic“ perfekt betitelt. Und darauf macht es der finnische Wahlathener dem Hörer wieder nicht leicht. Ein Doppelalbum, das gleich mal mit zwei Stücken zwischen spacigem Easy Listening und Jazz sowie einer kuriosen Albernheit einsteigt? Na wenn er meint. Nur die Ruhe, irgendwann bleibt das Glücksrad auch bei Elektropop stehen. Einfach mal reinhören, selbst wenn man sich hinterher nur die drei, vier weniger chaotischen Highlights herauspickt.

Das Bild zeigt das Artwork zum Album "Vince Clarke - Songs of Silence". Zu sehen ist ein Porträtbild von Vince Clarke in Schwarzweiß.

Natürlich müssen wir hier auch einen gewissen, nicht mehr ganz jungen, Debütanten erwähnen. Er heißt Vince Clarke und „Songs of Silence“ ist tatsächlich sein erstes Album – als Solokünstler. Und das überrascht in mehrerlei Hinsicht. Kein eingängiger Synthiepop weit und breit. Aber auch kein knackiger Techno (wie bei VCMG). Stattdessen größtenteils entschleunigender Ambient. Muss man sich drauf einlassen können. Dann kann man sich auch an den feinen Details erfreuen – hier ein Cello, da eine vorbeischwebende Opernstimme, dort Sci-Fi-Sounds und da, ganz hinten, ist da nicht doch eine kleine Melodie?

Weiter mit großen Namen. Madness, hierzulande für „Our House“ und noch „ein, zwei Hits“ bekannt, in ihrer britischen Heimat hingegen mit anderthalb Dutzend Top-Ten-Erfolgen auf ganz anderem Level berühmt, haben nach ihrer ersten Hochphase (1979-1985) schon einige Comebacks hingelegt, besonders beeindruckend 2009 mit „The Liberty of Norton Folgate“. Seitdem sind sie eigentlich konstant wieder da, mit ordentlichen Alben und fantastischen Konzerten. An die Klasse der 2009er-Platte knüpft nun „Theatre of the Absurd Presents C’est la Vie“ an, auf dem sie ihrer Insel und deren bröckelnder Gesellschaftsordnung wieder einmal pointiert den Spiegel vorhalten und gleichzeitig einen ganzen Stapel großartiger Melodien ausschütten. Und mit dem ihnen im UK gar ihre erste Nummer 1 der Albumcharts gelang. Well deserved, lads!

Dass aus Nashville, Tennessee, nicht nur Country kommen muss, haben schon verschiedene Künstler bewiesen. Ja, sogar Post-Punk im Erbe von Joy Division und mit starker Verwandtschaft zu (frühen) Editors gibt es da. Von Palm Ghosts nämlich, die uns auf ihrem bereits siebten Album ein fröhlich misanthropisches „I Love You, Burn in Hell“ entgegenrufen. Für diese Musik hier werden sie bestimmt keine Originalitätspreise gewinnen, aber die Songs sind einfach gut, und wer diesen Stil mag, verträgt auch noch eine weitere Band.

Die drei letzten relevanten Alben des Jahres erschienen am 1. Dezember, und die hatten es in sich. Beispielsweise Odd Beholder, die wir hier ja schon mehrfach empfohlen haben. Auf „Feel Better“ gelingt es Daniela Weinmann nun in herausragender Weise, schwere und berührende Themen zwischen Problemen des Erwachsenwerdens, familiären Dramen und trauriger Sterbebegleitung in wunderbar leichtfüßigen Elektropop zu verpacken. Da schlich sich ganz spät noch eine Platte ganz weit nach vorn bei den Alben des Jahres.

21 Jahre ist es her. Da veröffentlichte Peter Gabriel sein letztes Album mit neuen Songs. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass da jenseits von Neuauflagen, Coverversionen und Touren mit Klassikeralben nochmal etwas kommen würde. Doch dann ging ein Erdtrabant namens „i/o“auf. In jedem Monat des Jahres erschien zum Vollmond ein neuer Song, schließlich das ganze Album und das auch noch in drei Versionen (dem Bright-Side Mix von Mark „Spike“ Stent, dem Dark-Side Mix von Tchad Blake sowie dem Atmos In-Side Mix von Hans-Martin Buffs). Doch viel wichtiger: Es ist gut geworden, es ist ein unverkennbarer Gabriel.

Das letzte Album des Monats für 2023 bescherten uns Forced Movement mit „Lost“. Unsere Rezension könnt ihr hier nachlesen. Und nun auf ins Musikjahr 2024!

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Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

1 Kommentar

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  1. Querbeats Round Up 2.023

    Hi,
    zunächst ganz großes Lob und ein
    freundliches Thnx an Thomas Bästlein für diesen mMn interessanten, toll beschriebenen Jahresrückblick i.S. LP Veröffentlichungen, die ich mal unter dem gängigen Begriff „Alternativ“
    ( Postpunk, NewWave, EDM, SynthiePop, DanceRock, Alternativ Rock, NeoDisco etc.) subsumiere.
    Auch wenn man selbst ( oder andere User) vielleicht eine LP von seinen weiteren Favorits vermisste, ich denke, dass gerade die Auswahl und Forcierung auf jüngere Bands, Künstler, Künstlerinnen diesen Jahresrückblick lesenswert und vielmehr Neugierig „weckt“ , auf Bands wie Nation of Language oder den hier vorgestellten Postpunk- Bands. Und klasse, dass man auch auf Bands wie Madness und Sparks mit gelungener Charakter Beschreibung der Band und Lp aufmerksam macht. Gerade die Mael Brothers haben mich mit ihrem ArtPop schon in den späten 70er als kleiner Teen begeistert und immer wenn’s möglich war, besuchte ich ihre Konzerte ( letztmals schon fast 25 Jahre her). Nebenbei…the Most underrated Band für mich , man wäre überrascht, welche andere großartige Künstler der frühen NewWave Ära von ihnen beeinflusst wurde, die britischsten Amerikaner und die britischsten Briten.. Madness , die mit ihrem Genre Mix von (Northern-) Soul, Ska, Reggae, FunPunk nichts von ihrer Einmaligkeit seit über 40 Jahren verloren haben, immer Augenzwinkernd und kritisch , was insbesondere sozial gesellschaftliche Entwicklungen betraf, die LP ist mMn Top , einfach „Feel Good“ .
    Everything about the Girl, IAMX, Ladytron waren für mich weitere musikalische Highlights 2.023 und die Kyle hab ich auch irgendwie gerne. Aber als Alt80er gilt auch … Aufmerksamkeit auf jüngere Bands , die hier vorgestellt wurden und deren LP oder einzelne Songs ich mit Sicherheit anhören werde.

    Mein Resümee…
    2.023 war musikalisch betrachtet ein gelungenes Jahr und viele Künstler und Bands der 80/90er Jahre haben mit ihren aktuellen LP‘s und LiveAuftritten bewiesen, dass manch einer der Abgesänge auf sie zu früh oder überflüssig war, mit ihren Alben haben sie , entgegen ihrem Alternativ- Indie Charakter, bewiesen, dass sie eben nicht zum „alten Eisen“ gehören, hohe Chartplatzierungen in Europa und ebenso USA, ausverkaufte Konzerte und vor allem begeisterte Besucher und feste, treue Fangemeinde sprechen für sich. Der jüngeren Avantgarde kann man in diesem zunehmend schwierigen Marktumfeld des Rock und Popmusik Business nur großes Lob und die besten Wünsche zusprechen, dass sie vorrangig ein ebenso junges Publikum für sich gewinnen, dass ihnen über Jahre hinweg folgen und sich an ihrer Musik erfreuen wird.
    Dies ist meine persönliche Meinung

    Grüße

    Antworten

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