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Schwelgerischen Electropop

Review: Ladytron – Time’s Arrow

Na das ist doch mal erfreulich. Während man auf den Vorgänger fast acht Jahre warten musste, dauerte es nun nur die halbe Zeit bis zu einem neuen Ladytron-Album. Und was soll man sagen: Im Bereich des schwelgerischen Electropops macht dieser Band nach wie vor niemand etwas vor.

Da braucht es nur wenige Takte von „City of Angels“ bzw. maximal die 17 Sekunden bis zum erstmaligen Erklingen der unverwechselbaren Stimme von Helen Marnie, und man ist sofort wieder drin im Ladytron-Universum. Von dieser Frau würde man sich auch Telefonbücher oder – zeitgemäßer – Instagram-Postings vorsingen lassen.

Apropos angesagte Social-Media-Plattformen: Der Rezensent ist ja (vor allem altersmäßig) weit entfernt davon, die Faszination von TikTok zu begreifen. Aber bei einer Sache ist diese App für Aufmerksamkeitseintagsfliegen gut: Bands und Songs überraschend (noch) bekannter zu machen. So schaffte es „Seventeen“ vom zweiten Ladytron-Album „Light & Magic“ über 20 Jahre nach Veröffentlichung zu neuer Berühmtheit.

Unbeirrt von solchen Späßen werkelte die mittlerweile über verschiedene Erdteile verstreute Band an „Time’s Arrow“ und erschuf in den Studios zwischen Liverpool, Glasgow und Kalifornien zehn zeitlos schwelgerische Stücke, die nahezu alle Singlequalität haben. Nicht nur der eröffnende Hitdreier aus „City of Angels“, „Faces“ und „Misery Remember Me“.

Das Songwriting verteilt sich übrigens ganz gut zwischen Daniel Hunt und der auch dank ihrer gelungenen Soloalben weiter gereiften Helen Marnie (die dafür oft noch mit Jonny Scott zusammenarbeitete). Während Reuben Wu gewohnt im Hintergrund agiert, steuert Mira Aroyo zwar nichts auf Bulgarisch (wie auf den frühen Alben) bei, dafür aber mit „Flight from Angkor“ und insbesondere dem abschließenden Titelsong zwei atmosphärische Highlights.

Insgesamt klingt das Album durchweg sehr harmonisch, ja nahezu optimistisch – selbstverständlich stets mit leicht melancholischem Unterton. Einzelne Höhepunkte muss man eigentlich gar nicht herauspicken, denn die geneigte Leserschaft kann bei diesem Album im Prinzip jeden Track als Hörprobe auswählen. Da machste nix falsch.

Trotzdem noch ein paar Picks: Zu Beginn der zweiten Hälfte landet Marnie mit dem flott tanzbaren „The Night“ und dem traumhaft schwebenden „The Dreamers“ zwei weitere Volltreffer, bevor das Finale das Licht etwas dimmt. „Sargasso Sea“ schwimmt durch das bei laichenden Aalen und leider zunehmend auch gigantischen Müllbergen beliebte Gewässer, durchs gar nicht so sonnige „California“ treiben Gitarren aus der 80er-Indieszene, und das feine Titelstück erwähnten wir schon.

Unser erstes Album des Monats in diesem Jahr geht an Ladytron – so kann 2023 weitergehen!

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (4/5)

Ladytron – Time’s Arrow kaufen:

www.ladytron.com

www.facebook.com/ladytron/

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

6 Kommentare

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  1. Danke

    an Thomas Bästlein für den gelungenen Review der neuen Ladytron LP, danke an die Foristen und Kommentare hierzu, ohne der ich gar nicht auf die LP aufmerksam
    geworden wäre.
    Klar kenne ich Ladytron,
    ( auch schon wegen des Bandnamen als RoxyMusic Freund) , aber bis auf wenige Songs hatte ich die Band bisher nicht so im Fokus.
    Zu unrecht wie sich jetzt herausstellt, die hier vorgestellten Clips angehört, gestreamt und gleich die LP bestellt. Insofern kann ich keine Plattenkritik i.e.Sinne wiedergeben, aber zu den Songs die ich mir angehört habe ( the Night, the Dreamers, City of Angels, Faces) kann ich nur schreiben „traumhaft“ im wahrsten Sinne des Wortes, die Songs haben eine „Trance“ in sich, die mich etwas an Jesus an the Mary Chain, an Shoegoazing der elektronischen Art erinnert. Einer musikalischen Wanderung in elektronisch, melancholisch und angenehm düsteren Klangbilder.
    Die Synthesizer haben Seele, sind nicht nervig dröhnend, die Gitarrenriffs harmonieren hierzu mal mehr mal weniger Leise im Background, und die Stimme von Helen M. … da hat der Autor die passende Beschreibung gefunden.
    Ladytron ( und auch einige weitere british Indie Bands ab den frühen 2.000er) führen den Underground Sound der 80er treffend weiter, und wie ein anderer Forist beschrieb „ ohne den Fehler zu machen, genauso ( wie ihre Vorbilder) klingen zu wollen oder krampfhaft zu müssen“ und ergänzend meinerseits die coole Optik vieler „klassischer“ NW Bands topen zu wollen und Sound and Vision schon ins „obskure“ zu drehen
    ( persönliche Meinung).
    Freu mich die LP in voller Länge und durchgehend zu hören, hoffe und denke sie wird auch noch jede Menge anderer NewWave Fans, gleich welchem Alter, begeistern.
    Interessante Info, dass Ladytron für Vorgruppe für das DM Konzert vorgesehen war, wusste ich nicht, aber ja, dies ist einer der Bands die mE zweifelsohne passen würde.

    @52er
    „Also bitte Mart und Dave , nochmal versuchen.“ Word !

    Grüße, einen erholsamen Abend und guten Start in den neuen Tag
    … the time is Running

  2. Zugegeben ...

    Moin allerseits,

    zugegeben sind Ladytron bei mir immer etwas unterm Radar geflogen. Dank Radio 1 bin ich dann mal auf den Opener des neuen Albums der Band (City of angels) gestoßen worden. Eine Woche nach Release lag das aktuelle Album dann im Briefkasten. Ich kann der Beurteilung hier nur zustimmen. Für mich wäre es nur besser, wenn man „City of angels“ irgendwo in der Mitte des Albums verstaut hätte und nicht an den Anfang. Nach dem Song haben es die anderen ein wenig schwer aber das Album ist durchweg hörbar.

    Inzwischen habe ich begonnen, mir Stück für Stück die anderen Alben ins Haus zu holen (Witching hour und Velocifero sind schon da; u.a. 604 und Ladytron sind auf dem Weg). Und die Vorgängeralben beinhalten ja wirklich klasse Stücke. Wer eigenständigen Sythiepop mag, der auch sehr gern den Werkzeugschrank der 80er bemüht, ohne aber den Fehler zu machen, genau so klingen zu wollen oder krampfhaft zu müssen. Der ist hier richtig aufgehoben.

    Wäre auch ne tolle Vorband für Depeche Mode. Aber der Wunsch wird wohl nicht erfüllt werden, obwohl es gab ja schon mal den Versuch. Bei der Delta Machine – Tour sind aber ausgerechnet die Shows krankheitsbedingt (Dave – Blasentumor) ausgefallen, wo Hellen, Mira & Co. gebucht waren.

    Also bitte Mart und Dave, nochmal versuchen.

    Grüße
    Jens

    • Gerade „Velocifero“ ist bei mir damals rauf und runter gelaufen, ein bärenstarkes Album!
      Ebenso wirklich hörenswert die beiden Solo-Alben von Helen Marnie, besonders das Erstlingswerk „Crystal World“ (aus dem Jahr 2013) ist großartig. Das zweite Album „Strange Words and Weird Wars“ (2017) ist aber auch ziemlich gut und in etwa auf einem Level mit dem aktuellen Ladytron Album.

    • Velocifero ...

      Moin Roderich,
      „Burning up“ von Velocifero ist mal so ein bockstarkes Stück. Das auf ordentlichen Kopfhörern volles Rohr gehört, einfach brutal stark, auch nach X Jahren noch. Ebenso stark ist „Destroy everything you touch“ vom Vorgängeralbum.

      Nein, die vier Briten schaffen es m. E. über ihre bisherige gesamte Schaffenszeit Sythiepop at its best zu kreieren. Ich hoffe, dass die noch ne Weile unterwegs sind und es mir gelingt, die mal Live zu sehen.

      Ziemlich lustig finde ich „He took her to a movie“ vom Debutalbum „604“. Wer in dem Stück „Das Model“ von Kraftwerk NICHT wiederfindet, der sollte mal entspannt zum Ohrenarzt gehen.

      Grüße
      Jens

  3. Ja, ein guter musikalischer Start ins Jahr!

Kommentare sind geschlossen.

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