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Nation Of Language – A Way Forward

Es gibt keine neuen Synthiepop-Bands mehr, denken Sie? Denken Sie neu! Ja, aber zumindest keine, die mit den Großen mithalten können, denken Sie? Denken Sie um! Dürfen wir Ihnen vorstellen: Nation Of Language.

Ian Richard Devaney spielt in einer mäßig erfolgreichen Postpunkband. Immerhin reicht es schon mal für einen Support bei den Wombats. Aber so richtig ist der Funke nicht übergesprungen. Dann läuft im Radio einer der Lieblingssongs seines Vaters – „Electricity“ von OMD – und es ist um Ian geschehen.

Das Songwriting wird (größtenteils) von der Gitarre auf die Keyboards verlegt, eine neue Band mit Freundin (mittlerweile Frau) Aidan Noell sowie Bassist Michael Sue-Poi gegründet – und dann wird es richtig romantisch: Um das Debütalbum „Introduction, Presence“ in Eigenregie aufzunehmen, wird das gesamte Hochzeitsgeld geopfert. Hach!

Nach diesem starken Debüt (Unbedingt nachhören, wer es noch nicht kennt, „On Division St“ bekommt man nie wieder aus dem Herzen!) flossen die kreativen Energien stetig weiter, die Band veröffentlicht auch immer wieder gern Non-Album-Tracks zwischendurch, so dass nun schon im Folgejahr der Nachfolger (nunmehr mit Plattenvertrag) erscheint – und auch der sollte bei jedem Fan von Synthie- oder Wavepop (und Postpunk) der 80er die Zunge zum Schnalzen bringen.

Nation of Language - Across That Fine Line [Official Lyric Video]

Mit den repetitiven Synthesizerklängen von „In Manhattan“ beginnt es fast zurückhaltend, aber man ist sofort drin in den Referenzen zwischen OMD, The Human League, Alphaville und Joy Division/New Order. Erst recht, wenn danach mit „Across That Fine Line“ die Hitmaschine angeworfen wird. Unwiderstehlich!

Bei „Wounds Of Love“ lässt sich erstmals erkennen, was Ian meint, wenn er sagt, dass man nach den offensichtlichen Vorbildern dieses Mal zum Teil noch ein bisschen weiter in der Vergangenheit geforscht hat, bei den Vorbildern der Vorbilder also. Kraftwerk, Neu! und so weiter. Mehr Aussagen des Sängers könnt ihr übrigens demnächst in unserem Interview mit ihm lesen.

Doch zurück zu den Hits. Nachdem man im schlurfig-träumerischen „Miranda“ nämlich ein bisschen relaxt hat, kommen gleich zwei Singles am Stück. Zuerst das fantastische „The Grey Commute“, in dem die Band auch inhaltlich etwas düsterer in den Abgründen unserer Konsumgesellschaft abtaucht. Schön auch im Video bebildert:

Nation of Language - The Grey Commute [Official Music Video]

Direkt darauf folgt mit „This Fractured Mind“ schon der nächste Megaohrwurm. Diese Synthies! Tanzen! Herrlich!

Nation of Language - This Fractured Mind [Official Music Video]

Danach wird es vergleichsweise fast experimentell. Aber glauben Sie dem Rezensenten, das getragene und intensiv gesungene „Former Self“ entwickelt sich mit der Zeit zum heimlichen Lieblingslied. Dem mit „Whatever You Want“ eine weitere eingängige Perle folgt, bei der man hier auch mal an neuere Bands wie Future Islands denken mag (andere „jüngere“ Referenzen des Albums: Cut Copy oder Holy Ghost!, deren Nick Millhiser passenderweise einer der beiden Co-Produzenten war).

Zum Ende hin vertieft sich noch ein wenig diese bittersüße 80er-Melancholie, „A Word & A Wave“ schwelgt darin, und mit „They’re Beckoning“ gelingt Nation Of Language – wie schon mit „The Wall & I“ beim Debüt – ein elegisches Finale zu einem der schönsten Alben des Jahres.

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (5/5)

„Nation Of Language – A Way Forward“ bestellen:

PS: Nation Of Language kommen auch endlich auf Tour:

10.01. Köln – Yuca

14.01. Hamburg – Turmzimmer

19.01. Berlin – Lido

20.01. Zürich – Kater

www.nationoflanguage.com

www.facebook.com/nationoflanguage

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

1 Kommentar

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  1. Was eine Wohltat eine charaktervolle Stimme ohne Autotune-Kehligkeit zu hören. Dazu klare und etwas kantige Arrangements, die ohne übertriebene Griffe in die Effekt-Plugins-Kiste leben, gutes Songwriting. Gekauft!

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