Hurts – Happiness

Da ist es also nun, das heiß erwartete – bzw. kalt gefürchtete, je nach Geschmack – und voraussichtlich extrem erfolgreiche Debüt der beiden Mancunians. Die 80er dürfen somit wohl als endgültig zurückgekehrt betrachtet werden. Romantisch, pathetisch, eingängig bis zur Schmerzgrenze oder ganz einfach: Endlich wieder schöne Musik im Radio!

Die Geschichte ist kurz und daher schnell erzählt. Die Vorgängerband Daggers scheitert auf ganzer Linie (warum, kann bei You Tube nachvollzogen werden), doch dann ist da plötzlich dieses einfache Schwarzweißvideo unterwegs und bereits um den Jahreswechsel herum ist die Popwelt – auch hier mal wieder: UK vor allen anderen – elektrisiert, was denn da kommen möge. „Wonderful Life“ ist der unfassbar eingängige Song dazu, mehr gibt es erstmal nicht zu hören. Dramatische Lovestory, exaltierter Gesang, Midtempo-Tanzbarkeit, kuschelige Synthesizer und ein Refrain zum Niederknien. Plus ein bisschen sanfte Gitarre und heimlich eingeschmuggeltes Saxofon. Hit. Nicht ohne Waffengewalt aus dem Ohr zu bekommen. Und ein knappes Dreivierteljahr später, nach regulärem Erscheinen, trotzdem noch aus dem Stand auf Platz 2!

Was haben Theo Hutchcraft und Adam Anderson nun aber jenseits der Überhymne und ohne Beachtung von schickem feingezwirnten Aussehen, sprich auf Albumlänge, zu bieten? Nun, ganz viel und mehr von allem. Ein Album wie ein fette (aber leckere) Cremetorte. Synthesizersounds, die man sofort zu kennen glaubt, Melodien im Überfluss, Streicherpower, dazu schwermütige Texte, dramatisch intoniert – gelegentlich gar von einem Opernsänger unterstützt, dessen mächtige Statur bei Konzerten ein Erlebnis für sich ist. Man kann große Namen der 80er nennen, die jedem bekannt sind: OMD, Tears For Fears, Heaven 17, Duran Duran, auf der Halbschattenseite auch die späteren Ultravox oder Spandau Ballet. Es ist jedoch auch ein eigener Stil zu erkennen, denn der Sound ist ja nicht nur retro, da werden durchaus auch neuere Klänge beigemischt (und einiges aus den 90ern).

Was die Songs angeht: Hurts sind da schon clevere Burschen, die sich nur so weit in die Karten gucken lassen, wie sie möchten (in Interviews und bei Konzerten erkennt der aufmerksame Beobachter, dass da durchaus ein hellwacher Humor dabei ist) – nach „Wonderful Life“ folgte als nächster Köder erst einmal „Better Than Love“, schnellster (und untypischster) Song der Platte und eine richtig fetzige Tanzmaus. Ein weiteres Stück sickerte dann mit „Blood, Tears & Gold“ durch, das andeutete, dass Hurts auch die langsamen Songs lieben, in denen die Melancholie sich erst so richtig ausbreiten kann.

Und auf dem Album stellt man nun fest, dass die tempoärmeren Stücke gar überwiegen. Da gibt es dann vielleicht auch schon mal zu viel Schmalz aufs Gehör wie beim Abschluss „Water“, wofür allerdings im Anschluss der Hidden Track „Verona“ sofort wieder entschädigt, denn der ist so quatschig, dass sie den definitiv nicht ernst gemeint haben. Allerdings sind die Kuschelsongs nur in der Summe zu viel, einzeln sind sie alle prächtig: Die schmachtenden Chöre von „Stay“ (dramatische-Hände-zum-Himmel-Geste dazu denkenn), die Steigerungen und hohen Töne von „Illuminated“ oder der Orchesterpomp von „Unspoken“. „Devotion“ gibt es gar in einer Fassung ohne und einer mit Kylie Minogue (Übrigens: Schon das tolle Hurts-Cover von Kylies Geniestreich „Confide In Me“ gehört?) Der große Totalausfall auf „Happiness“ (schade übrigens, dass der Titelsong es gar nicht darauf geschafft hat, der ist live ein großer Spaß) ist dann überraschenderweise auch ein schnelleres Stück: Das echt viel zu käsige „Sunday“ hätten sie lieber Killers-Frontschaumschläger Brandon Flowers für sein Soloalbum verkaufen sollen.

Doch zurück zu den guten Dingen: Im mittleren Tempo liegt doch eher die Hurts-Zukunft, wie auch zwei wunderbare Song-Perlen beweisen – der herrliche und sich mit jedem Durchgang mehr zum Favoriten entwickelnde Opener „Silver Lining“ und das ebenfalls hervorragende „Evelyn“.

Tja, glauben Sie nicht dem Hype? Oder doch? Nicht erreichbare Vorschusslorbeeren? Völlig egal eigentlich, entscheidend ist doch, dass Hurts ein ziemlich fabelhaftes Debütalbum vorlegen, dass vielen Menschen sehr viel Freude machen wird.

(Addison)

P.S. Hurts live (größtenteils allerdings schon ausverkauft): 18.10. Berlin – 19.10. Hamburg – 20.10. Köln – 22.10. München

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