spring11

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu und die immer wärmeren Sonnenstrahlen entlocken dem Boden bereits die ersten Frühblüher. Traditionell nutzen viele Menschen diese Jahreszeit, um zu Hause einen umfangreichen Frühjahrsputz durchzuführen. In unserem Fall haben wir auch den Plattenschrank entstaubt und dabei einige Releases entdeckt, die wir trotz intensivster Bemühungen zeitlich nicht besprechen konnten. Um diesen CDs dennoch etwas Aufmerksamkeit zu schenken, haben wir uns durch die verschiedenen Alben gehört und liefern euch ein kleines Fazit dazu.

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Los geht es mit einer Band vom anderen Ende der Welt: Neuropa. Das australische Duo zelebriert auf seinem sechsten Longplayer „Plastique People“ Synthiepop in Perfektion. Dabei sind bei Songs wie „Plastique People„, „Concrete Fields„, „Chromakey“ oder „The Futurist“ Reminiszenzen von Bands wie Yazoo, Elegant Machinery oder den frühen Erasure nicht von der Hand zu weisen. Neuropa orientieren sich bei dem überwiegenden Teil ihrer Songs deutlich am Synthiesound der 80er Jahre und kombinieren diesen mit eingängigen Melodien. Zwischendurch überrascht das Duo mit Songs wie „Das Beat Industrialle„, „Fashion War“ oder „Nothing Like You“ und bietet damit auch erfrischende Ausflüge mit einem deutlich moderneren Soundsetup.
Qualitativ liefern Neuropa mit „Plastique People“ ein durch und durch ansprechendes Synthiepop-Album ab, mit dem sie sich definitiv nicht hinter den großen Namen verstecken müssen. Tipp!

Neuropa - Plastique People
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Weniger eingängig geht es hingegen auf dem aktuellen Longplayer von Amduscia zur Sache. Nach dem Tod von Edgar Acevedo im März 2010, war lange Zeit nicht klar, ob das bereits zu großen Teilen eingespielte vierte Album der Mexikaner überhaupt erscheinen wird. Bandmate und Bruder Polo entschied letztendlich, dass es kein besseres Vermächtnis für Amduscia geben kann und stellte „Death, Thou Shalt Die“ letztendlich im Alleingang fertig. 12 neue Songs in gewohnt aggressiver und druckvoller Art kreieren hier ein Album, das den Charakter einer Werkschau hat. Viele Tracks erinnern an die Anfangstage der Band und klingen dennoch nicht angestaubt. „Desequilibrio Mental„, „I’ll Hate You„, „F*ck the F*cking F*ckers“ oder „Creepy Life“ seien an dieser Stelle nur stellvertretend als prädestinierte Clubstampfer für die dunklen Tanztempel genannt. Abwechslung bringen die beiden Balladen „R.I.P.“ und „Battle In Paradise„, die Edgar gewidmet sind.

Amduscia - Death, thou Shalt Die
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http://youtu.be/r7Kervt7jRQ

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Für ihren süffisanten ‚Gothic-Pop‘ sind Blutengel bereits seit vielen Jahren bekannt, was Mastermind Chris Pohl wiederum den Titel ‚Dieter Bohlen der schwarzen Szene‘ einbrachte. Dem Erfolg tat dies dennoch keinen Abbruch, was diverse Platzierungen in den deutschen Albumcharts belegen. Mit „Nachtbringer & Tränenherz live“ kann man sich nun einen Mitschnitt der letztjährigen Tournee zum Album „Tränenherz„, sowie eine exklusive CD mit 8 neuen Songs + Bonusmaterial nach Hause holen. Beim Mitschnitt wird bewusst auf schnelle Kamerawechsel und zusätzliche Effekte verzichtet. Im Mittelpunkt steht die Show, bei der Songs wie „Doomsday„, „Lucifer„, „Winter Of My Life“ und „Bloody Pleasure“ zum Besten gegeben werden. Ergänzt wird die DVD durch exklusives Backstage- und Bonusmaterial.
Nachtbringer“ bietet acht neue Songs mit dem typischen Blutengel-Sound. Eingängige Melodien treffen hier auf deutsche und englische Texte, die sich mit Herz-Schmerz-Themen auseinandersetzen. Komplettiert wird die Audio CD mit drei Demo-Versionen von „Like A Shadow“, „Color Of The Night“ und „Still Standing“, die zum Teil hörbar von den veröffentlichten Versionen abweichen.

Blutengel - Nachtbringer & Tränenherz
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Seit Mitte der 90er Jahre veröffentlicht das Produzenten-Trio Levitation Downbeat- und Chillout-Songs. Einige dieser Tracks zählen heute zu den Klassikern dieses Genre. Da wären z.B. „More Than Ever People“ und „Out Of Time“, die beide auf der legendären Samplerreihe Café del Mar veröffentlicht wurden. Wie aktiv die drei Produzenten in den vergangenen 20 Jahren waren, beweisen sie auf ihrem neuen Album „Essential Levitation – 20 years of Ibiza chillout music„. Auf dieser Werkschau präsentieren Levitation neben ihren bisher erfolgreichsten Veröffentlichungen auch 10 neue Tracks. Auf der dritten CD gibt es als Bonus noch einen kontinuierlichen Mix von DJ Sweep, der die einzelnen Tracks ineinander fließen lässt. „Essential Levitation – 20 Years Of Ibiza Chillout“ ist sowohl ein Rückblick, als auch ein Neustart für ein Projekt, das sich nach längerer Pause wieder zurückmeldet.

Levitation - Essential Levitation 20 years of Ibiza chillout music
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Anders Trentemøller hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht nur als Liveact, sondern auch als Produzent und Musiker weltweit einen hochgeschätzten Namen gemacht. Superstars wie Depeche Mode, Moby oder die Pet Shop Boys haben sich ihre Singles von dem Dänen remixen lassen. Andersrum haben aber auch Bands und Musiker wie Modeselektor, UNKLE oder Maria Fisker die Songs von Trentemøller durch die Oszillatoren gepresst.
Auf „reworked / remixed“ kommen sowohl die Arbeiten von Trentemøller für andere Bands, aber auch die Remixes seiner eigenen Songs zusammen und erzeugen eine ganz eigene Werkschau. Wie genreübergreifend der Däne dabei agiert, wird mit einem Blick auf die Tracklist deutlich. Da gesellen sich Franz Ferdinand zu Depeche Mode und UNKLE zur dänischen Rockband MEW. Sämtliche Versionen besitzen dabei den unverwechselbaren Soundstempel von Trentemøller – seien es die von ihm gefertigten Remixes oder die Versionen seiner Songs. Ob Clubtauglickeit oder die filigrane Exklusivität einzelner Songs – auf „reworked / remixed“ wird die gesamte musikalische Bandbreite von Trentemøller dargeboten. Dass er dabei in einer ganz eigenen Liga spielt, versteht sich mittlerweile von selbst. Tipp!

Trentemøller - reworked / remixed
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http://youtu.be/UVI8LOu3dp0

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Down Below lieferten anno 2008 mit „Sinfony 23“ ein tolles zweites Album ab, das mit „From The Highest Point“ und „Privat Soul Security“ zwei extrem starke Singles enthielt. Der vermeintliche Durchbruch kam jedoch erst mit der 2008er Single „Sand In Meiner Hand“, mit der die Dessauer im Rahmen des Bundesvision Song Contest 2008 im Fernsehen für ihr Bundesland antraten. Es folgte mit „Wildes Herz“ ein ausschließlich deutschsprachiges Album. Auch „Zeichen„, der vierte Longplayer der Band, ist lediglich mit Songs in deutscher Sprache ausgestattet. Musikalisch bleiben sich Down Below zwar weitestgehend treu, doch die Ecken und Kanten früherer Produktionen sucht man leider vergebens. Zu glatt und zu vorhersehbar plätschern die einzelnen Songs auf „Zeichen“ dahin und reihen sich letztendlich in die Deutschrock-Ecke ein. Wer Bands wie Juli oder Silbermond mag, kann hier zwar nichts falsch machen, dennoch liegt auch diese CD weit hinter der Qualität von „Sinfony 23“ zurück. Schade!

Down Below - Zeichen
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Dubstep zählt aktuell zu den wohl angesagtesten Musikrichtungen, so dass immer wieder neue Projekte auf den Markt drängen. Neben Skrillex zählen Blackburner in den USA derzeit zu den angesagtesten Dubstep-Artists. Skyla Talon, der zunächst in der Metalszene musizierte, veröffentlichte jüngst unter diesem Alias den Track „Rusko“ und konnte sich damit prompt in den amerikanischen iTunes Charts platzieren und über 50.000 Downloads verbuchen. Mit „Feel The Burn“ erscheint am 13. April das Debütalbum, auf dem Blackburner die harten und aggressiven Sounds des Dubstep und Glitch mit den melodischen Hooks aus Rock, Industrial und Electronica vereint. Das Ergebnis ist ein nicht immer clubtaugliches Sammelsurium von experimentellen Soundcollagen, aber auch schon fast poppigen Tracks wie „Feel The Burn“ oder der Foster The People Coverversion von „Pumped Up Kicks„. Abgerundet wird die CD mit dem clubbigen „Freak You“ und „World Of Dreams„. Blackburner setzen mit „Feel The Burn“ eine ganz eigene Duftmarke, die einige gelungene Ansätze verfolgt, aber insbesondere im Mittelteil etwas mehr ‚Pfeffer‘ vertragen könnte.

Blackburner - Feel The Burn
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Cephalgy haben mit „Leid Statt Liebe“ vor wenigen Wochen ihren fünften Langspieler ins Rennen geschickt. Zu hören gibt es, wie schon bei den Vorgängern, düsteren Electro mit Einflüssen aus EBM und Industrial. Großes Manko ist und bleibt allerdings auch dieses Mal wieder die Stimme von Sänger Jörg, die nach den ersten Songs zur echten Qual wird. Auch sonst ‚glänzen‘ die Songs eher mit plakativen Texten, die nicht mehr als ein Gähnen beim Hörer hervorrufen. Langweilig, uninspiriert und absolut austauschbar dümpelt „Leid Statt Liebe“ vor sich hin. Hier überwiegt definitiv das Leid.

Cephalgy - Leid statt Liebe
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Hocico zählen zu den Mitbegründern der Harsh-Electro-Szene. Mit ihren kompromisslosen Songs bringen sie die Tanztempel der Kuttenträger bereits seit den späten 90er Jahren regelmäßig zum Kochen. Harte Beats, hämmernde Bässe und verzerrte Shouts sind dabei das Markenzeichen des mexikanischen Duos. Mit „Blood On The Red Square“ liefern sie nun ein Livealbum samt Live DVD ab. Zu sehen gibt es einen Mitschnitt des Konzertes in Ekaterinburg. Bild und Tonqualität entsprechen den normalen Standards und transportieren die Stimmung der Show ohne großen Schnickschnack ins heimische Wohnzimmer. Zu sehen & hören gibt es Clubhits wie „Dog Eat Dog„, „Bite Me!„, „Tempos De Furia“ und „About A Dead„.
Die zusätzliche Audio CD bietet 12 Tracks, die in Moskau, St. Petersburg und Ekaterinburg mitgeschnitten wurden.

Hocico - Blood On The Red Square
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Aus den USA stammen God Module, die auf ihren Platten ebenfalls der elektronischen Undergroundmusik frönen. Auf ihrem mittlerweile 9. Album, das sie auf den Titel „Seance“ getauft haben, liefern sie wieder eine Vielzahl treibender Clubstampfer ab, die sich vornehmlich mit dem Thema der Geisterbeschwörung beschäftigen. Musikalisch gibt es eine Mischung aus EBM, Industrial und Electro auf die Ohren, wobei sich das Trio irgendwo zwischen Suicide Commando und Hocico bewegt. Für verhältnismäßig poppige Momente sorgen auf dem neuen Langspieler wiederum Songs wie „Doppelgänger„. Ergänzt wird das Album durch die „Rituals EP„, auf der es gleich 5 zusätzliche Remixes von „Rituals“ und einem Remix von „Devils Night“ zu hören gibt.
Auch wenn God Module sich überwiegend an gültigen Underground-Klischees orientieren, liefern sie mit „Seance“ ein recht ordentliches Album ab.

God Module - Seance
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