Django Django – Marble Skies

Die vier Schotten (okay, exakt sind es zwei Schotten, ein Nordire und ein Nordengländer) feilen weiterhin an ihrem ganz eigenen, unverwechselbaren Sound und liefern mit ihrem dritten Album einen überzeugenden Beweis dafür und unser Album des Monats Januar ab.

Im Jahr 2012 war es, als das schlicht nach der Band benannte Debüt mit einem Klang zwischen „Retro-Pop, Westernsounds, verspulter Psychedelik und eigenwilliger Elektronik“ (Zitat: wir selbst) wie der Komet „Hail Bop“ in der Musikwelt einschlug und den Herren Neff, Dixon, Grace und Maclean eine Menge Aufmerksamkeit und Fans bescherte. Der gelungene Nachfolger „Born Under Saturn“ (2015) hatte es mit seinem mächtigeren, von vielen Vintage-Synthies angetriebenen und durch mehr Möglichkeiten im Studio befeuerten Sound bei manchen Kritikern etwas schwerer – nach Meinung des Rezensenten zu Unrecht. Im Anschluss an die letzte Tour wurde dann überlegt, wie man den Nachfolger angehen sollte.

Man entschied sich, wieder etwas abzuspecken, laut Sänger Vincent Neff wiegt das neue Album nur 79 Kilogramm im Gegensatz zu den 114 des Vorgängers. Während Bandschlagzeuger und Produzent Dave Maclean nach Los Angeles jettete um KT Tunstall bei ihrem neuen Album zu helfen, beschloss der Rest der Band, in London locker loszujammen und dazu Metronomy-Drummerin Anna Prior auszuleihen. Maclean ruhte sich dann zu Hause in Dundee ein wenig aus und ließ sich von der Band die ersten Ergebnisse schicken. Diese bearbeitete er dann, hier ein Schnitt, da ein Loop – und so schickte man das Material hin und her, wirbelte es durcheinander und kehrte mehr oder weniger zum Cut-und-Paste des Debüts zurück.

Letztendlich klingt „Marble Skies“ nun wieder anders und doch eindeutig nach Django Django. Bereits der eröffnende Titelsong ist ein unverschämt sonniger Electropop-Ohrwurm. Danach überrascht „Surface To Air“ mit einer weiblichen Stimme – der von Rebecca Taylor (Slow Club) und mit lässigen Sounds, die nach einem Dub-Remix schreien.

Django Django – Surface to Air (ft. Self Esteem)

Die zehn Stücke sind weder zu aufgeblasen noch zu minimalistisch, konzentriert entwickeln sich gute Songs, und überall wird man von Ideen und Wendungen, mal im Sound, mal in der Melodieführung, verwöhnt. Das Album ist überdies enorm abwechslungsreich. Klingt „Tic Tac Toe“ nach einem klassischen Django-Django-Uptempo-Stück, mit treibendem Schlagzeug und jangelnden Gitarren, gibt sich „Champagne“ entspannt dem Alkoholismus hin.

Und an „Sundials“ ist plötzlich Jan Hammer (ja, genau der!) beteiligt, dessen „The Seventh Day“ von 1975 gesampelt wird. Mit Erlaubnis von Mr. „Crockett’s Theme“ natürlich. Vor allem in der zweiten Albumhälfte kommen die Elektronikfreunde mit den schicken Synthiespielereien in „Beam Me Up“ und dem tanzbaren Doppel aus „In Your Beat“ und „Real Gone“ auf ihre Kosten.

Django Django – In Your Beat (Official Music Video)

Zum Abschluss gelingt mit „Fountains“ noch so ein typisch verspult-sympathisches Stück Popmusik, wegen denen die Fans diese Band so lieben. Zu Recht. Marble Skies, indeed.

Die depechemode.de-Wertung:
8 / 10

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P.S. Django Django auf Tour:
09.03. Zürich
13.03. München
16.03. Hamburg
17.03. Berlin

www.djangodjango.co.uk
www.facebook.com/thedjangos

Letzte Aktualisierung: 31.1.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

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  1. Ray
    31.1.2018 - 16:55 Uhr
    1

    Der mit Abstand beste Song ...

    … ist doch wohl der Titelsong. Klingt wie ein Outtake von „Speak And Spell“.
    Was ist denn das bitteschön für eine Rezension, die genau das nicht erwähnt?

    • 31.1.2018 - 23:09 Uhr
      1.1

      Vielleicht liegt es daran, dass sich diese Ähnlichkeit überhaupt nicht aufdrängt? Ich hätte im Leben keine Parallele zu Speak & Spell gezogen. Stattdesen höre ich ganz andere Einfüssen bis hin zu Air.

    • 13.2.2018 - 12:59 Uhr
      1.2

      Und Spirit klingt wie Violator.

      Also der Song erinnert null an Speak&Spell…