Der Review-Weihnachtskalender – Türchen 2: UNKLE, Everything Everything und Susanne Sundfør

Der Review-Weihnachtskalender gibt uns ja immer die Gelegenheit, ein wenig zurückzuschauen. Auf Platten der letzten Zeit, die unbedingt noch eure Aufmerksamkeit verdient haben. Wie diese drei hier.

Zunächst erfreut uns James Lavelle, der UNKLE ja mittlerweile allein betreibt, mit einem neuen Album. Doch was heißt bei UNKLE schon allein, das Ganze funktioniert ja seit jeher, seit den 90ern, als Projekt und Kollektiv. So auch auf „The Road, Pt. 1“. Wie man gleich beim zweiten Track, dem elegischen „Farewell“, an der Gästeliste erkennen kann: YSÉE, ESKA, Elliott Power, Keaton Henson, Liela Moss, Mïnk, Dhani Harrison, Steven Young – nur bei diesem einen Stück!

Trotzdem klingt wie immer alles wie aus einem trip(hop)pigen Guss, also auch wenn sich die Gäste die Klinke bzw. das Mikrofon in die Hand geben, u.a. der stets begeisternde Mark Lanegan (siehe gestern), der das Albumhighlight „Looking For The Rain“ besingt. Hierzu sei auf die Albumergänzung „A Night’s Interlude Ep. 1“ verwiesen, die zwei Neubearbeitungen dieses Songs bietet (eine UNKLE Reconstruction und ein Trentemøller Rework), plus drei weitere Uminterpretationen.

Die zehn durchweg starken Stücke – darunter Höhepunkte wie das portishead-eske „Sonata“, der Titelsong oder das epische „Sunrise (Always Comes Around)“ – werden durch fünf Interludes („Iter“ genannt) zu einem großen Ganzen. Und das Beste: Der Albumtitel lässt auf mehr demnächst hoffen! – 8 von 10 Straßenschildern

UNKLE – Looking For The Rain ft. Mark Lanegan, ESKA


Everything Everything begeisterten uns vor zwei Jahren mit dem politischen, düsteren, mitreißenden „Get To Heaven“. Das war an Intensität kaum noch zu toppen. Doch die Herren aus Manchster schaffen es, mit „A Fever Dream“ ein ähnlich, äh, fiebriges Werk nachzulegen. Etwas weniger giftig vielleicht, ein bisschen offener in der Thematik, dafür aber fast noch eingängiger.

James Ford, der derzeit ja offensichtlich den richtigen, hihi, „Spirit“ hat, produzierte und hat auch hier einen satten Job hingelegt. Das schmatzt, rockt, tanzt, drückt und schiebt mächtig gewaltig rund um Jonathan Higgs‘ dramatisches Falsett. Und dazu werden Hits geboren. Vom Auftakt mit „Night Of The Long Knives“ an, dem mit der Tanzhymne „Can’t Do“ und dem Ohrwurmrefrain a la Muse in „Desire“ zwei umwerfende Volltreffer folgen.

Danach fährt man das Vollgas leicht zurück, lässt die Stimmung in den Songs wachsen (z.B. im schön elektronischen Titelsong), liefert aber dabei an allen Ecken Melodien zum Verlieben („Run The Numbers“, „Good Shot, Good Soldier“, „Ivory Tower“). Großartige Band! – 8,5 von 10 Fieberträumen

Everything Everything – Can't Do (Official Video)


Dass der Rezensent großer Fan von Susanne Sundfør ist, dürfte dem einen oder anderen schon aufgefallen sein. Zum Glück geht das doch ein paar mehr Menschen so, nicht nur in ihrer norwegischen Heimat. Und obwohl „Music For People In Trouble“ nicht das vierte Album dieser großen Künstlerin hintereinander ist, was in meiner persönlichen Jahresbestenliste Platz 1 erreichen wird, ist es doch wieder beeindruckend gut geworden.

Warum nicht ganz vorn? Das mag an den persönlichen Vorlieben liegen. Susanne Sundfør ist sehr vielseitig begabt, sie kann dramatische Balladen, kennt sich in klassischer Musik vermutlich ebenso aus wie in dynamischem Electropop. „Music For People In Trouble“ ist nun auf einer Weltreise zwischen Norkorea und Südamerika entstanden und reflektiert das Erlebte in sehr intimer Art und Weise. Das heißt: Kein Pop hier, die Elektronik zwar vorhanden, aber nur dezent für den Hintergrundsound. Vorne bleiben oft nur Susannes wunderbare Stimme und die akustische Gitarre oder das Klavier übrig (ein paar andere Instrumente gesellen sich bei Bedarf dazu und einmal sogar John Grant).

Die Inhalte sind düster, das kennt man von der Künstlerin. Kriege auf der Welt, Elend überall, schlechte Menschen, die Liebe ist auch selten einfach. Und doch scheint die Hoffnung immer noch und immer wieder durch – und die pure Schönheit der Songs lässt das Licht wieder angehen. Im Ergebnis führt das zu einem intensiven Hörerlebnis, das sich vor allem jetzt für die dunklen Jahreszeiten eignet (aber vielleicht nicht in jeder Gemütslage zu empfehlen ist) – 8 von 10 Traumfängern

Susanne Sundfør – Mountaineers (featuring John Grant)


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Letzte Aktualisierung: 2.12.2017 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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