zola_taigaDie Taiga also. Jene aus der Heimat der russischen Vorfahren, aber auch jene in der eigenen Kindheitsheimat Wisconsin. Klingt waldig, einsam und düster. Aber wollte Zola Jesus nicht eigentlich poppiger werden?

Nun, Nika Roza Danilova hat für ihr drittes richtiges Studioalbum (nach „Stridulum II“ und „Conatus“, im vorigen Jahr erschien noch die klassische Variation „Versions“) zwar ein übergeordnetes Thema vorgegeben – die Natur der Taiga steht auch für die Sinnsuche in unserer komplizierten, modernen Welt und die Ambition der Künstlerin, die Menschen auf die Suche nach einem erfüllenden Lebenszweck, am besten natürlich in Einklang mit Umwelt und Natur, zu schicken.

Musikalisch jedoch gelingt es Danilova vor allem, ein in sich geschlossenes, funktionierendes Album abzuliefern, obwohl es in diverse Richtungen ausschlägt. Die Vorabsingle „Dangerous Days“ hatte da den eingängigen Radiopop zwar angedeutet, aber auf dem Album geht es dann doch – zum Glück – kantiger und abwechslungsreicher zur Sache, der gute alte, dunkle Wave-Pop bleibt uns erhalten.

So überrascht das Titelstück mit Drum’n’Bass-Elementen, während das gewaltig anrollende Highlight „Hunger“ neben der allgegenwärtigen Elektronik dicke Bläsersounds (die noch öfter auftauchen und hier als die große Neuentdeckung im Jesus’schen Soundkosmos gefeiert werden dürfen) auffährt.

Auch getragene Momente mit Streichern fehlen nicht („Ego“) oder Tracks, bei denen klangmächtig alles zusammen kommt („Hollow“), aber es gibt ebenso überzeugende Stücke wie „Lawless“ oder „Long Way Down“, die einfach nur ohne viel Aufheben vor sich hin zu grooven scheinen und sich doch ganz besonders im Gedächtnis verankern. Am Ende entlässt sie uns mit dem fast euphorischen „It’s Not Over“ und wir konstatieren: Zola Jesus hat sich mit diesem Album weiterentwickelt und bleibt doch ganz unverkennbar.

Die depechemode.de-Wertung: 8/10

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P.S. Zola Jesus live:
10.11. Köln – Gebäude 9
11.11. Berlin – Berghain
12.11. Hamburg – Übel & Gefährlich
13.11. Frankfurt – Zoom

P.P.S. Zu „Go (Blank Sea)“ erscheint am 14.11. eine Remix-EP, hier daraus der Diplo Remix:

www.zolajesus.com
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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