zola_conatus

Nika Roza Danilova, die Frau mit dem eigenartigen Ausdruckstanz und der gewaltigen Stimme, hat ihr neues Album veröffentlicht. Nachdem „Stridulum II“ im vorigen Jahr den Bereich des dunklen, elektronischen Wave-Pop nahezu im Alleingang wiederbelebte, waren die Erwartungen nicht eben niedrig. Was macht sie daraus?

Ja, so war das, damals in 2010. Man konnte bei Zola Jesus‘ Debüt (in Europa zumindest, in Amerika gab es bereits vorher LP-Veröffentlichungen, aber die spielten noch längst nicht in dieser Liga) sogar das Wort Gothic in den Mund nehmen, ohne dafür belächelt zu werden. Mit „Night“ gab es einen düster-dramatischen Hit für die Ewigkeit. Das ganze Album passte perfekt zusammen, doch wie geht es von so einem Punkt aus weiter?

Noch düsterer? Schwierig. Also eher poppiger, heller, mainstreamiger gar? Wäre möglich gewesen, aber da darf Entwarnung gegeben werden. „Conatus“ ist immer noch dramatischer, abgründiger Dark Wave, den die lokalen Hitradioantennen kaum spielen werden. Man könnte vielleicht kritisch anmerken, dass Danilova ihr Erfolgsrezept wiederholt, aber das wäre wohl ungerecht, auch angesichts dessen, dass die zarte Person mit der unglaublichen Stimme erst 22 Jahre alt ist.

Es ist eher so: Man merkt, dass vielleicht ein paar mehr Produktionsmittel zur Verfügung standen. Die Stücke sind eine kleine Spur luftiger, die Drums und Beats eine Prise kräftiger, dazu haben sich ein paar Streicher eingeschlichen. Ansonsten dominiert jedoch der einzigartige Gesang, gefolgt von weiterhin wenig fröhlichen Synthesizersounds. Ein zweites „Night“ ist zwar nicht auszumachen, aber einige Songs kommen zumindest dicht heran. Insbesondere „Vessel“ mit dem stoischen Beat und dem Kathedralen zum Wackeln bringenden Refrain. Auch „Seekir“, das vielleicht geradlinigste Stück, ist recht eingängig, wobei es von den beiden Songs davor und danach noch überragt wird, dem irgendwie verdrehten „Ixode“ und dem schlicht mächtig gewaltigen „In Your Nature“. Und gegen Ende der Platte bereitet die zurückhaltende Pianoballade „Skin“ Gänsehaut.

Zola Jesus zementiert mit „Conatus“ ihren Status als große Hoffnung der düsteren Ecken elektronischer Popmusik. Keine große Weiterentwicklung nach dem starken Vorgänger, aber eben auch kein Rückschritt. Darauf lässt sich noch eine Menge dunkler Bauklötzer bauen.

(Addison)

P.S. im November gibt’s noch ein paar Konzerte: 17.11. Köln, Stadtgarten, 18.11. Heidelberg, Karlstorbahnhof, 19.11. Munich, Orangehouse, 20.11. Frankfurt, Sinkkasten

„Zola Jesus – Conatus“ bestellen bei:

bestellen bei amazon

www.zolajesus.com
www.facebook.com/zjzjzj

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

Zur Startseite

Der Kommentarbereich ist zurzeit geschlossen.