Das ist jetzt wirklich mal wieder etwas ganz anderes. Düstere Musik, ja tatsächlich so etwas wie Gothic, aber in gut, nein, sehr gut (was in jenem Bereich doch zuletzt eher selten vorkam). Dunkler, dramatischer Wave-Pop und dazu eine mächtige, geradezu operntaugliche Stimme. Holla, der Waldelf!

Nika Roza Danilova, russisch-stämmige Amerikanerin aus Madison, Wisconsin, ist erst 20 Jahre alt, und dies ist nicht einmal wirklich ihr Debütalbum. Es gab schon diverse Singles, EPs und ein Album – jedoch außerhalb Europas. Für „uns“ hat sie nun ihre aktuelle EP neu – und unter verbesserten Studiobedingungen – aufgenommen und um drei frische Songs erweitert.

Wenn man die klassisch geschulte, kraftvolle Stimme und die minimalistischen Sounds hört, kann und darf schon mal an (die junge) Siouxsie Sioux gedacht werden, was ja keineswegs ein schlechtes Vorbild ist. Oder an die schwere Musik von Soap & Skin, wenn es etwas aktueller sein soll. Gleich das eröffnende „Night“ ist eine Perle des Dark Wave, wie man sie lange nicht gehört hat. Ein einfacher Beat, im Hintergrund klappert es, dazu düstere Keyboard-Flächen und eben diese Stimme, die von der Nacht singt und doch Hoffnung verspricht – fertig ist der Geniestreich.

Das gesamte Album klingt wie aus einem Guss. Stoische Maschinendrums, schwermütige Synthesizer, Halleffekte, viele Halleffekte, Anflüge von Noise und Industrial, melancholischer und zugleich starker Gesang über Liebe, Leiden und Sehnsüchte. Immer wieder gelingen Danilova Steigerungen und kurze, euphorische Ausbrüche, die die getragenen Stücke rechtzeitig auflockern.

So schwelgt man sich durch die starken Songs wie „I Can’t Stand“, „Run Me Out“ oder „Sea Talk“, schreckt alsbald erschrocken hoch und stellt fest, dass das Album schon vorbei ist.

Vergleichbar starkes Material aus dieser musikalischen Ecke gab es zuletzt höchstens von Cold Cave, es darf jedoch demnächst gern ein Trend daraus werden!

(Addison)

P.S. Zola Jesus sind ab September als Support von Fever Ray unterwegs und spielen am 10.09. auf dem Berlin Festival.

ZOLA JESUS „NIGHT“ MUSIC VIDEO from FUTURE PRIMITIVE FILMS on Vimeo.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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