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Heute gibt es vier mal pure Kraft. Erst die Elektrogurus von UNKLE die ja für weit mehr als nur einen tollen DM-Remix bekannt sind) mit einem Doppelalbum, dann legen die New Yorker Querdenker TV On The Radio nach, die putzigen Wombats befeuern die Tanzfläche und zum Schluss muss noch über Newcomer Clare Maguire geredet werden.

UNKLE – Where Did The Night Fall – Another Night Out

Zuerst gleich mal ein Nachtrag. Wer im vorigen Jahr das neue UNKLE-Album „Where Did The Night Fall“ verpasst hat, kann sich nämlich jetzt doppelt freuen. Das Album wird nicht nur in neuer Aufmachung wiederveröffentlicht, nein, es wird mit „Another Night Out“ ein gleichwertiges zweites Album nachgeschoben.

Somit kann das Kollektiv um James Lavelle, Pablo Clements und James Griffith nun auf ganzen 26 Tracks seine Soundwände aufbauen und die wie immer zahlreichen Gäste ihr Können beweisen lassen. Die wechselnden Sängerinnen und Sänger – u.a. Dauergast Gavin Clark, Elle J, Sleepy Sun, Katrina Ford, dazu gastiert wieder einmal das göttliche Reibeisen Mark Lanegan, und es gibt auf dem neuen Teil des Albums gar einen Auftritt von Nick Cave – sorgen für Vielfalt, ebenso wie die zahlreichen Stile, die zwischen Elektronik, Psychedelik, Trip Hop, Rock und Pop gestreift werden.

Die Bonus-CD ist dabei der ursprünglichen gleichwertig, hätte man nun von beiden Teilen die besten Stücke genommen und ein paar belanglosere Songs weggelassen, wäre es ein Spitzenalbum geworden. So ist es eben „nur“ ein weiteres Gutes.

TV On The Radio – Nine Types Of Light

Mit dem starken letzten Album waren die New Yorker – bei aller Schräglage, die ihre Musik weiterhin auszeichnete und auszeichnet – im Pop angekommen. Dieser fortschreitenden Entwicklung bleiben sie auch hier treu.

Zwischen all den wilden Schlagzeugkapriolen und irren Bassläufen, verrückten Bläserarrangements und Funkspielereien hat sich auch die Elektronik einen immer größeren Anteil am Baukasten TVOTR erspielt. Überall blubbern die Bässe, knarzen die Beats, dass es eine Freude ist. Darüber singen die beiden versatilen Vokalisten Kyp Malone und Tunde Adebimpe voll gewohnter Inbrunst ihre eleganten Melodien.

Erneut ein feines Album voller starker Songs – leider eines mit einer traurigen Nachricht zum Schluss: Im April erlag Bassist Gerard A. Smith mit 36 Jahren einem kurzen, schweren Lungenkrebsleiden. R.I.P.

The Wombats – This Modern Glitch

„Och nö, schon wieder dieses Indie-Gerocke?“ – Ruhe da, wir stehen druff. Zumal die Wombats ja schon auf ihrem Debüt „A Guide To Love, Loss Ans Desperation“ deutlich ihre Neigung zu tanzbarem Stoff gezeigt haben – wer hat nicht schon zu „Let’s Dance To Joy Division“ gezappelt?

Beim Nachfolger wurde ein wenig am Sound justiert – die Gitarren weichen nun häufig den mittlerweile klar dominanten Keyboards. Und auch dieses Album unterstreicht die Stärken der Band, aber auch ihre Schwächen. Zu Letzteren zählt, dass die Halbwertzeit mancher Songs vielleicht nicht die Längste ist und sie womöglich auf längere Sicht eher eine Singlesband bleiben werden. Die Stärken allerdings sind eben: Singles können sie gut, und das reichlich.

So wird in diesem Sommer alles zu unwiderstehlichen Knüllern wie „Tokyo (Vampires And Wolves)“ oder dem ironischen „Techno Fan“ (nein, nix für euch, liebe Fans von And One) tanzen, wer mag, amüsiert sich darüber hinaus über die clever-witzigen Texte. Ach ja, und eine englische Redewendung lernen wir auch noch: „Schumacher the champagne“. Sagt man wohl wirklich drüben in England.

Clare Maguire – Light After Dark

Eine junge Frau, hübsch und mit großartiger Stimme. Das ist seit ein paar Jahren groß in Mode und hat schon eine Menge feiner Platten hervorgebracht. Aber auch einige überhypte Rohrkrepierer. Clare Maguire sortiert sich irgendwo dazwischen, mit Tendenz zu Letzterem ein.

Was schade ist, sehr schade. Nach Vorabvideos auf You Tube & Co. hatte man durchaus mehr erhofft. Tolle Stimme, eigener Stil – mit dem grandiosen „Ain’t Nobody“ hatte sie uns am Haken. Und dieser Song ist auch auf dem Album das absolute Highlight. Ansonsten hat aber leider der Hang der Plattenfirmen, junge KünstlerInnen kaputt zu produzieren, zugeschlagen. Überall Beats, Piano, Schlagzeug und mehr, dazu zu viel Streicher und Synthies von der Käsetheke. Zusammen mit der eben an sich schon mächtigen Stimme Maguires erschlägt das den Hörer dann leider oft. Na ja, ins Formatradio passt das dann.

Wir klammern uns an den Highlights fest – neben oben genanntem Song wäre da das bei allem Bombast trotzdem schöne „Last Dance“, dazu das melodische „Freedom“ – und hoffen, die talentierte Dame schmeißt die Charts-Produzenten das nächste Mal einfach raus und hält sich an das hier: Weniger ist oft mehr.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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