
Der Autor liebt ja die britischen Inseln. Doch wenn man mittlerweile drüben im Auto unterwegs und unvorsichtig genug ist, das Autoradio anzuschalten… dann macht man es nach einer gar nicht so langen Weile und reichlich verzweifeltem Herumzappen genervt wieder aus, jedenfalls, wenn man fern der Hauptstadt ist (im Prinzip also ganz wie in Germany). In den Britencharts tummelten sich neben dem üblichen Schrott noch vor wenigen Jahren jede Menge toller Bands. Dann fingen plötzlich alle an, Elektronik zu benutzen. Eigentlich sollte uns hier das ja freuen, aber die musikalischen Auswüchse bewiesen das Gegenteil. Gute Musik gibt es drüben zwar immer noch reichlich, aber eben wieder mehr im Untergrund. Fiese Billigravesounds übernahmen den Markt – und die Musik von Example ist leider ein ziemlich gutes, äh, Beispiel.
Wenn man die Entwicklung von Calvin Harris vom spannenden Debüt zum erfolgreichen, aber leider enorm platten Nachfolgealbum verfolgt und bedauert hat, bekommt man eine ungefähre Ahnung von der Musik von Elliot Gleave (Kürzel: e.g., von da ist es nicht weit zum Künstlernamen), der den Schotten passenderweise vor zwei Jahren supportete und auch sonst mit häufiger mit ihm zusammenarbeitet.


Mit „Stay Awake“ und „Changed The Way You Kiss Me“ wirft das Album früh zwei Riesenhits ab Ersterer fällt einem jedoch schnell auf den Wecker, bei Letzterem gefällt die satte Tanzbarkeit dann aber schon gut. Zu den Produzentengästen gehören u.a. Faithless, die er bereits supporten durfte, die mit ihm „The Way“, eines der besseren, weil nicht so direkt aufs Kleinhirn dreschenden Stücke aufgenommen haben. Robbie Williams‘ Ex-Partner Guy Chambers kann auch immer noch hübsch schmierige Balladen schreiben, wie „Microphone“ beweist. Chase & Status (selbst mittlerweile große Stars) bringen den Titeltrack vorbei, der mit angenehm zurückhaltenden Sounds erfreut. Auch bei anderen Stücken findet man immer wieder schöne Momente („Under The Influence“, „Natural Desaster“) – bevor die Partywalze allerdings meistens im nächsten Moment alles plattmacht.
Example kann also immerhin eine deutliche Weiterentwicklung aufweisen (wenn sich das fortsetzt, steht uns vielleicht irgendwann ein richtig gutes Album bevor), somit ist „Playing in The Shadows“ klarer Punktsieger hier. Allerdings war das eben bei weitem kein WM-Kampf, sondern doch nur massenkompatibles Kommerzboxen.
(Addison)
