Roosevelt_Albumcover_City_Slang

Der Sommer kommt doch noch einmal zurück. Dafür kann es natürlich irgendwelche meteorologische Erklärungen geben. Vielleicht liegt es aber auch an diesem Debütalbum. So ein fluffig-poppig-eingängiges Wonnescheibchen hat man nämlich selten.

Wobei das kein Album ist, das der gutgelaunte Künstler mal eben zwischen Mai und Juni aufgenommen hat. Im Gegenteil. Marius Lauber, so heißt der junge Mann hinter Roosevelt, hat – nachdem er die ersten musikalischen Schritte als Drummer von Beat! Beat! Beat! gemacht hatte – vier Jahre vom ersten Track bis zum ersten Album gebraucht. In den letzten beiden Jahren hat er geduldig an „Roosevelt“ geschraubt – aber Recht hat er, wenn er meint, dass man nun mal nur ein einziges Debütalbum habe.

So gab es nun natürlich einiges an Vorschusslorbeeren und Erwartungen dank der durchweg feinen Stücke, die Lauber bereits vor dem Album veröffentlicht hat. Vom Start im Jahre 2012 mit dem träumerisch-tanzbaren „Sea“ (auf dem Album drauf) über die 2013er „Elliot“-EP (von deren vier Tracks nur erwähntes „Sea“ auf dem Album ist) bis hin zur 2015er Doppel-A-Seite „Hold On“/„Night Moves“ – diese beiden Stücke sind auf dem Album und spiegeln auch ganz gut verschiedene Facetten der Musik wieder, Ersteres mit seinem eher organischen funky Groove, Zweiteres mit seiner elektronischen Tanzbarkeit.

Gut, wenn einem ein Label die Zeit für ein ausgereiftes Debütalbum lässt! Hier muss man sicher vor allem Joe Goddard von Hot Chip danken, der Lauber auf seinem Label Greco-Roman unter die Fittiche nahm und ihn machen ließ (in Deutschland veröffentlichen die guten Menschen von City Slang das Album). Und Lauber schrieb und produzierte alles alleine, lediglich für den Mix wurde mit Chris Coady (u.a. Future Islands, Beach House, TV On The Radio) eine namhafte Hilfe engagiert. Und ein paar Gäste gibt es letzlich auch – Valeska Steiner von Boy singt ein paar Backing Vocals, dazu hier und da eine Gitarre, ein Schlagzeug und einmal gar ein Saxofon.

Neben der runden Produktion, die sowohl Roosevelts überraschende Vorliebe für den Westcoast-Pop der 70er Jahre, als auch jede Menge Faszination für die elektronischen Sounds und den Pop der 80er Jahre spiegelt – dabei aber eindeutig als heutig und modern zu erkennen ist – muss als größter Trumpf Laubers Talent als Songwriter genannt werden. Das sind einfach wunderbar eingängige Popsongs, und zwar alle Zehne (plus Intro und Interlude).

Da kann man dementsprechend auch mühelos und nahezu wahllos Highlights herauspicken. Neben den bereits Genannten wären da: „Belong“, das wohl elektronischste Stück. Astrein strahlender Synthiepop. Oder das sommerliche voranschreitende „Moving On“, das neben der ganzen Elektronik mit einem dezenten und fabelhaft eingepassten Saxofon aufwartet. Oder die Singles „Colours“ (Ohrwurm!) und „Fever“ (Euphorie!). Ach, alles eben!

Im Referenzbingo könnten wir nun von Hot Chip über !!!, LCD Soundsystem, The Whitest Boy Alive und Hercules And Love Affair bis hin zu Klassikern wie den Pet Shop Boys alle möglichen Namen einwerfen. Mehr zu Roosevelts Inspirationen und sonstigen Fragen lest ihr jedoch besser in unserem ausführlichen Interview mit dem Künstler (das in wenigen Tagen auf diesen Seiten findet). Hier und heute nur ein abschließendes Fazit: Album des Monats!

Die depechemode.de-Wertung:
9 / 10

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P.S. Roosevelt live:
31.08. Berlin – Pop-Kultur Festival
18.09. Darmstadt – Golden Leaves Festival
13.10. Zürich – Papiersaal
14.10. München – Strom
15.10. Leipzig – Werk2
17.10. Köln – Stadtgarden
18.10. Hamburg – Uebel & Gefährlich
21.10. Wien – FM4 Club
28.10. Düsseldorf – New Fall Festival

www.iamroosevelt.com
www.facebook.com/iamroosevelt

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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