Ein Dreamteam der elektronischen Szene Deutschlands? Zwei Mal Modeselektor, ein Mal Apparat, drei Mal Berlin. Gelingt es ihnen, ihre durchaus unterschiedlichen musikalischen Stärken zu bündeln? Und ob das gelungen ist!

Die Geschichte beginnt 2002. Gernot Bronsert und Sebastian Szary von Modeselektor nehmen mit Sascha Ring (Apparat) eine EP für das Label Bpitch Control (auf welchem auch das neue Album erscheint) auf. Die Session verläuft dermaßen anstrengend, dass man die EP programmatisch „Auf Kosten der Gesundheit“ betitelt. Zum eigentlich geplanten Album kommt es dann erst einmal nicht.

Stattdessen sind beide mit eigenen Alben sehr erfolgreich: Modeselektor zuletzt mit „Happy Birthday!“ (eines der spannendsten elektronischen Alben 2007, u.a. mit Kollaborationen mit Thom Yorke und Maximo Park), Apparat zunächst mit Ellen Allien („Orchestra Of Bubbles“) und dann solo („Walls“).

Im Frühling 2008 läuft man sich, wie das in Berlin so passiert, mitten in der Stadt zufällig über den Weg, beschimpft sich ein wenig gegenseitig und beschließt, doch wieder gemeinsame Sache zu machen. Man stürmt also die legendären und krisensicheren Hansa-Studios und beginnt zu basteln. Dabei ist es offensichtlich gelungen, die jeweiligen Stärken zu betonen. Die Beats und der (Bass-)Druck von Modeselektor, das melodiös-verträumte Element von Apparat.

Die ursprüngliche Absicht, ein rein instrumentales Album aufzunehmen, wird spätestens dann verworfen, als man durch einen weiteren Zufall im Studio Dellé von Seeed trifft, mit dem sogleich das knackige (aber fürs Album recht untypische) „Sick With It“ festhält. So ist der Weg für ein paar weitere Vokalbeiträge von Paul St. Hilaire und Busdriver (Letzterer nur auf der Ltd. Ed.) frei, vor allem aber für die zwei herausragenden Stücke, bei denen Sascha Ring selbst den Gesang übernimmt. Zwei Tracks, die ein wenig an die düsteren Soundscapes von Burial erinnern, über die Ring sehnsuchtsvoll seine Zeilen träumt. „Rusty Nails“ ist mit seinen schwebenden Synthies der Höhepunkt des Albums, „Out Of Sight“ bildet den entspannten Abschluss.

Aber die (überwiegend) sangeslosen Stücke überzeugen ebenfalls, vom sanft stampfenden „A New Error“ über die düsteren Bässe von „Seamonkey“ und den atmosphärischen Zweiteiler „3 Minutes Of“ plus „Nasty Silence“ bis zum satten „Les Grandes Marches“.

Moderat ist ein intelligentes, musikalisch völlig überzeugendes und gar nicht sooo moderates Highlight der elektronischen Musik des Jahrgangs 2009 gelungen.

(Addison)

P.S. Das Album ist auch als Deluxe Edition mit einer schicken DVD erschienen.
P.P.S. Live hier: 19.06. Hamburg – 17.07. Gräfenhainichen (Melt! Festival) – 31.07. Olganitz (Nachtdigital Festival) – 12.08. Köln (c.o. pop)

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http://www.bpitchcontrol.de/Moderat
http://www.myspace.com/moderat

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. maxe
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    9.6.2009 - 21:26 Uhr

    absolut empfehlenswerte cd!!!

    herrlich elektronisch und ein wahrer augenschmaus wenn man sich die deluxe version mit dvd gönnt. die videos stammen von der pfandfinderei in berlin, absolute top qualität.

    wer „orchestra of bubbles“ von ellen allien und apparat schon mochte, wird diese cd lieben.

    mein bester spontan-kauf seit monaten