klee_liebe

Liebe, Liebe, Liebe, Liebe, Liebe. Dass die Innuit -zig oder gar Hunderte Wörter für Schnee haben, wurde ja mittlerweile von Sprachwissenschaftlern als Mythos enttarnt. Dass Klee -zig oder gar Hunderte von Umschreibungen für die mannigfaltigen Gefühlslagen der Liebe beherrschen, stimmt dagegen. Und dieses Album zementiert das aufs, äh, Liebenswerteste.

Suzie Kerstgens und ihre Mitstreiter veröffentlichen nun seit bald einem Jahrzehnt in schöner Regelmäßigkeit Alben, die man schnell als typisch Klee erkennt und meistens auch schätzt. Okay, Experimente gibt es selten, Weiterentwicklung auch nur dezent, doch die Sympathie, die die Sängerin und ihre Jungs – von denen als festes Bandmitglied nunmehr übrigens nur noch Sten Servaes geblieben ist – ausstrahlen, überspielt manche Mängel.

Musikalisch war da stets ein Gemisch aus Gitarre-Schlagzeug-Bass plus elektronischen Spielereien zu Melodien, die neben einheimischen Kollegen gar nicht mal so weit von New Order, The Cure oder auch mal Coldplay weg waren. Musik, die leicht ins Ohr geht, nicht wehtut, manchmal etwas weichgespült, aber niemals peinlich ist. Deutschsprachige Texte, die fast immer auf der guten Seite der Poesie sind (und deren Qualität vielleicht insgesamt sogar noch unterschätzt wird).

Der Trend zur Reduktion der tanzbaren und elektronischen Elemente war bereits auf den letzten beiden Alben zu erkennen und setzt sich auch auf „Aus lauter Liebe“ fort, ohne dass jedoch gänzlich auf immer wieder mal aufschimmernde Synthiespielereien verzichtet wurde. Viele Gastmusiker mit Instrumenten wie Klavier, Cello oder Trompete sorgen für einen vielseitigen Sound, dem man die Bandschrumpfung auf ein Duo nicht anmerkt.

Inhaltlich ist das L-Wort (also Liebe, um keine Verwechslungen aufkommen zu lassen) Haupt- und eigentlich einziges Thema, das bis hinein ins Artwork (Schwarzweißfotos! Schöne Menschen! Paris! Eiffelturm!) konsequent durchgezogen wird. Erstaunlich, wie Klee es trotzdem schaffen, elegant am Kitsch vorbeizublühen und Suzie ihre wirklich schönen Texte ins Mikrofon singen und hauchen zu lassen.

Passenderweise regiert dazu eher balladeskes Tempo, exemplarisch an der Single „Willst du bei mir bleiben“ nachzuhören. Die Tempoausschläge nach oben stechen dafür dann sehr positiv heraus, „Nimm dein Leben in die Hand“ mit Indie-Pop, „Außer Atem“ mit schicken Synthies und „Puls und Herzschlag“ mit Funk.

Letztendlich gelingt Klee erneut ein klassisches Klee-Album, dass die Fans der Band sehr erfreuen und sich im Gesamtkontext der Diskografie ziemlich weit vorn einordnen wird. Und jetzt wird sich auf die anstehenden Konzerte (Ext diese tolle Frau immer noch Bierflaschen auf der Bühne?…) gefreut!

(Addison)

P.S. Apropos Tour – die zahlreichen Termine findet ihr auf der Bandseite (s.u.).
P.P.S. Das Album gibt es übrigens auch als – sehr schicke – Deluxe Edition mit Bonus-DVD.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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