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Letztens vor dem Rechner gehockt und den Livestream der Brit Awards verfolgt, eigentlich nur auf den großen Auftritt von Blur wartend. Zwischendurch der Einspieler eines Newcomerpreises mit Videoausschnitt. Hoppla, was für eine Stimme und was für ein Song! „Heaven“ war das Lied, Emeli Sandé die Sängerin, Massive Attack die Referenz. Doch nun das Album dazu…

Bei der Recherche zur Künstlerin, stellt man schnell fest, dass Emeli Sandé aus Aberdeen gar nicht so eine absolute Newcomerin ist. Die junge Schottin hat nämlich (neben einem abgeschlossenen Medizinstudium) schon reichlich Charterfahrung gesammelt – als Songwriterin für andere. Wenn man dann allerdings liest, dass die Damen, für die sie geschrieben hat, u.a. Leona Lewis, Cheryl Cole und Susan Boyle heißen, fängt man an, sich Sorgen zu machen, ob das Album die Hoffnungen erfüllten wird.

Um es kurz zu machen: Das tut es leider nicht. Stattdessen gibt es eine ziemlich eigenartige Mischung aus Hit’n’Miss. So, als hätte Emeli Sandé entweder so ziemlich alles ausprobiert, was ihr in den Sinn kam. Oder es war so (und das vermuten wir eher), dass da ganz viele Menschen hineingeredet und den größtmöglichen Charterfolg angepeilt haben. Was ja immerhin auch geklappt hat.

So startet das Album mit dem erwähnten „Heaven“ ganz stark. Man wähnt sich in den frühen 90ern bei den ersten beiden Alben von Massive Attack. Trip-Hop-Sounds und eine beeindruckende Frauenstimme. Toll. Mit „My Kind Of Love“ schlägt dann aber schon der moderne R’n’B zu, wobei das hier aufgrund des guten Songwritings noch funktioniert. Danach folgt die erste von viel zu vielen auf radiotauglich getrimmten Balladen („Where I Sleep“), bei „Mountains“ geht es (haha) wieder bergauf, obwohl die ewigen Dosenstreicher so eine Sache sind. Doch dann schon wieder ein Schmachtfetzen, menno.

Mit dem tanzbaren und dynamischen „Daddy“ (feat. Naughty Boy) gibt es endlich das nächste richtige Highlight, wo der Mix aus Stimmgewalt und Sound wieder funktioniert. Anschließend setzt sich das Auf und Ab weiter fort. Mit „Breaking The Law“ gelingt später auch mal eine Ballade ohne viel Schnickschnack – und mit dem mitreißenden Soul von „Next To Me“ (Bläser und Chor sind hier auch absolut angebracht) steht der nächste wirklich gute Hit in den Startlöchern.

Okay, dieses Debüt ist also ein Album, dem man anhört, warum es gerade in der aktuellen UK-Chartlandschaft so erfolgreich ist. Leider. Aber immerhin auch eines, bei dem man eine enorm begabte Künstlerin erkennt. Wenn die jetzt noch häufiger aus dem Radiokorsett ausbräche, wäre uns für die Zukunft nicht bange.


Emeli Sande — Heaven – MyVideo

P.S. Emeli Sandé live: 28.03. Berlin, 29.03. Köln

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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