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Da passt ja mal Albumtitel zu Bandname wie die Faust aufs Auge. Doch das ist laut Dan Bejar nur Zufall. Und von zerstörerisch und kaputt ist nur wenig so weit weg wie die Musik auf diesem Album. Butterweiche Popsongs, traumhafte Melodien – und sogar das sonst zumeist mit Recht verhasste Saxophon passt dazu.

Der Kanadier Dan Bejar macht mit der Band Destroyer (wobei, Band ist hier relativ, Bejar macht das meiste ohnehin alleine) schon seit Mitte der 90er fleißig Musik. Häufige Stilwechsel sind Programm, früher war das wohl mal folkiger und verschrobener. Nur ist von alldem auf unserem Kontinent bislang recht wenig angekommen. Das ändert sich nun: Coverstory beim Intro-Magazin, begeisterte Reviews, wohin man nur schaut – da mussten wir uns dann auch mal schlau machen.

Kaputt“ ist eine echte Wundertüte von Album. Man hört das erste Stück „Chinatown“ und ist erst mal schwer erstaunt. Da singt eine samtweiche Stimme zu einer reizenden Melodie über einem 80er-Jahre-Klangbett und ein Saxophon soliert ganz frech dazu. Eigenartig, aber irgendwie verbreitet das umgehend gute Laune.

Und so geht das weiter. Manchmal erinnert der Sound ein wenig an die frühen Pet Shop Boys (insbesondere an „West End Girls“). Klar, einige werden das alles für zu plätscherig, für weichgespülten Softrock halten. Ist ihr gutes Recht, aber denjenigen könnte etwas entgehen. Der Ohrwurm „Savage Night At The Opera“ mit seinen hübschen Synthesizertupfern etwa. Auf die das Epos „Suicide Demo For Kara Walker“ (Was für ein Songtitel?!) folgt, das dem eigentlichen Song erst einmal zweieinhalb Minuten entspanntes Flötengeschlumpfe voranstellt.

Damit sind wir beim Titelsong angelangt. Der ist erstens ein weiterer Ohrenschmeichler und wird zweitens von einem der schönsten Musikvideos, ach was, Kurzfilme, der letzten Zeit begleitet. Ein putziger Nerd, heiße Bräute und fliegende Wale – was will man mehr?

Vielleicht ein opulentes Elfminuten-Finale? Sollt ihr haben. „Bay Of Pigs“ verarbeitet ambientes Wabern, plötzliche Synthesizerausbrüche und noch ein halbes Dutzend weiterer Ideen auf einmal und beschließt somit würdig ein überraschendes Album, das sicher nicht jedermanns Sache sein wird, aber bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat oder wird.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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