Endlich! Lange haben wir auf Neues von Martin Gretschmann und seiner Console warten müssen. Aber es hat sich gelohnt. Es knarzt, es knuspert, ist hier minimalistisch und dort poppig. Vereinfacht gesagt, rechtzeitig kurz vor Listenschluss noch ein elektronisches Highlight des Jahres 2010.

Klar, die einen kennen Martin Gretschmann als denjenigen, der The Notwist mit der Elektronik verheiratet und somit maßgeblich zu deren Meisterwerk „Neon Golden“ beigetragen hat. Er ist aber auch in diversen anderen Projekten (DJ-Sets als Acid Pauli, Elektro meets Hip Hop bei 13 & God, Ambient mit Andreas Ammer…) tätig und natürlich vor allem auf der eigenen Spielwiese namens Console mit mehreren Alben und einigen sehr populären Remixen (u.a. ja auch für DM).

Console starteten eher experimentell, hatten einen ersten kleinen Hit mit dem konsolensoundartigen (sic!) „14 Zero Zero“, zeigten dann mit Teilen des Doppelalbums „Reset The Preset“ deutliche Avancen in Richtung Popmusik („Suck and Run“ z.B.), kehrten jedoch mit „Mono“ wieder in zurückhaltendere Bereiche zurück.

Nun hat Gretschmann auf „Herself“ die Band (die es auf Konzerten aber weiterhin geben wird) Band sein lassen, die herkömmlichen Instrumente ignoriert und alles im Alleingang unterwegs auf dem Laptop geschrieben. Bei den Studioaufnahmen gesellte sich dann nur noch eine weitere Person dazu. Die aber ganz wesentlich für diese Platte ist – denn der Gesang von Miriam Osterrieder (die ja auch vorher schon für Console hinterm Mikro stand) sorgt auf einigen Stücken für den entscheidenden Eingängigkeitsfaktor.

So verbindet „Herself“ die Stärken Consoles zu neuen Höhepunkten. „She Saw“ startet verträumt minimalistisch und steigert sich dann mit knarziger Power. „A Homeless Ghost“ liefert – nicht zuletzt eben dank der melodischen Stimme Osterrieders – anschließend einen astreinen Pophit ab, der gerne ab jetzt dauernd auf guten Radiosendern rotieren darf. „Walking the Equator“ fährt das Tempo dann komplett herunter und bietet Ambientflächen für die dicken Kopfhörer.

Es gibt an allen Ecken und Enden raffinierte Soundspielereien zu entdecken, man genieße Tracks wie das voller seltsamer Rhythmen steckende „Bit For Bit“ am besten ganz laut. Hin und wieder herrscht fast die Atmosphäre eines musikalischen Hörspiels, und immer, wenn es fast schon zu experimentell zugeht („Upon“), holt ein wunderschöner Popsong wie „Her Eyes“ zurück in die Gegenwart.

Ein Album, das man am besten am Stück hört und das beweist, wie spannend aktuelle elektronische Musik sein kann. Album des Monats!

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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