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Seit dem Jahr 2002 sind zahlreiche (aber immer noch zu wenige) Menschen dieser Band verfallen. Seit „Again“, diesem 16-minütigen Meisterwerk von einem Song. Die treuen Anhänger harren seither jeder Neuveröffentlichung sehnsüchtigst entgegen – und sie wurden bislang nie enttäuscht. Sie würden mit der Band, vielleicht nicht bis in den Tod, aber doch ziemlich weit gehen.

Auf dem Album „You Look All The Same To Me“ (nicht das Debüt übrigens, das erste Archive-Album erschien bereits 1996) war jener Geniestreich von einem Song enthalten, irgendwo im Klangweltraum zwischen Trip Hop und Pink Floyd beheimatet. Nicht nur der Song, auch das Album – und die folgenden ebenso – spielten in einer ganz eigenen Liga.

Zeitsprung. September 2012. Tempodrom Berlin. Radio Eins, der – wir werden es nicht müde zu behaupten – beste Radiosender der Welt (neben Flux.FM, das muss man mittlerweile ergänzen, gesegnete Hauptstadt!), feiert 15. Geburtstag und hat ein paar Bands und das Filmorchester Babelsberg eingeladen. Nach u.a. Gemma Ray (bezaubernd), Budzillus (stimmungsvoll) und Jonathan Jeremiah (gähn) sind Archive der Headliner. Der Abend stellt gleichzeitig den Tourauftakt der Band dar – und man muss gleich einmal verkünden, das die angedachte Zusammenarbeit mit dem Filmorchester nicht stattfinden wird, die Probezeit war für die komplexen Stücke der Band zu kurz.

Macht aber nix, denn das knappe Dutzend Musiker führt auch so mit aller elektronischen Macht seine Stücke auf, dass der Magen brummt und das Herz hüpft. Es kommt fast das ganze neue Album zur Aufführung (plus ein paar ältere Stücke). Und was für ein Album das ist! Die Masterminds Darius Keeler und Danny Griffiths sehen Archive ja als offene Band an, die mit verschiedenen Sängerinnen und Sängern (oder auch Rappern wie z.B. zuletzt auf „Controlling Crowds“) arbeitet. Aktuell sind es zwei Damen (Maria Q und Holly Martin) und zwei Herren (Pollard Berrier und Dave Pen), die auch auf Tour dabei sind, allesamt großartige Stimmen haben – und die auch auf der Bühne herüberbringen können – und der Musik eine große Variabilität ermöglichen.

Klangtechnisch ist man sich treu geblieben: Dunkle Sounds, elektronisch bestimmt. Elemente des Trip Hop sind stets enthalten, das Schlagzeug treibt an, die Gitarren spielen ihre (sich unterordnende) Rolle, Opulenz wird nicht abgelehnt, auch Streicher sind herzlich willkommen. Und man lässt den Songs Zeit, sich zu entfalten. Wenn auch aktuell „nur“ auf maximal sieben Minuten. Die Anordnung der Stücke passt bestens, oft gehen die Songs direkt ineinander über.

So baut sich der Opener „Wiped Out“ zum intensiven Gesang (Pollard) allmählich zu einer Wall Of Sound auf, die anschließend in „Interlace“ vor sich hin groovt und zur Ballade „Stick It In My Heart“ hinführt. Auf dem fünften Track dann erstmals weiblicher Gesang (Holly) – und gleich haben wir eine Single. „Violently“ ist ein brillanter elektronischer Ausritt mit Lärmausbrüchen und enormer Wucht.

Gut, dass dann erst einmal ein Instrumental und ein Streicherstück herunterkühlen, bevor „Twisting“ wieder nach vorne drückt (Und woran erinnern uns die Drumsounds hier wohl, na, lieber DM-Fan?). Das hibbelige „Hatchet“ gerät erneut ziemlich eingängig, bevor „Damage“ den Gefühlen noch einmal Freilauf lässt und man dann das Ende recht ruhig verlaufen lässt.

Ein Album wie aus einem Guss, das zu den besten Momenten der Archive-Geschichte gehört. Und das man sich im Herbst auf der (ausgiebigen) Tour unbedingt noch einmal live ansehen sollte!

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P.S. Die Livetermine: 19.10. Winterthur, 20.10. Montreux, 22.10. München, 23.10. Karlruhe, 24.10. Dresden, 29.10. Hamburg, 30.10. Berlin, 01.11. Dortmund, 02.11. Darmstadt, 04.11. Köln, 05.11. Saarbrücken, 26.11. Wien.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. salomon 81
    1
    26.9.2012 - 20:23 Uhr

    Geniales Album, geniale Bande….!!!