Review: Northern Lite – Back To The Roots

Mit so einem Albumtitel weiß man gleich, worauf es hinausläuft. Oldschool ist Programm. Heißt im Falle von Northern Lite: Arbeit als Duo, Gitarren raus, reine Elektronik. Auch mal ganz schön. Und Depeche Mode covern sie obendrein.

Dass Northern Lite seit geraumer Zeit keine wirklich neuen Wege mehr beschreiten, dürfte allgemein bekannt sein. Dass die zwischen 2004 und 2006 geschaffenen Albumhöhepunkte („Reach The Sun“, „Temper“, „Unisex“) nicht mehr erreicht werden, damit haben wir uns auch abgefunden. Und gehen trotzdem immer noch ganz gern auf die stets rappelvollen Konzerte.

Nun haben Andreas Kubat und Sebastian Bohn sich also (vorübergehend?) von ihrem zuletzt aktiven Gitarristen Frithjof verabschiedet und ein Album wie zu Zeiten des Debüts „Small Chamber Works“ aufgenommen, als sie zunächst zu zweit und in der Technoszene ihre ersten treuen Anhänger gesammelt haben. Wobei die Sounds kaum mit dem Debüt zu vergleichen sind, man folgt schon eher den aktuellen Entwicklungen im Livesound (nur eben rein elektronisch).

Northern Lite - Do You Think Of Me

Und mit „Never Enough“ gelingt ihnen gleich zu Beginn eines ihrer besten Stücke seit Langem. Leicht melancholisch, atmosphärisch, stark. Es folgen weitere drei richtig gute Tracks: Das clubbig-relaxte „Do You Think Of Me“, das an selige Electroclash-Zeiten erinnernde „Au Revoir“ (bei dem Die Ruhe den weiblichen Co-Gesang beisteuert) und der heimliche Albumhöhepunkt „Here You Go“ (wo Northern Lite den aktuellen De/Vision klanglich wohl so nahe kommen wie selten, und das ist positiv gemeint).

Mit dem eigenwilligen „Freaks Out“ gibt es ein seltsames Intermezzo, das aus Kubats Nebenjob bei der in Berlin aufgeführten (und im Stadtbild großflächig plakatierten) Varietéshow „Freaks“ resultiert – passend dazu das Video zur bereits erwähnten Single „Au Revoir“, mit den Darstellern der Show (Die ungeschnittene Form dürft ihr bei Vimeo selber suchen, aber Vorsicht vor rotierenden Penissen!):

Northern Lite feat. Die Ruhe - Au Revoir

Während später das ältere „I’m So Glad“ eine neue Clubversion bekommt – wie auch auf der unbedingt empfehlenswerten Bonus-CD der Deluxe Version „Trusting Blind“ und „No Escape“ – müssen wir natürlich noch über „Enjoy The Silence“ reden. Northern Lite sind ja seit jeher („Go With The Flow“ u.a.) für Coverversionen bekannt. Hier erweisen sie unser aller Lieblingsband Referenz. Dabei fügen sie dem Original zugegeben keine völlig neuen Facetten hinzu, schlagen sich mit ihrer Version (die dem einen oder anderen Remix Tribut zollt) aber doch sehr wacker. Auf der „Hollywood Girl“-EP gibt es übrigens noch eine Extended Version.

Northern Lite - Enjoy The Silence

Zurück zum Album. Da hat die zweite Hälfte noch die minimalistisch technoiden „Falling“ und „All In The Stars“ auf Lager und das nun wirklich oldschoolige Krawalltechnogewitter „Old Times“. Nun ja, ist halt nicht alles Gold. Insgesamt kann man jedoch trotzdem das Fazit ziehen: Bestes Northern-Lite-Album seit zehn Jahren!

Die depechemode.de-Wertung:
7 / 10

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P.S. Northern Lite live:

11.08. Open Air Bad Saarow
06.10. Astra Berlin
12.10. Backstage München
13.10. Hive Zurich
25.10. Scala Ludwigsburg
26.10. Kula Konstanz
27.10. Music Hall Altenburg
30.10. Halle 6 Zughafen Erfurt
02.11. Velvet Lutherstadt Wittenberg
03.11. Kleinvieh Dresden
10.11. Spizz Leipzig
15.11. Nachtleben Frankfurt
16.11. Docks Hamburg
17.11. Mau Club Rostock
28.12. F-Haus Jena
12.01. Astra Berlin

www.northernlite.de
www.facebook.com/NorthernLiteBand

Letzte Aktualisierung: 10.8.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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