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Der musikalische Adventskalender, Türchen 4

Review: Boys Noize – +/-

Hurra, die soundtechnische Abrissbirne ist wieder da! Wer einmal auf einem Konzert von Boys Noize war, weiß, was ich meine. Der Mann kann live mit seiner Wucht Hosen zum Flattern bringen. Ja, auch Hotpants. Diese Power hat er perfekt auf sein neues Album übertragen – aber das ist nur einer der Pole von „Polarity“ (wie „+/-“ ausgesprochen heißt).

Alex Ridha, auch dem Depeche-Mode-Fan (und den Anhängern verschiedenster Künstler) als feiner Remixer bekannt, hat erst im vorigen Frühjahr einen Grammy eingesammelt – für die Arbeit an einem Hit mit Lady Gaga und Ariana Grande. Mit diversen Projekten und verschiedenen Kollaborationen ist er auch gut beschäftigt. Aber schön, dass er nun mal wieder Zeit für ein Boys-Noize-Album hatte.

Nicht, dass es auf jenem an Kollaborationen mangelte. Doch davon gleich mehr. Erst einmal starten wir mit dem großartigen „Close“ ins Album. Das dürfte auch Freunden von Fad Gadget und den jüngeren DM-Alben zusagen, oder?

Wenn man das unter Kopfhörern genießt, öffnen sich ganz neue Klangwelten. Direkt im Anschluss geht es sogar richtig electropoppig weiter, wenn Kelsey Lu ihre Stimme zu „Love & Validation“ erhebt. Kelsey begegnet uns später noch einmal, wenn sie zusammen mit dem umtriebigen Chilly Gonzales auf „Ride Or Die“ gastiert.

Boys Noize & Kelsey Lu - "Ride Or Die" feat. Chilly Gonzales

Ridha verbindet auf diesem Album seine technoide mit seiner poppigen Ader. Und die Gäste fügen sich harmonisch ein. Ob Rico Nasty über sein „Girl Crush“ sinniert, Ghost Culture erwähnte „Polarity“ untersucht, Corbin im Industrialstampfer „IU“ die Atempausen setzt oder Jake Shears (von den Scissor Sisters) den Soundblaster bei „All I Want“ in die schwitzige Disco trägt. Mit Tommy Cash bei „Nude“ und ABRA bei „Affection“ wird es sogar richtig chartverdächtig.

Boys Noize & ABRA - Affection

Aber Boys Noize liefert auch diverse Highlights ganz ohne Gäste ab. Wenn er in „Greenpoint“ raffinierte Soundkaskaden baut, es in „Detune“ ordentlich und im Doppelhammer „Xpress Yourself“ und „Sperm“ noch viel mehr scheppern lässt. Und dann ist da noch „XYXY“, das mit Sicherheit keine zufällige Verneigung vor Nitzer Ebb darstellt.

Jetzt muss sich nur noch im nächsten Sommer die Gelegenheit ergeben, zu all diesen Tracks den Coronakater auszuschwitzen. Das wäre was!

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (4/5)

„Boys Noize – +/-„ bestellen:

www.boysnoize.com

www.facebook.com/boysnoize

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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