Festivalbericht: Autum Moon 2019 – Freitag

Zum fünften Mal fand in diesem Jahr das Autumn Moon schon statt und ja, es hat sich zum Lieblingsfestival dieser Autorin entwickelt. Nicht so überlaufen, perfekt dekoriert, verschiedene Bühnen in angenehm großen Locations und nicht so weit verstreut wie die Venues beim Wave Gotik Treffen. Einen Mystic Halloween Market gibt es oben drauf und der hat neben Schmuck, kämpfenden Rittern und dem einen oder anderen Bekleidungsstück auch ausgezeichnete Getränke zu bieten. Während sich die Anreise aus Richtung Düsseldorf als etwas zäh erwies, die Laune aber dank bester Mitfahrgesellschaft im oben Drittel blieb, galt es kurz vor dem Beginn des Konzertes von Frozen Plasma nur noch einen Parkplatz zu finden. Trotz Parkhaus direkt an der Rattenfängerhalle, war es in diesem Jahr nicht mehr so einfach einen Stellplatz fürs Fahrzeug zu finden. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass nicht mehr unbekannte Bands die Openerslots besiedelten, sondern Bands mit Rang und Namen. Eine richtig tolle Idee, so sind nämlich schon nachmittags viele Besucher anwesend und noch unbekannte Bands haben dann auch eine ordentliche Menge an Publikum vorzuweisen.

Los ging der Festivaltag für die Redaktion also mit Frozen Plasma. Kurz nach Beginn betraten wir die Rattenfängerhalle und es war ordentlich was los. Viele hatten sich den Nachmittag frei genommen, um sich von Felix Marc und Vasi Vallis entertainen zu lassen. Perfekt gewählter Platz für das Electropopduo trug es doch dazu bei, dass den meisten Besuchern die Freude eindeutig ins Gesicht geschrieben schien. Klatschen, mitsingen, tanzen – Gruftis können sich auch bewegen und Spaß haben, wie sie bei Frozen Plasma bewiesen haben. Neben fragwürdigen, aber durchaus unterhaltsamen Tanzeinlagen von Sänger Felix, wurde auch in der Synthpopkellerkiste gegraben und „Memories“ von Namnambulu herausgekramt. Für alle, die jetzt nicht wissen, was Namnambulu ist: Es handelt sich hierbei um ein weiteres musikalisches Projekt aus dem Hause Vallis, was sonst von Henrik Iversen am Mikrofon zum Leben erweckt wird. Jubel, weiteres klatschen und jede Menge Heiterkeit und das in den Nachmittagsstunden, das muss man ersteinmal verarbeitet kriegen. (Fotos Frozen Plasma) Raus ging es aus der Rattenfängerhalle und einmal durch das Parkhaus zur Sumpfblume rüber. Einen netten Plausch mit dem Merchpersonal von Krayenzeit und Rome und dann natürlich Krayenzeit gucken. Wenn man schonmal da ist, kann man sich auch mal Mittelalterrock geben. Es war auf jeden Fall nicht schmerzhaft, sich Krayenzeit anzusehen und zuweilen unterhaltsamer als manche gestandene Band aus diesem Genre. Wenn ich noch einmal auf eine Mittelalterveranstaltung genötigt werde, möchte ich bitte nicht Subway to Sally sehen, sondern Krayenzeit. Das war so das Fazit, nachdem ich die Band bestehend aus diversen männlichen Protagonisten und zwei Damen gesehen habe. Wirkliche Freunde werden dieses Genre und ich wohl nicht mehr, aber man soll ja objektiv bleiben. Richtig gut gemachte und sehr unterhaltsame Show – fand auch das Publikum und quetschte sich mehr und mehr in die Sumpfblume, sodass dann auch noch die Türen zum Vorbereich geöffnet werden mussten. (Fotos Krayenzeit)

Die Sumpfblume vollpropfen und für enttäuschte Gesichter bei den draußen gebliebenen Sorgen, das hat Jerome Reuter an diesem Freitag geschafft. Die Sumpfblume war bis auf den letzten Platz gefüllt, um dem Chanson Noir des Künstlers zu lauschen. Das aktuelle Album trägt übrigens den Namen „Le Ceneri Di Heliodoro“ und sollte sich unbedingt einmal zu Gemüte geführt werden. Trotz schwermütigen Klängen führt Herr Reuter gut gelaunt und voller Leichtigkeit durch die Konzertminuten und ist so gut gelaunt, dass er sogar Zugaben gibt und damit seinen Auftritt ungeplanterweise verlängert. (Fotos Rome) Und weil es in der Sumpfblume gerade so angenehm kuschelig war, entschlossen wir uns, gleich dort zu bleiben und noch ein bisschen PRIEST zu gucken. Hohen Unterhaltungsfaktor hat diese Formation schon allein wegen ihrer Optik bestehend aus Ledermasken, noch mehr Leder, Nieten und einem Priesterkragen. Das war es dann aber auch schon, denn so gar nicht zur Optik passend, ist dann die dargebotene Musik aus dem Sektor Synth Pop. Vielleicht sollte man Priest andichten, dass sie mit ihrer Optik in Kontrast zur sanften Musik treten wollen. Auf jeden Fall sehr bizarre Bühnenshow und zum Ansehen sehr zu empfehlen. Ob man sich ein Album kaufen muss und ob die Musik im heimischen Wohnzimmer dann auch noch so funktioniert, sei an dieser Stelle offen gelassen.

Kommen wir zur letzten Band dieses Freitags – God Module. Die Harsh Electro Formation um Jasyn Bangert gab alles, auch wenn es an diesem Tag keine Materialschlacht auf der Bühne gab, wie sonst üblich. Behäbig bewegt sich der Fronter über die Bühne und grölt dabei ins Mikrofon. Wer Suicide Commando mag, ist mit God Module auch nicht so schlecht beraten. Nach der Show gab es dann gemischte Meinungen. Die einen fanden es grandios, zumal man die Amerikaner hierzulande auch gar nicht so oft auf der Bühne sieht. Die anderen fanden es grausig und ließen sich von Herrn Bangert und seinem Spannemann während der 90 minütigen Show einfach nicht überzeugen.

Gern hätten wir an diesem Tag noch Solstafir aus Island bewundert. Diese hatten aber aufgrund von spontanen Auftrittsmöglichkeiten das Autumn Moon von ihrer Liste gestrichen und sich in einem Video an die Fans gewandt. Ersatz waren Lord of the Lost. Kein würdiger Ersatz. Durchaus nett anzusehen, wenn man auf Poser-Emo-Rock steht, aber in keinster Weise ein Ersatz für die Isländer.

Letzte Aktualisierung: 8.11.2019 (c)

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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