„Das Berlin der Achtzigerjahre war das Berlin Martin Gores“

Und nun viel Spaß mit dem ersten Auszug! Dies sind die ersten Seiten des Buches …

Aus dem Kapitel „Begegnungen“

Erste Begegnung, 7. September 2005. Der Weg zu Martin Gore führt durch die sonnengefluteten Straßen von Berlin, vorbei an Strömen vom Schweiß gezeichneter Menschen, die den unerhört heißen Spätsommer mindestens innerlich verfluchen, quer über den Potsdamer Platz, hinein in das fahl ausgeleuchtete Foyer eines sehr teuren, sehr diskreten Hotels. Kühler Marmor, schwere Kronleuchter, schwer beschäftigte Geschäftsmänner, versunken in Sessel, versunken in ihre Zeitungen: Endspurt im Bundestagswahlkampf, Merkel gegen Schröder.

In New Orleans kämpft man derweil ums Überleben, mehr als eine Woche nach Hurrikan Katrina herrscht in der Stadt noch immer der Ausnahmezustand. Und hier in Berlin schimpfen sie auf das Wetter. Irgendwas ist immer. Der Empfangsmann lotst uns zum Pagen, der Page lotst uns zum Fahrstuhl, und der spuckt uns einige Stockwerke höher auf einen langen Flur aus. Am Ende des Flurs wartet die Dame von der Plattenfirma. »Augenblick noch«, sagt sie, »Martin ist gleich fertig.«

Fünf Minuten später öffnet sie die Tür zu seiner Suite und schickt uns hinein. Mitten im Raum sitzt Martin Gore an einem Flügel und improvisiert, den Kopf von uns weg gewandt, hin zur breiten Fensterfront, durch die das weiße Licht der Mittagssonne eindringt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als genieße er die Aussicht auf das Hochhaus-Ensemble am Potsdamer Platz. Doch Gore hat die Augen geschlossen, während er spielt. Vielleicht denkt er in diesem Moment daran zurück, wie dieser Ort auf ihn wirkte, als er ihn kennen lernte, vor mehr als 20 Jahren: noch keine Spielwiese für Architekten, sondern ein Niemandsland im Schatten der Mauer. Unvollendet wie die bildhübsche, bittersüße Melodie, die ihm gerade aus den Fingern fließt. Andernorts in Berlin, in den Musikerkneipen von Kreuzberg oder der Wohnung seiner damaligen deutschen Freundin, kam er der besonderen Stimmung zwischen Ausbruch und
Dekadenz in der geteilten Stadt näher.

Das Berlin der Achtzigerjahre war das Berlin Martin Gores. Heute ist er nur noch als Tourist hier, ein Superstar auf der Durchreise. Damals fand Gore in Berlin das Kontrastprogramm zu seiner Heimatstadt Basildon im Osten Englands, die ihm eng und enger wurde, je mehr er mit Depeche Mode von der Welt sah. Bald tauschte er die Prüderie seiner britischen Jugendliebe ein gegen die Körperlichkeit einer deutschen Nachtschwärmerin; die lähmende Klaustrophobie Basildons gegen das belebende Chaos Berlins. Dieser Ort und diese Zeit haben seine extravagante Erscheinung geprägt, die scheinbar im Widerspruch steht zu seinem introvertierten Wesen, für manch einen sogar im Widerspruch zu seiner sexuellen Orientierung.

Und als wolle Gore, dreifacher Vater, den Geist jener Tage ein letztes Mal hinauf beschwören, hat er seinen untersetzten Oberkörper heute Morgen in ein enges, halbdurchsichtiges
T-Shirt gezwängt und sich die Fingernägel schwarz lackiert. Minutenlang gleiten sie über die Klaviatur und treffen dabei die weißen Tasten kaum häufiger als die schwarzen. Denn im schweren Moll, sagt er, schreibt es sich für ihn leichter als in Dur. Lebensnaher. Leidenschaftlicher. Dann öffnet er die Augen, schaut unter den langen blonden Locken auf und lässt die Töne verhallen. »Ich habe euch gar nicht bemerkt«, sagt er, und vielleicht ist das nicht mal gelogen.

Gore bittet zum Interview an einen Tisch im Nebenraum…….

Lest am nächsten Sonntag den Auszug: „Connecting People“

Letzte Aktualisierung: 1.9.2010 (c)

 Sven Plaggemeier
Sven ist Gründer und Betreiber von depechemode.de. In seinem Hauptberuf arbeitet er als Redaktionsleiter eines Stadtportals. Du kannst Sven bei Facebook, Xing und LinkedIn treffen.

71
Kommentare

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  1. Puppets
    29.8.2010 - 19:08 Uhr
    10

    Tschuldigung für die Textdarstellung. Habe das von meinem iPhone geschrieben und ein bisschen die Übersicht verloren;)

  2. Puppets
    29.8.2010 - 19:04 Uhr
    9

    Wie wird man/frau vom Schweiss gezeichnet?
    Und wieso wird vom zerstörten New Orleans
    geschrieben? Mir schien diese Abschweifung
    als „ein Lücken auffüllen“. Gibt es so wenig über
    den Mart zu schreiben, dass selbst das Knopf-
    drücken des Liftboys beschrieben wird.
    Die Sätze sind viel zu lang und (wie schon erwähnt)
    viel zu schnulzig – Rosamunde Pilcher lässt grüssen.
    Und die anderen Unstimmigkeiten wurden ja bereits
    angesprochen – Da hat wohl das Verlagslektorat
    ziemlich geschlafen.
    Schade – Aber im Leben trifft man sich immer
    zweimal und in diesem Sinne, gebe ich dem zweiten
    Auszug eine Chance. Hoffe, dass der Sven mit dem
    heutigen Beitrag die schlechteste Seite des Buches
    erwischt hat!

  3. Condemnation101
    29.8.2010 - 18:31 Uhr
    8

    Furchtbar!!! Was haben denn bitteschön schwarze Tasten mit Moll zu tun?? Ab zum Nachsitzen im Musikunterricht!

  4. 1982-Fan
    29.8.2010 - 16:53 Uhr
    7

    Ich (aus NRW) war vor 4 Tagen zum ersten Mal zu Besuch in Berlin. Ich bin auch am Potsdamer Platz (SONY Center) gewesen und dann zum Meistersaal / Hansastudios „gepilgert“. Ich habe wirklich sehr viel an Depeche Mode, insbesondere an Martin, gedacht. Und ich habe versucht mir vorzustellen, wie es damals im Niemandsland an der Mauer noch ausgesehen hat. Einige Fotos kann man dort sehen an den Mauerresten-Gedenktafeln. Das war bestimmt eine ganz besondere Zeit für Martin damals in Berlin….

  5. ingo
    29.8.2010 - 16:34 Uhr
    6

    Das ist ja furchtbar schleimiges Gesülze..
    laberlaber..blabla…
    Schlechte Werbung. Sehr schlechte Werbung.

  6. Imuvrini
    29.8.2010 - 16:32 Uhr
    5

    Ich finde das klingt ganz gut, es nimmt einen sofort mit und man taucht ab in die Geschichte und im Kopf ergeben sich automatisch die Bilder dazu….. bin gespannt auf nächsten Sonntag…

  7. hansa
    29.8.2010 - 15:33 Uhr
    4

    au weia…….
    das wurde zum veröffentlichen abgesegnet?
    ohhh jeeeeee.

  8. testcase
    29.8.2010 - 15:28 Uhr
    3

    Hört sich an wie das Drehbuch zu einer „Reality“-Doku…
    ob das wirklich so stattgefunden hat?
    Egal eigentlich wenn die Erzählung einen so schön mitnimmt – klingt jedenfalls so als ob man es prima lesen und dabei von Depeche Mode/Martin Gore träumen kann, „80er-Jahre *der Superstar persönlich* Style“. :)

  9. Sr. Night
    29.8.2010 - 15:24 Uhr
    2

    Ach, ist das schön! Ich les ja sehr gern mal ne pathetische Schreibe! Ich freu mich auf den Rest!

    N.B.:
    Nur ein Härchen in der Suppe:
    a) „…schwer beschäftigte Geschäftsmänner, versunken in Sessel, versunken in ihre Zeitungen…“ – Entweder „beschäftigt“ oder „versunken“, aber nicht beides gleichzeitig, und bei dem Duktus ist nicht ganz klar, wer oder was jetzt wohinein versinkt. Und, daß da nur Geschäfts“männer“ saßen, glaube ich auch nicht wirklich…
    b) „…und sich die Fingernägel schwarz lackiert. Minutenlang gleiten sie über die Klaviatur und treffen dabei die weißen Tasten kaum häufiger als die schwarzen.“ – Man spielt Klavier in den seltensten Fällen mit den Fingernägeln. Aber es sei verziehen, denn das Bild ist so schön, und die Überleitung zum berühmten singing-about-life-in-minor-keys-Zitat macht mir ein ganz warmes Herz!

  10. Liebling von Dave
    29.8.2010 - 15:10 Uhr
    1

    Der Auszug liest sich sehr locker; nun bin ich gespannt auf die anderen 3 Kapitel. Und dann kommt ja schon das Buch.
    Bin gespannt.

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