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Diese Band ist eine derjenigen, die im letzten Jahrzehnt Trends gesetzt haben. Jawohl. Die den DFA-Sound mitbestimmt, die Rocker und die Tänzer zusammengebracht haben. Lange Zeit hat es bis zu diesem dritten Album gedauert, doch das Ergebnis ist eine herausragende Melange aus allen Stärken der Band, zappelnd, atmend und mit einigen schlicht atemberaubend guten Songs.

Gegründet von den Jugendfreunden Luke Jenner und Vito Roccoforte in den 90ern (später ergänzt durch Gabriel Andruzzi und den 2009 ausgestiegenen Mattie Safer), kam der Durchbruch nach dem Umzug nach New York und dem Kennenlernen der DFA-Bosse James Murphy (LCD Soundsystem) und Tim Goldsworthy. Vom ursprünglich psychedelisch angehauchten Punk blieben nur Spuren übrig, die Tanzbarkeit wurde spielentscheidend. Der große Hit „House Of Jealous Lovers“ startete 2002 die Vereinigung von Disco und (Post-)Punk, Indie und Wave, Gitarren, Kuhglocken und Synthies, die mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist.

Das flirrend hoppelnde Debütalbum „Echoes“ wurde ein Erfolg, der Nachfolger „Pieces Of The People We Love“ (2006), der etwas weniger hektisch, dafür songorientierter und insgesamt gleichwertig ausfiel, ebenso. Dann ließ man sich wieder viel Zeit für die Nummer Drei, die nunmehr in Zusammenarbeit mit Produzent Philippe Zdar aufgenommen wurde.

Die Geduld hat sich in jedem Falle ausgezahlt. Die neuen Stücke zeigen die Stärken der Band, ohne abgenutzte Sounds bemühen zu müssen. Es gibt jede Menge Tanzbares in allen Tempi. Synthies, Gitarren, Klavier und mehr. Dazu Jenners dringlichen Gesang und immer mindestens eine schräge Idee in petto.

Zum Auftakt segelt die hohe Stimme des Sängers auf „Sail Away“ erst einmal auf recht geradlinigen (und ziemlich gewaltigen) Synthies und Beats davon. Geradlinig für dreieinhalb Minuten, dann ist der Song eigentlich zu Ende. Hat nur keiner den Instrumenten Bescheid gesagt, die quietschen dann eben noch zwei Minuten weiter, bevor sie von den Handclaps des dynamischen „Miss You“ weggescheucht werden. Ein leichtfüßiger Song, der direkt in die Beine geht.

Okay, danach wird’s kurz zu seltsam. Der „Blue Bird“ braucht wohl in etwa 100 Hördurchgänge, damit der Song hinter dem Chaos erkennbar wird, so oft hat es der Rezensent leider noch nicht geschafft, sorry. Macht nix, denn danach kommt ein Novum. Oder kennt noch jemand einen tollen Song aus dem Bereich elektronischer Popmusik, der (in der ersten Hälfte) von einem Akkordeon angetrieben wird? Bitte melden! Wenn nicht, hier isser nun: „Come Back To Me“, fünfeinhalb Minuten Genialität.

Im Titelsong wird anschließend ein kühles Keyboard von einer neckischen Gitarre gekitzelt, während „Never Die Again“ The Raptures Beitrag zum aktuellen Funk-Disco-Revival ist. Mit dem Saxophon, das bei der Band ja auch früher schon Akzente setzen durfte. Der „Roller Coaster“ ist dann mal ein vergleichsweise simpler Sommer-Sonne-Sonnenschein-Song, bevor die Stücke danach wieder ihre Ecken und Kanten ausfahren.

Kurz vorm Ende setzt „How Deep Is Your Love?“ noch einen fürs DFA-Label nahezu archetypischen Höhepunkt, bevor man mit dem nun wieder komplett untypischen Kneipenwackler „It Takes Time To Be A Man“ die wilde Reise abschließt und der Hörer vielleicht sogar feststellen wird, dass The Rapture trotz der starken Vorgänger hier ihr bislang bestes Album abgeliefert haben.

(Addison)

P.S. Live am 09.09. auf dem Berlin Festival und später dort: 05.11. Köln, 06.11. Zürich, 08.11. München, 09.11. Hamburg, 20.11. Heidelberg.

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www.therapturemusic.com
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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