Bloc_Party_Hymns_WebRes_Wir werfen mal wieder den alten Leierkasten an: Es ist immer schwierig, über persönliche Lieblingsbands zu schreiben. Noch schwieriger jedoch ist es, wenn diese sich in Richtungen entwickeln, in die man ihnen nur noch teilweise folgen mag.

Angel Range. So hieß die Vorgängerband von Bloc Party. Gegründet von Sänger Kele Okereke und Gitarrist Russell Lissack. Warum wir so weit ausholen? Nun, weil die Band, die lange Zeit mit Schlagzeugungeheuer Matt Tong und Bassist Gordon Moakes ein Quartett bildete, sich wieder zu ihrem Gründungsduo zurückgebildet hat und jetzt, auf ihrem fünften Album, zwei neue Mitglieder (Louise Bartle am Schlagzeug und Justin Harris von Menomena am Bass) begrüßt. Wie viel Einfluss die Nicht-Okerekes nun wirklich auf den Sound des Albums hatten, darüber darf allerdings spekuliert werden.

Inhaltlich geht es um Glauben und Hingabe, was den teilweise zurückhaltenden Klang dieser mitunter etwas eigenartigen Songs of faith and devotion erklärt – und wieso das Ganze „Hymns“ betitelt wurde… nun ja, zur Irreführung vielleicht, denn Hymnen kann man hier lange suchen.

So jetzt erst einmal genug gerätselt, denn so schlimm, wie die das Album eröffnende Vorabsingle „The Love Within“, die einen gar nicht so schlechten Song mit bescheuerten Rummelplatzbeats im Abgrund der Großraumdisko versenkt, ist es dann doch nicht geworden. Eine Band, die Album-Meisterwerke wie „Silent Alarm“ und „A Weekend In The City“ geschaffen hat, kann ja auch nicht alles verlernt haben.

Darum kann man sich nach dem ersten Schock über zwei wunderbar atmosphärische Stücke freuen. Bei „Only He Can Heal Me“ funktionieren die elektronischen Elemente, der Song schwebt federleicht dahin, die später hineinperlende Gitarre passt perfekt. „So Real“ hält diese Klasse mit etwas mehr Tempo aufrecht, doch dann reißt „The Good News“ mit seiner albernen Wildwestgitarre die Stimmung wieder nach unten.

So geht das bei diesem Album weiter, es ist ein ständiges Auf und Ab. Das sanft bassig pluckernde „Fortress“ macht eine starke Figur und sammelt auch die James-Blake-Fans ein. „Into The Earth“ ist dagegen übel seichte Dudelradiomucke. „My True Name“, „Virtue“ (hier funktioniert das mit den Synthies etwas besser) und das finale „Living Lux“ gehen in Ordnung.

Geht in Ordnung. Kann man also zu ca. zwei Dritteln dieses Albums sagen. Aber ist das nicht zu wenig? Dass die frühere Genialität nur noch gelegentlich durchblitzt? Dass manches entweder ratlos oder wie Dienst nach Vorschrift anmutet? Wir geben diese Band noch nicht auf, dafür verbindet uns zu viel mit ihr, aber ja: Das war zu wenig.

P.S. Und warum versteckt man – wenn schon nicht alle Songs sooo toll sind –, manche (bessere) Perlen eigentlich als Bonustracks der Limited Edition?

Die depechemode.de-Wertung:
6 / 10

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Letzte Aktualisierung: 10.2.2016 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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