querbeatsHeute haben wir wie weiland der kleine Maulwurf eine bunte Suppe aus Tönen zusammengequirlt, angefüllt mit süßen Bonbonpop-Zutaten von Summer Camp, scharfen, aber auch leicht schwitzig-salzigen Elementen aus, äh, von Jamaica und einer sanften Brise/Prise Elektro-Pop von Stian Shiver um den geschmacklichen Rundumschlag abzurunden…

Summer Camp – Young (EP): Fallen wir gleich mit dem heutigen Tagessieger ins Haus – und das, obwohl es sich hier nur um eine EP handelt. Aber diese ist gar niedlich und sommerlich-leicht.

Die Journalistin Elizabeth Sankey und der Multiinstrumentalist Jeremy Warmsley bilden dieses Duo, das sich offensichtlich dem luftigen Dream-Pop verschrieben hat, wie er Ende der 70er oder mitten in den 80ern klang.

Sechs eingängige Songs wetteifern um den Teenagerliebe-Gedächtnispreis, man verwendet schräge Harmonien, leicht schiefe Drums und charmanten Duo-Gesang. Schnell entsteht eine Atmosphäre wie in diesen bonbonbunten Komödien, die – ja doch, liebes Promoblatt – ein John Hughes so perfekt erschaffen hat.

Wir merken uns reizende Songs wie „Round The Moon“ oder „Veronica Sawyer“ und warten mal ab, was da auf Albumlänge noch möglich ist.

SUMMER CAMP – Round the Moon from Paddy Power on Vimeo.

Jamaica – No Problem: Hier haben wir nun eher den Fall, in dem eine EP vielleicht gereicht hätte, auf Albumlänge dagegen Übersättigung eintritt.

Antoine Hilaire and Florent Lyonnet aus Paris, Überreste des vormaligen Trios Poney Poney, verteilen überall falsche Fährten. Jamaica-Sound? Pah. Clubmusik machen sie. Ah, also elektronische Musik? Pah, nochmals.

Mit den beiden Herren von Justice haben sie sich im Studio verschanzt und ein Album aufgenommen, auf dem die Gitarren endgültig das Tanzen beigebracht bekommen. Das klingt nun im Ergebnis, als wären ebenjene Justice mit den Poppern von Phoenix zusammengeprallt und von einer verrückten Metalband verprügelt worden.

Im Klartext: Vom Rhythmus her extrem gut tanzbar, von der Melodie her eingängiger Pop, vom Sound her ziemlich knalliger Rock – und das große Problem: Ein fieses Gniedelsolo aus der Rock-Grabbelkiste pro Song war offensichtlich Pflicht.

Das klappt dann mitunter sehr gut wie beim Eröffnungstrio aus dem brachial-rasanten “Cross The Fader”, der feinen Single “I Think I Like U 2” und dem rhythmischen “Short And Entertaining” oder später bei dem sommerlichen Ohrwurm “She’s Gonna”, klingt aber manchmal auch zu käsig und kann auf Dauer durchaus auch nerven. Zwiespältig also.


JAMAICA – I Think I Like U2
Hochgeladen von Cooperative-Music. – Musikvideos, Sänger Interviews, Konzerte und mehr.

Stian Shiver – Hibernation: Ach ja, klassischer Synthie-Pop. Da fängt man sich schnell kollektive Schelte der Szene ein, wenn man eine der immer noch schier zahllosen – und oft qualitativ erschreckend überflüssigen – Veröffentlichungen kritisiert. Und dann stellt man hier beim ersten Hördurchgang auch noch fest, dass der Sänger stimmlich oft ganz schön schief liegt.

Aber halt, nicht gleich mit Steinen werfen! Mit etwas Geduld schält sich dann doch ein anderes Resultat heraus. Stian Shiver, ansonsten als Sänger der Elektropopper Portash unterwegs, hat ein durchaus mutiges, streckenweise recht interessantes Soloalbum aufgenommen.

Hier gibt es nicht Vollgas und 0815-Beat-an-Beat, hier herrschen eher ruhige Töne vor. Die Stimme steht recht deutlich und angenehm unbehandelt im Vordergrund – die (hörbaren) Schwächen werden nicht glattproduziert und entwickeln tatsächlich einen gewissen Reiz. Auch sonst fällt der oft eher akustische Ansatz auf (so sollte das Album ursprünglich auch eine Akustikplatte werden), einfache Gitarre und Drum(beat)s, dazu unaufdringliche und weitgehend unverbrauchte Synthiesounds, die gelegentlich sogar überraschende Details aufweisen.

Die Songs und Texte sind sicherlich nicht innovativ, gehen aber größtenteils in Ordnung (Anspieltipps: „Moving Light“, „Safe“), in der richtigen (Retro-)Stimmung kann man mit diesem Album seine Freude haben.

So bewegt sich „Hibernation“ eher ein bisschen in Richtung heppnerloses Wolfsheim und schlägt sich dort wacker. Ein charmantes Nelly-Furtado-Cover und eine CD mit alternativen Versionen runden die Sache ab.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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