chk_thriller

Viel Kunst tummelt sich in unserem heutigen Soundcheck. Heißerwartetes und sehr forderndes Material aus Schweden, New Yorker Tanzfreude zwischen Disco, Dance, Pop und Punk sowie elektronische Großtaten aus Köln. Hereinspaziert, die Damen und Herren!

Los geht es mit Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer, besser bekannt als The Knife. Die beiden haben es dem Hörer ja noch nie besonders einfach gemacht. Schon nachdem sie Mitte der Nuller mit ihrem Album „Deep Cuts“ zum Geheimtipp und Fanfavoriten wurden, versuchten sie das mit dem nächsten Album „Silent Shout“ durch Düsternis und Experimentelles zu unterlaufen. Doch was sie sich auf „Shaking The Habitual“ erlauben, schwankt zwischen Klangerlebnis und Unverschämtheit.

Inhaltlich geht es – stark vereinfacht gesagt – um Gesellschaftskritik, soundtechnisch um Aufbrechung gewohnter Strukturen. Klingt gut, ist aber im Ergebnis eben äußerst zwiespältig. Da eröffnet „A Tooth For An Eye“ das Album noch einigermaßen normal, mit viel eigenwilliger Percussion. „Full Of Fire“ liefert im Anschluss ein knapp zehnminütiges Electro-Feuerwerk feinster Bauart ab… doch danach kippt man alles in den Schredder. Es folgen neun Minuten zerfasertes Chaos. Uff.

Und so geht das weiter, manches Experiment scheint der bloßen Hörerüberforderung zu dienen. Dazwischen zeigen The Knife aber noch ungefähr drei-, viermal – u.a. mit dem druckvollen „Raging Lung“, dem zackigen „Networking“ und dem gewaltigen „Stay Out Here“ (mit Shannon Funchess von Light Asylum) – was für ein überragendes Album es hätte werden können. Wenn man denn gewollt hätte. Als Nächstes bitte lieber wieder etwas von Fever Ray. – 6 von 10 verschenkten Möglichkeiten





Dass diese Band !!! heißt und „Chk Chk Chk“ ausgesprochen werden sollte, müsste nach vier Alben, darunter Erfolgen wie „Louden Up Now“ (2004) und „Myth Takes“ (2007) bekannt sein. Kommen wir also gleich zum Wesentlichen: Ist das leichte Schwächeln, das auf dem Vorgänger „Strange Weather, Isn’t It?“ (2010) nach dem Verlust mehrerer Bandmitglieder (u.a. wegen tragischen Todesfalles) auszumachen war, behoben worden?

Ja, ist es. „Thr!!!er“ spielt sicher nicht ohne Absicht auf ein großes Werk der Musikgeschichte an. Wobei musikalische Gemeinsamkeiten mit dem King Of Pop überschaubar bleiben – diese liegen in der Tanzbarkeit und im Funk, ganz klar. Ansonsten führen die New Yorker das Erbe des LCD Soundsystems auf hohem Niveau fort und sorgen dafür, dass die Beine beim Hörgenuss zwanghaft zum Dauerzucken angeregt werden.

Vom cool losgroovenden Beginn mit „Even When The Water’s Cold“ über die sexy Sounds von „Get That Rhythm Right“, die funky Single „One Girl/One Boy“, das Synthie-Disco-Brett „Slyd“ oder den Electropop von „Careful“ – hier will, soll und muss getanzt werden, gerne (später, Baby…) auch horizontal. Neun gelungene Tracks, man könnte sagen: All Killer, No Filler. Oder besser: All K!!!er, No F!!!er. – 8 von 10 fetten Ausrufezeichen





Wir bleiben im amerikanischen Musikmekka. Die Yeah Yeah Yeahs haben ja seit ihrem gefeierten Debüt „Fever To Tell“ von lärmigem Rock, sogenanntem Art-Punk bis hin zu glitzernder Disco (auf ihrem letzten Album „It’s Blitz“) einige Wandlungen vollzogen. Wohin verschlägt es die Mannen um Charismagranate Karen O. dieses Mal?

Nun, „Mosquito“ hat schon einmal eines der markantesten Cover des Jahres (viele werden allerdings auch sagen, eines der hässlichsten). Darüber hinaus kann dieses Album einfach extrem viel. Ja, es wird wieder mehr gelärmt – beispielsweise im Titelsong. Aber der Pop ist nie weit weg, die Single „Sacrilege“ bietet neben eleganten Synthesizern sogar einen ganzen Gospelchor auf. Bei „Subway“ gibt eine (gesampelte) U-Bahn den Takt vor. Über „These Paths“ trägt uns ein entspannter Beat aus dem Drumcomputer.

Und neben Nick Zinners merkanter Gitarrenarbeit und der detailfreudigen Produktion von Dave Sitek (TV On The Radio) und James Murphy (LCD Soundsystem, again) setzt natürlich die Stimme von Frau O. die Glanzpunkte, sowohl in den kantigeren, als auch in den gefühlvollen Stücken (wie dem starken finalen „Wedding Song“). Nichts auszusetzen, aber so gar nichts. – 8 von 10 auf der Bühne durchgeschwitzten Designerkleidern





Zum Schluss noch ein Geheimtipp von nicht ganz so weit weg. Die Fachfrauen und -männer von Kompakt haben ja längst auch den Pop entdeckt, das dürfte spätestens seit dem Wechsel von WhoMadeWho zu den Kölnern bekannt sein. Nun kommt ein heimisches Duo daher und wird mit seinem Debütalbum allen Vorschusslorbeeren mehr als gerecht.

Die Herren heißen Marius Bubat und Georg Conrad und nennen sich Coma. Doch ins Koma fällt man bei dieser Musik garantiert nicht. Den beiden ist es nämlich gelungen, ein äußerst gelungenes Konglomerat aus Techno, House und vor allem Electro-Pop zu kreieren. Es hört auf den Namen „In Technicolor“ und ist voll und ganz in der Lage, uns den kommenden Sommer zu versüßen.

Ohne Rücksicht auf irgendwelche Genregrenzen haben die beiden – unterstützt von Gästen wie Vimes, Ada und MIT – tanzbaren Stoff wie „Hooray“ oder „Maybach“ aufgenommen, Electroclashiges wie „Les Dilettantes“, einen an Django Django erinnernden Trip wie „Out Of Control“, einfach mal einen Pop-Ohrwurm wie „My Orbit“ oder halt maximal Minimales wie, äh, „maximal MINIMAL“. Macht unglaublich gute Laune und sei wärmstens empfohlen. – 8,5 von 10 bunten Farbfiltern





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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