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Frauen-Special! Vier eindrucksvolle Künstlerinnen aus England, Norwegen (zweimal) und Deutschland, die vier sehr unterschiedliche und allesamt eigenwillige Alben aufgenommen haben.

lapsley-wayNein, Låpsley ist nicht die eine von den beiden Norwegerinnen, da lassen wir uns mal von dem stylishen Sonderzeichen nicht verwirren. Denn eigentlich heißt dieses 19-jährige Talent Holly Fletcher, stammt aus Southport, hat es bereits auf die renommierte „Sound of…“-Liste der BBC geschafft und erfreut uns nun mit ihrem Debütalbum „Long Way Home“.

Im Bereich der Sounds aus der James-Blake-Banks-FKA-Twigs-Schule (und passend zum veröffentlichenden Label sollten wir da noch The xx und London Grammar ergänzen) tummeln sich ja mittlerweile eine Unmenge an Künstlern. Doch es sind eben auch eine Menge Hochbegabte darunter. Zu denen muss man nunmehr Låpsley zählen. Und was ganz herausragend ist – während sie enorm viel mit verschiedensten Sounds spielt, bleibt der Gesamtklang glasklar.

So glasklar wie die wundervolle Stimme der jungen Dame, die über dramatischen Hits wie „Hurt Me“, kühl-elektronischen Abgründen in „Cliffs“, flotten Tanzfegern wie „Operator“, minimalistischen Perlen wie „Station“ und einer Da-wird-Adele-grün-vor-Neid-Hymne wie „Love Is Blind“ schwebt und dieses starke Debüt jederzeit souverän zusammenhält. – 8 von 10 Gradzeichen


aurora_demonsNun aber nach Norwegen. Aus Stavanger stammt nämlich Aurora Laksnes, kurz Aurora, die sich mit ihrem Debüt „All My Demons Greeting Me As A Friend“ aufmacht, ein weiteres dickes Kapitel im noch viel dickeren Buch der skandinavischen Popgrößen zu schreiben. Noch so eine unwahrscheinlich begabte 19-jährige!

Wer Aurora einmal live gesehen, nein erlebt hat oder zumindest einen ihrer Auftritte am Bildschirm verfolgen konnte, ist ihr meistens sofort verfallen. Dieses klitzekleine Persönchen wirkt zwar gelegentlich schwer verhuscht, verhaspelt sich auch manchmal oder verdaddelt einen Songtext – aber das alles geschieht mit einem solchen Charme, gefolgt von einem Blick aus diesen Augen und gekrönt mit umwerfend energetischem Bühnenwirbel. Und die richtigen Autoren (Gaiman, Tolkien, Rothfuss, Riggs) verehrt sie auch noch!

Jetzt haben wir noch gar nicht über die Musik gesprochen. Dabei ist die mit ihrem elektronischen Elfenpop schon märchenhaft genug. Natürlich ragen Hits wie „Running With The Wolves“ und „Conqueror“ heraus. Denen stehen aber mit „Warrior“, „I Went Too Far“, „Under The Water“ oder dem „Murder Song“ jede Menge weiterer starker Songs zur Seite. Und wer hört eigentlich noch wie der natürlich DM-belastete Rezensent gewisse „Ultra“-Sounds aus dem zauberhaften „Lucky“ heraus? Melden! – 8 von 10 Morgenröten


Susanna_triangleWir bleiben in Norwegen, werden nun aber etwas komplexer im Anspruch. Denn das, was uns Susanna auf „Triangle“, ihrem bereits 11. Studioalbum, vorsetzt, will erst einmal verarbeitet werden. Nicht nur wegen des gehörigen Umfangs von 22 Stücken und knapp 70 Minuten. Es geht um existenzielle Fragen hier, Herrschaften!

Also um den Tod, ganz oft. Um Religion, Spiritualität und Aberglaube. „Nothing is holy, nothing is sacred“ – so wird man hier gleich zu Beginn begrüßt. Düster, düster. Dazu schlägt ein gelegentlich verstörender Sound über dem Hörer zusammen. Im einen Moment klagt die Künstlerin noch allein am Klavier, im nächsten Augenblick fahren Sirenen durch den Kopf, wummern schwere Bässe dazwischen, dann zwitschern die Vögel und verschiedenste Field Recordings tauchen auf und ab.

Und zwischendrin verpackt Susanna sogar ein paar echte (und eingängige) Songs wie das fast electropoppige „Hole“, das synthielastige „In The Need Of A Shepherd“, das björkeske „Sacred Revolution“ oder das eindrucksvolle „Death Hanging“. Das Gesamtpaket überfordert vielleicht hier und da, zumindest anfangs. Aber wiederholte Beschäftigung lohnt mal wieder, in der richtigen Stimmung kann Sogwirkung eintreten. Und dann Gnade uns allen. – 7 von 10 schwarzen Dreiangeln


femme_rawWie sagte es die Drangsal kürzlich so treffend: Gerade deutsche Künstler neigen dazu neue Etikettierungen zu erfinden. Na dann: Willkommen zum Pop Noir von Femme Schmidt (wenn man Elisa Schmidt heißt und, von Koblenz ausgehend, über London, die USA und München schließlich wie alle anderen in Berlin landet, ist das schon ein schickes Alter Ego).

Dieser Pop Noir hörte sich auf dem Debütalbum noch leicht rauchig-jazzig an, doch bei „Raw“ ist die Künstlerin nun endgültig auf der Suche nach dem ganz großen Pop. Kein Wunder, wenn man mit Guy Chambers gearbeitet und mit Elton John, Lionel Richie und Bryan Ferry getourt hat. So richtig „raw“ ist auf dem Album dann auch wenig, stattdessen gibt es satt (und glatt) produzierte und auf großen Airplay angelegte Popsongs, die in die Adele-Liga wollen.

Was ja im Grunde nicht schlecht ist und bei den besseren Songs wie „Temple Of Tears“ oder dem schön arrangierten Titelsong auch funktioniert. Aber oft fehlen die Ecken und Kanten (das ist bei Adele genauso), nur gelegentlich lässt Frau Schmidt durchblicken, dass sie auch anders kann. Wie im druckvollen „Kill Me“, im leicht in Richtung Portishead schielenden „Hurts So Good“ und in den tollen Coverversionen „Surround Me With Your Love“ (Original: 3-11 Porter) und „Is Your Love Strong Enough“ (Bonustrack, Original: Bryan Ferry, bekannt auch durch Trent Reznors How To Destroy Angels). Davon bitte zukünftig mehr, dann wird das noch etwas mit dem eigenständigen Profil. – 6 von 10 Hellos


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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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