Cold Cave - Cherish the Light Wieder nur neun Songs. Aber zum Teil deutlich längere. Was ist noch anders auf dem zweiten Album von Cold Cave? So einiges. Weniger Dark und mehr New Wave. Weniger düster, doch immer noch dunkel. Viele Gäste und doch ein einheitlicher Klang. Und vor allem: Keine Scheu vor Popmusik.

Will Eisold hatte ja schon beim Debüt „Love Comes Close“ seine Hardcore-Wurzeln beiseite geschoben und fast aus dem Nichts eine faszinierend schwarze Scheibe eingespielt, wie gemacht für Events wie das Wave Gotik Treffen. Auf dem Nachfolger thematisiert er nun inhaltlich (u.a.) seine neue Heimat New York und immer noch viele Themen, die sich in den nächtlichen Schatten abspielen. Musikalisch hat eine noch deutlichere Entwicklung stattgefunden, die vielleicht ein paar Durchläufe benötigt (gerade wenn man das leicht verstörende Debüt so gut fand), dann aber doch wieder für wachsende Begeisterung sorgt.

Überraschend ist zum Beispiel der Auftakt, wo das fast punkige „The Great Pan Is Dead“ über den Hörer hinwegbraust. Doch eine Rückkehr zur brachialen Gitarre findet dann doch nicht statt, was man anhand der erstaunlichen Gäste an den Instrumenten (von härteren Bands wie Glassjaw oder Hatebreed, aber auch von den Yeah Yeah Yeahs) fast hätte vermuten können. Nein, Eisold, der mittlerweile alleine die Gesangsparts bestreitet (von weiblichem Backroundgesang abgesehen) und seine Stimme kräftiger und eindringlicher als zuvor verwendet, lässt die Elektronik letztlich doch klar die Oberhand gewinnen und entpuppt sich noch stärker als Anhänger der New Order-Schule als früher (aber auch andere übliche Verdächtige wie The Cure und natürlich Depeche Mode sind ihm nicht fremd).

Nach zwei zackigen Stücken dominieren ab dem brillanten „Confetti“ eindeutig die kristallklaren Synthesizer. Dass ein Krachmacher wie Daryl Palumbo hier die Saiten zupft, wer hätte das gedacht? Die Produktion ist viel satter als bei allem, was Eisold bislang veröffentlicht hat (Ein Hinweis: Laut hören ist hier Pflicht!). Die Songs atmen aus einer breiten Brust heraus und strotzen nur so vor Energie. Und doch dürften die atmosphärischen Sounds auch die zurückhaltenderen Hörer irgendwann um den Finger wickeln.

Darüber hinaus lassen sich eben auch so einige richtige Hits und eine Menge origineller Ideen finden. Wie „Icons Of Summer“, das Melodie, 80er-Harmonien und dazwischen hackende Störeffekte perfekt kombiniert. Das wavige „Alchemy And You“ mischt gar eine schräge Trompete zwischen New-Order-Bass und Synthiegewitter. Auf „Burning Sage“ darf der Experimentalelektroniker Dominic Fernow ein paar Effekte zaubern. Und „Villains Of The Moon“ bietet einfach ein fantastisches Finale.

Mit jedem Durchlauf schließt man „Cherish The Light Years“ mehr ins Herz und die Vermutung liegt nahe, dass das auch auf lange Sicht Bestand hat. Wir sprechen uns am Jahresende wieder.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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