Ein Tausendsassa ist er, dieser weltenbummelnde Kanadier. Wechselt von Album zu Album und Kooperation zu Kooperation die Musikstile wie andere die Unterhosen. Nun ist also pianogetriebener Elektro-Pop mit erheblicher Unterstützung von Boys Noize dran. Vielleicht sein größter Wurf bislang.

Um das Jahr 2000 siedelte der Franko-Kanadier Chilly, der eigentlich Jason Beck heißt, ins brodelnde Berlin über (später ging es dann weiter nach Paris) und wurde alsbald in ganz Europa gelobt. Der ausgebildete Pianist kann am Klavier alles (was er u.a. kürzlich bei einem höchst interessanten Piano-Konzert/Wettstreit mit Helge Schneider bewies), streckt seine Fühler neben dem allgegenwärtigen Pop aber auch in Richtung Jazz, Funk, Soul oder HipHop aus. Zusammenarbeiten mit Feist, Peaches, Jane Birkin oder Jamie Lidell unterstrichen die Vielseitigkeit und so durfte man gespannt sein, was auf seinem neuen Album nun angesagt sein würde.

Nun, eine enge Zusammenarbeit mit dem derzeit äußerst gefragten Alex Ridha aka Boys Noize versprach Tanzbares. Ein Dancefloor-Kracher gar? Nun, das eher nicht, aber es ist tatsächlich ein überwiegend poppiges, sehr elektronisches Album geworden. Thematischer Überbau ist ein gleichnamiger Film über die Philosophie des Schachspiels (oder so), an dem Chilly mitgeschrieben hat, der im Frühjahr in Kanada gedreht wurde und in dem neben Gonzales auch Tiga und Peaches mitwirken. Dazu vielleicht später einmal mehr.

Die Musik ist indes komplett eigenständig, schon der Anfang mit „Knight Moves“ zeigt, wo es lang geht: Dominantes, grandioses Klavierspiel, dazu Beats, Bässe und Synthie-Sounds, die das Ganze noch rhythmischer, noch treibender vorwärts schieben. Mit der Single „I Am Europe“ folgt ein astreiner Hit mit eingestreutem Gaga-Text.

Das fast klassische „Bittersuite“ dürfte auch einen Alan Wilder begeistern. „Smothered Mate“ verknüpft Piano-Pop mit Anspielungen an Computermusik-Klassiker, während das schräge „The Grudge“ HipHop-Strophen mit einem Pop-Refrain kreuzt. „Rococo Chanel“ klingt wie gemacht für französisches Weichzeichner-Kunstkino, wohingegen „Never Stop“ oder „You Can Dance“ cool durch die Disco schnipsen.

Ivory Tower“ – eine durch und durch gelungene Melange aus verschiedenen Stilen, der es sogar gelingt, ernsthafte und Unterhaltungsmusik zu verbinden.

(Addison)

P.S. Live auf dem Berlin-Festival (11.09.)! Außerdem: 24.+25.09. Hamburg, 26.09. Frankfurt, 28.09. Berlin, 01.+02.10. Wien

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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