calvin_weekend 2007 war er die heimliche Entdeckung, die aus dem Stand im UK zum Überraschungshit wurde. 2008 kannte man ihn dann endlich auch hierzulande. 2009 landet er nun (im UK) eine Nr. 1 nach der anderen. Aber irgendwie hört man dem neuen Album die Hitproduktion auch an.

Calvin Harris ist fast zwei Meter groß und Schotte. Mit so einem legt man sich nicht an. Will man auch gar nicht, wenn man ihn mal live erlebt hat. Da ist er – unterstützt von einer richtigen Band – in der Lage, jeden Saal zum Kochen zu bringen, wobei er dazu noch wirklich sympathisch rüberkommt.

Das Debütalbum mit dem herrlich großkotzigen Titel „I Created Disco“ war eine spaßige kleine Angelegenheit. In kompletter Eigenregie am Heimcomputer (und womöglich gar dem einen oder anderen alten Amiga) zusammengebastelt und voller charmanter Hits wie „Merrymaking At My Place“, „Girls“ und natürlich „Acceptable In The 80s“, dem Song, der in Germany über ein Jahr später magersüchtige Laufstegwannabes antrailerte.

Mittlerweile ist der „kaledonische Timberlake“ (The Independent) in aller Munde, produzierte mit Kylie (und vielen anderen), wurde von Madonna angefragt und landete in diesem Jahr gleich zwei britische Nummer-1-Hits, das Album machte das Triple dann perfekt. Was kann es da auszusetzen geben?

Hm, gar nicht so leicht zu beschreiben. Aber wenn man „Ready for The Weekend“ am Stück hört, kommt es einem irgendwie schnell wieder zu den Ohren heraus. Von vorne bis hinten donnern die 90er-Jahre-House-Sounds, Bombasteffekte, Vocoderschreckgeräusche und Stroboskopgewitter auf die Nervenstränge ein, dass man zwischendurch einfach mal seine Ruhe haben möchte. Vielleicht ist das Album zu sehr auf Charts gebürstet. Und das ist – bei allem Erfolg, den man Calvin Harris garantiert mehr gönnt als sämtlichen Casting-Jodelgören (und deren Produzenten) dieser Welt – irgendwie schade.

Also, was tun? Man sollte sich einfach die liebsten Songs herauspicken und sie einzeln hören. Und dann klappt es, denn das Album steckt im Prinzip voller Hits, die – jeder für sich – dann doch hörenswert sind. Klar, die Nr.-1-Hits „I’m Not Alone“ (mit Faithless-Gedächtnissounds) und „Dance Wiv Me“ (der Sprechgesangsknaller mit Dizzee Rascal), der Titelsong (fieses Housepiano) oder „You Used To Hold Me“ (mitten aus den 90ern), das groovige „Blue“ oder das lässige „Relax“.

Fazit: Es ist wie mit schottischem Whisky: Vorsichtig dosiert ein kaum zu toppendes Göttergetränk, bei zu viel Genuss am Stück drohen jedoch arge Kopfschmerzen.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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