Seabound – Das Interview + Verlosung

Seabound 2006Am morgigen Freitag (27.10.06) erscheint nach über zweieinhalb Jahren das neue Seabound Album „Double-Crosser„. Wir haben euch in unserer Rezension bereits einen ersten Einblick in dieses wirklich gelungene Werk der beiden Musiker gegeben. Um ein wenig mehr Hintergrundwissen zu erhalten, haben wir ausserdem noch ein Interview mit Frank Spinath und Martin Vorbrodt geführt. Was uns die Beiden alles zu erzählen haben, lest selbst! Übrigens gibt es am Ende eine Verlosung – zu gewinnen gibt es 5x das neue Album „Double-Crosser“!

Mit „Double-Crosser“ legt ihr euer mittlerweile 3. Studioalbum vor. Hat sich euer Bezug zur Musik insbesondere im Bereich des Produktionsprozesses seit euren ersten Veröffentlichungen verändert? Wer hat welche Aufgabe?

Martin: Der Produktionsprozess selbst hat sich eigentlich nicht geändert. Normalerweise fange ich einen neuen Song an und entwickele ihn soweit, bis eigentlich nur noch der Gesang fehlt. Dann schicke ich Frank den Track, so dass er den Gesang dazu aufnehmen kann. Den Gesang füge ich dann in den Track ein. Der einzige wirkliche Unterschied in der Produktion liegt darin, dass wir seit der Produktion von „Double-Crosser“ nicht mehr in der gleichen Stadt wohnen. Frank kommt jetzt nicht mehr für die Gesangsaufnahmen vorbei, sondern er schickt seine Gesangstakes über das Internet.

Bei „Double-Crosser“ handelt es sich offenbar um ein Konzeptalbum, möchtest du uns ein wenig über den Hintergrund erzählen, worum geht es genau?

Frank: Die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Double-Crosser“ bedeutet „falscher Hund“, meint also einen Betrüger und Menschenhintergeher. Menschen sind meines Wissens die einzige Spezies, die Lüge und Täuschung einsetzt, um sich in sozialen Situationen Vorteile zu verschaffen. Ein wenig von einem „Double-Crosser“ haben wir vermutlich alle in uns. Was aber, wenn der Betrug in Freundschaften und Beziehungen hineinreicht? In seiner extremsten Ausprägung stelle ich mir vor, dass jemand im Laufe seines Lebens ein derart komplexes Lügengebäude aufbaut, das er selbst enge Vertraute zu täuschen vermag. Ich stelle mir vor, dass es sogar möglich ist, dass der Double-Crosser selbst eines Tages der Täuschung erliegt und nicht mehr weiß, wer er war oder ist. Völliger Identitätsverlust also… „Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält“, schreibt Max Frisch. Manche hinterlassen auf ihrem Lebensweg dabei eine Spur der Zerstörung. In krassem Gegensatz dazu: die Sehnsucht nach Vertrauen, Sicherheit und Liebe. Die Texte auf „Double-Crosser“ sind inspiriert von solchen Geschichten: Vertrauen und Misstrauen, Liebe und Lüge, Selbstfindung und Selbstbetrug.

Sind eure Songs allgemein und auch retrograd gesehen eher emotionaler Herkunft oder geht ihr rationaler bzw. themenorientiert an das Songwriting?

Martin: Bei der Musikproduktion ist gar nichts rational vorgeplant. Zumeist setze ich mich einfach an die Instrumente und lasse mich von meiner momentanen Stimmung treiben. Das ist dann meistens ein eher chaotischer Prozess bei dem dann – mit Glück – am Ende ein neuer Seabound-Song entsteht.

Frank: Ich selbst verwende die Begriffe rational und emotional kaum noch im klassischen Sinne, weil unsere Gedanken untrennbar verwoben sind mit einer emotionalen Färbung. Musik zu machen und zu hören ist für mich ein sehr gefühlsbetontes Geschehen. Gleichzeitig bemühe ich mich, die Texte für Seabound beispielsweise so zu schreiben, dass sie einen gewissen Grad an Verschlüsselung und Vielschichtigkeit erhalten und gleichzeitig den Bildern in meinem Kopf so genau wie möglich entsprechen.

Seit eurem letzten Release „BEYOND FLATLINE“ sind mittlerweile zweieinhalb Jahre ins Land gezogen. Schon zwischen dem ersten und zweiten Album lagen knapp zweieinhalb Jahre. Im Vergleich zu anderen Bands ist das eine lange Zeit. Benötigt ihr diese um den – nennen wir es mal „Qualitätsstandard“ – zu halten oder gibt es andere Gründe hierfür? Die Fans würden ja gerne mehr hören. ;-)

Martin: Ja, es sind zwei Jahre seit „Beyond Flatline“ vergangen. Das liegt zum einen daran, dass wir tatsächlich viel an den Details feilen, weil wir beide eine perfektionistische Ader haben und es uns dadurch manchmal schwerfälllt, einen Abschluss zu finden. Zum anderen liegt es einfach daran, dass wir keine Berufsmusiker sind und wir dadurch natürlich nicht jedes Jahr ein neues Album rausbringen können wie jemand, der den ganzen Tag Musik macht.

Frank, Du bist ja einer der jüngsten deutschen Professoren für Psychologie – betrachtet man nun den Themenkomplex des Albums, lässt sich vermuten, dass du sehr interessiert bist, was die Themen „Täuschen und Lügen bei dem menschlichen Organismus“ angeht. Denkst Du, dass der Mensch von Grund auf ein „böses Wesen“ ist, das nur auf Grund der Sozialisation zu einem sozial verträglichem Wesen wird?

Frank: Von Grund auf böse? Nein, das glaube ich nicht. Ich würde eher sagen, dass der Mensch von Grund auf ein Wesen ist, das sich mit einer Welt voller Widersprüchen auseinandersetzen muss. Diese Widersprüche reichen bis tief in die eigene Psyche hinein und erfordern es, dass wir unsere ganz individuelle Balance finden. Wir haben beispielsweise den tiefverwurzelten Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit in uns und wollen doch zu einem gewissen Ausmaß Freiheit und Unabhängigkeit. Ähnlich verhält es sich mit dem Wechselspiel von Dominanz und Unterordnung, Festhalten und Loslassen. Interessant wird es vor allem dann, wenn Menschen bei diesem Balance-Akt ins Straucheln geraten. Das ist der dramatische Stoff, aus dem ich als Psychologe für meine Seabound-Texte gerne schöpfe.

Kommen wir zurück zur Musik. Welche Alben habt ihr zuletzt gekauft und inwiefern lasst ihr euch von anderen Künstlern/Bands beeinflussen?

Martin: Ich weiss jetzt ehrlich gesagt gar nicht, welches Album ich als letztes gekauft habe.

Frank: Ich kaufe meist mehrere CDs auf einmal, so dass es keine definitive „zuletzt gekaufte“ CD gibt. Aber zu den absoluten Highlights der Einkäufe gehören zum einen sämtliche I Am X Veröffentlichungen sowie ein altes Goodie, das ich viel zu spät entdeckt habe, nämlich „Mind Sculptures Flesh“ von Individual Totem aus dem Jahre 1997. Ich glaube aber eigentlich nicht, dass mich die Musik anderer Bands, die ich so höre, noch stark beeinflusst. Dafür haben wir mit Seabound zu sehr unseren eigenen Stil gefunden.

Gibt es bestimmte „Lieblingsbands“ von euch beiden und welches Konzert hast du zuletzt besucht?

Martin: Ich habe hunderte Lieblingsstücke, so dass ich anderen Bands Unrecht tun würde, wenn ich jetzt eine einzige Band nennen würde. Zu den Konzerten: Letzen Montag habe ich Covenant in Los Angeles gesehen.

Frank: Das letzte Konzert, das ich besucht habe, war Camouflage, was mir auf recht gut gefallen hat. So richtig umgehauen hat mich aber (wie nicht anders zu erwarten) I Am X. Bei deren anstehender Tour werde ich mir ganz bestimmt auch noch ein oder zwei Shows ansehen.

Beinahe jedes Albumrelease zieht eine Tour nach sich – Wann werdet ihr wieder live zu sehen sein?

Martin: Das werden wir sehen. Es ist noch nichts konkret geplant, aber mit Glück gibt es tatsächlich ein paar Konzerte Anfang 2007.

Frank: Wir hoffen sehr, dass wir „Double-Crosser“ auf einer Tour im Frühjar 2007 vorstellen können. Wir haben sehr viel Spaß bei Konzerten und schließlich sind Livekonzerte die beste Gelegenheit, mit unseren Fans ins Gespräch zu kommen.

Danke für das Interview und die Zeit, die ihr euch dafür genommen habt. Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Double-Crosser“!!

VERLOSUNG

Zusammen mit DEPENDENT RECORDS verlosen wir 5x das aktuelle Album „Double-Crosser“ von Seabound. Beantwortet einfach die nachfolgende Frage:
In welchem Jahr erschien das Debütalbum „No Sleep Demon“ von Seabound?

Kleiner Tipp: Die Antwort findet ihr auf der offiziellen Seite der Band www.seabound.de.

Schickt eure Antwort + eure Daten bis einschließlich 07.11.06 an nachfolgende Adresse: competition@depechemode.de.
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Eure Daten werden ausschließlich für dieses Gewinnspiel genutzt und nicht an Dritte weitergegeben! Viel Erfolg!

Letzte Aktualisierung: 26.10.2006 (c)

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Kommentar

  1. westroamer
    2.11.2006 - 18:41 Uhr
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    Double-Crosser: Eine der besten CDs des Jahres! Einzig das wiedergekaute „Traitor“ nervt (da ich es schon von der vorangegangenen EP kenne).
    Zu obigem Interview: Individual Totem war auch eine meiner Lieblings-CDs 97!