Review: Xenia Beliayeva – Riss

Ist das echt schon fast acht Jahre her, dass Xenia Beliayeva uns mit ihrem Debütalbum „Ever Since“ begeisterte? Tja, ward Tiet, wie nicht nur der alte Hamburger (wo die in Moskau geborene Künstlerin seit Langem lebt und arbeitet) sagt. Schön, dass sie wieder da ist!

Also auf Albumlänge, denn Frau Beliayeva ist und war ja ansonsten keineswegs untätig. Sie legt auf, remixt, schreibt gelegentliche Kolumnen, stellt ihre hörenswerten Radio-Xenbel-Mixe (auch schon bei Ausgabe 66 angekommen) zusammen und veröffentlicht seit eh und je auch jenseits des Albumformats – wir empfehlen da mal zur Verkostung: „Analog Effekt“ (2009), „Dumpfe Träume“ (2010, vom Soundtrack des leider unterschätzten Vampirfilms „Wir sind die Nacht“), „Surrender“ (2013) oder einen ihrer Gastauftritte bei anderen Kollegen, wie „Express Yourself“ (2015, mit Mark Deutsche & Musoé). Apropos Verkostung: (One) Vodka destilliert sie auch noch, nach Opas Rezept.

An dieser Stelle nun aber ein Riss. Nicht durch das fiktive Papier, auf dem diese Rezension geschrieben steht. Sondern durch Genregrenzen innerhalb der elektronischen Musik. Dies soll nämlich der Albumtitel ausdrücken. Und Schubladen sind ja ohnehin überholt, andererseits müssen wir Schreiberlinge doch auch irgendwelche Ausdrücke benutzen, um dem werten Leser die Musik näherzubringen. Sonst könnten wir gleich zu Architektur tanzen.

Wo waren wir? Ach ja, „High Expectations“. Ja, die durfte man haben. Und die erfüllt die eingängige erste Single auch sogleich:

Xenia Beliayeva – High Expectations

Anschließend wird der Sound – auch wenn er insgesamt definitiv poppiger geworden ist – darker. Und das paranoide depechemode.de-Trüffelschwein muss doch bei „Razor“ tatsächlich ein bisschen an „Precious“ denken. Macht aber gar nix, auch wenn Yours Truly bei der Liveaufführung dieses Songs (also „Precious“ jetzt, auf „Razor“ wird sich gefreut) gern die Toilette aufsucht. Doch wir schweifen erneut ab, eigentlich wollten wir doch die Vielschichtigkeit der Sounds hier preisen, wie auch der atmosphärische Titelsong und die, na sowas, schon wieder eingängige zweite Single „Because“ belegen:

Xenia Beliayeva – Because

Zum heimlichen Favoriten (Anspieltipp für EBM-Fans!) entwickelt sich das arschcoole, russisch-ironische „Televisor“. Generell ist nicht nur in der Russian disco Tanzbarkeit angesagt, Clubtaugliches wie „BPD“ (dieser Rhythmus kommt mir doch irgendwie bekannt vor…) oder „MINS“ findet sich reichlich, aber es ist eben immer auch Platz für melodiöse Momente wie „Cross The Line“ oder den durchaus romantischen Synthiepophöhepunkt „Reihe 5“ und stimmungsvollen Düsterelectro wie „Noir“ (hierzu gibt es übrigens einen feinen Remix von Sid Le Rock) und das Finale „So True“. Daher sorry, kein (Ver-)Riss machbar, zu gut ist das alles.

Die depechemode.de-Wertung:
8 / 10

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P.S. Xenia Beliayeva live (darf gerne länger werden, die Liste):
31.03. – Elipamanoke – Leipzig
07.04. – Moiré – Hamburg
14.04. – Karlson Club – Frankfurt
26.05. – Mehanika Festival – Ekaterinenburg (RU)

www.xenbel.net
www.facebook.com/xeniabeliayeva

Letzte Aktualisierung: 29.3.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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