Wenn in den รผblichen Schubladen einfach kein Platz ist, um Polica irgendwo unterzubringen, dann ist das explizit ein gutes Zeichen. Die Band um Mastermind Ryan Olson und Sรคngerin Channy Leaneagh kรผmmert sich nicht um Etiketten, sondern macht Musik, fernab des Radio-Mainstreams, die trotzdem verdammt eingรคngig ist. Ist das noch Pop? Oder der Modebegriff Indie? Vรถllig egal. Die Synthies blubbern, die Drums sind treibend, die Percussions komplex und Leaneagh singt mal engelsgleich, mal Vocoder-verzerrt. Die zweifache Mutter hat in ihren Texten etwas zu sagen. In „United Crushers“ geht es um den Niedergang groรer Industriestรคdte, um Polizeigewalt, Alltagsrassismus, um die Schwachen der Gesellschaft. Man muss aber gar nicht so tief in das Album eintauchen. Die Platte funktioniert auch bestens an der Oberflรคche. Zwar ist der Polica-Stil immer unverkennbar, trotzdem hat jeder Song musikalische รberraschungen parat. Den geraden, einfachen Weg geht die Band auf keinem der Tracks. Hier ein Bruch, dort ein Rhythmuswechsel – die Kompositionen strotzen vor verspielten Kleinigkeiten. Das geht zu Lasten der Ohrwurmqualitรคt, denn kaum ein Song bleibt nach dem ersten Durchlauf im Ohr hรคngen. Sollen sie wohl auch nicht. Polica schleichen sich durch die Hintertรผr herein. Dadurch bleiben sie letztlich lรคnger im Ohr und im Kopf hรคngen. Wegwerf-Pop geht anders, das hier ist anspruchsvolle Ware.
Review: Polica „United Crushers“
Von Henning Kleine
Von Henning Kleine
Henning (Jahrgang 1976) arbeitet als TV-Journalist in Hamburg. Er ist Synthie-Pop Liebhaber und groรer Fan der Pet Shop Boys.