Hot Chip – A Bath Full Of Ecstasy

Wie machen die das nur immer, diese zauselig-sympathischen Nerds von Hot Chip? Liefern einen Volltreffer nach dem anderen ab – und wenn mal zwischendurch nur so Ergebnisverwaltung auf hohem Niveau durchgerutscht ist, schrauben sie an ein paar kleinen Knöpfchen, verlegen noch ein paar Kabel und schlurfen mit dem nächsten Album wieder an die Spitze zurück. Dieses ist ihr siebter Streich.

Bevor wir uns nun in die ekstatische Badewanne legen, müssen wir leider einen Moment der Trauer einlegen. Ein nicht unwesentlicher Grund für die Klasse dieses Albums ist nämlich die Mitwirkung von Produzent Philippe Zdar. Zdar, der mit seiner eigenen Band Cassius (die zeitgleich mit diesem hier ein feines neues Album veröffentlicht hat), als DJ, vor allem aber auch als Produzent von Künstlern wie Phoenix, Franz Ferdinand, Beastie Boys, Cat Power und vielen anderen eine Menge musikalisch bewegt hat. Der in seinen Motorbass Studios zum Beispiel auch einen exzellenten Remix für Depeche Mode (It’s No Good im Motor Bass Mix) anfertigte. Philippe Zdar ist vor wenigen Tagen im Alter von 52 Jahren in Paris bei einem tragischen Unfall gestorben.

Doch wenigstens hat er ein prächtiges Vermächtnis hinterlassen. Wozu nun auch dieses Album hier zählt, um den Bogen zurück zu Hot Chip zu schlagen. Denn was Seidenstimmchen Alexis Taylor, Brummbär Joe Goddard und die anderen Verrückten da auf die Rille oder auch Tanzfläche zaubern, kann schon in sanfte Ekstase versetzen. Wenn man Popmelodien liebt. Ich meine, hallo, „Melody Of Love“, geht es noch eingängiger als hier?

Hot Chip – Melody of Love (Official Video)

Kaum, oder? Dabei ist der Albumtitel natürlich auch mit dem bandeigenen Augenzwinkern zu betrachten, denn Hot Chip bringt man ja eher nicht mit orgiastischen Gefühlen zusammen. Obwohl … wer sie live kennt, weiß, dass das bei ihren Konzerten schon durchaus … aber wir schweifen ab. Eigentlich sind sie ja doch eher die entspannt melodischen Verführer. Und so butterweiche Ohrwürmer wie hier gibt es in der Fülle selten.

Da hat man die Hörer mit dem ersten Vorboten „Hungry Child“ mal wieder geschickt in die Irre geführt. Nach dem hätte man ein Album in Richtung House erwarten können, was bei den Vorlieben einiger Bandmitglieder wie Goddard durchaus denkbar gewesen wäre. Und Hot Chip leisteten sich dazu ein Video, bei dem die Musik hinter die Story des genervt streitenden und langsam durchdrehenden Paares zurücktritt.

Hot Chip – Hungry Child (Official Video)

Jaja, wenn doch irgendwie immer Musik da wäre (Memo: mal wieder „Absolute Giganten“ ansehen) … bei solcher von Hot Chip wäre es nicht so schlimm, es sei denn, ihnen rutscht eines Tages mehr Autotune wie beim Titelsong zwischen die Synthies. Hier zum Glück nicht – und die schöneren Balladen warten weiter hinten auf dem Album, mit dem traumhaft-träumerischen Doppel „Why Does My Mind“ und „Clear Blue Skies“ (Letzteres hauptsächlich von Goddard gesungen und in der zweiten Hälfte mit wunderschönen Synthesizermelodien ausgemalt).

Zwischendurch gibt es aber noch ordentlich tanzbares Material. Da ist das memorable „Echo“, das nicht zum ersten Mal auch die Pet Shop Boys in greifbarer Nähe sieht. Da ist das, tja, positive Vibes verströmende „Positive“. Und da ist die grandiose Single „Spell“, auf dem Album in einer schicken sechsminütigen Version, während das Video sich kurz und knackig hält (und Ängste vor Bettwäsche auslösen könnte).

Hot Chip – Spell (Official Video)

Mit „No God“ schließt die wohlige Gefühlsbadeerfahrung ab – und natürlich ist das mal wieder ein Album des Monats.

Die depechemode.de-Wertung:
9 / 10

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P.S. Hot Chip live:

03.12. Berlin, Columbiahalle

04.12. Luxemburg, Den Atelier

05.12. Lausanne, Les Docks

11.12. Hamburg, Docks

www.hotchip.co.uk

www.facebook.com/hotchip

Letzte Aktualisierung: 28.6.2019 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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