Der Review-Weihnachtskalender Türchen 10: Janosch Moldau – „Ghost Tracks“

Gestern haben wir euch mit Live-Eindrücken des Popmelancholikers Janosch Moldau verwöhnt, heute soll sein aktuelles Album „Ghost Tracks“ im Mittelpunkt stehen. Klingt ein bisschen mystisch und erinnert an Spätherbstnebel, oder? Ganz so düster wie der Titel vermuten lässt, wird es auf dem Scheibchen dann doch nicht, denn Meister Janosch hat die Tracks seines 2015 erschienenen Langspielers „Minor“ geschnappt, sich an den Luganer See verkrümelt, eine gute Flasche Rotwein geöffnet und mal geschaut, was da so passiert, wenn man den Abstand zu Deutschland hat. Herausgekommen ist eine Art Remixalbum, das mit Neuinterpreatationen alter Stückchen aufwartet und den Hörer überraschen dürfte.

Wer jetzt aufgrund des Aufenthalts am See glaubt, die Tracks wären von der Sonne beeinflusst, der irrt aber. Gerhard Potuznik und Janosch selbst ist die Sonne dann doch nicht ganz so gut bekommen. So trotzen die Neuauflagen der Songs vor typischem Janosch-Sound. Mal in ein tanzbareres Gewand gepackt wie bei „The Harbour“,mal vor bittersüßer Melancholie strotzend bei „I Want To Find Silence“ arbeitet sich das Scheibchen langsam vor und Herr Moldau zeigt sich von seiner besten Seite. Fachgebiete: Moll-Akkorde, den Hörer mitseufzen lassen und Nachdenklichkeit verbreiten. Hätte es Schulnoten für diese Fächer gegeben, Janosch Moldau wäre ein Musterschüler gewesen und würde man der Platte diese drei Maßstäbe zu Grunde legen, sie wäre eine glatte 10 von 10, trotz der kleinen Tanzeinlagen, die mit ihr durchaus möglich werden.

Auf ein Intro wurde übrigens verzichtet. Sowas braucht man in Neu-Ulm, der Stadt aus der der Meister der Düsterpop-Melancholie kommt, nicht. Schnörkellos einfach mal direkt in die 15 Tracks einsteigen. Nun kann man ja von Remix-Alben halten was man will. Die einen stehen drauf, weil sie neue Interpretationsmöglichkeiten bieten oder weil auch mal jemand anderes an einem Track geschraubt hat und ihm so einen neuen Anstrich verpasst hat. Die anderen bekommen schon angewiderte Gänsehaut, wenn sie nur daran denken. Letztere bekehrt Janosch Moldau mit „Ghost Tracks“, die Platte klingt immer noch nach Janosch Moldau, mit ein paar Farbkleksen versehen und so nicht vollkommen umgekrempelt aber lebendiger gemacht. Davon können sich einige Musiker noch eine Scheibe abschneiden! Setzen Herr Moldau! Das haben sie sehr gut gemacht!

Letzte Aktualisierung: 9.12.2016 (c)

 Josie Leopold
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