Alan Wilder: Music For The Masses – I think not

„Music For The Masses – I think not“, so lautet die einleitende Überschrift zu einem vor wenigen Tagen auf www.side-line.com veröffentlichten Interview mit Alan Wilder, welches vorallem als „Open letter“ verstanden werden möchte. In dem Interview, welches bereits Ende Januar geführt wurde, äussert sich Alan Wilder gewohnt offen und ehrlich, vorallem aber sehr kritisch in Bezug auf die derzeitige Entwicklung der Musikindustrie und die Folgen nicht nur für Künstler, sondern auch für Konsumenten und Fans guter Musik.

Letzte Aktualisierung: 2.3.2008 (c)

 Sven Plaggemeier
Sven ist Gründer und Betreiber von depechemode.de. In seinem Hauptberuf arbeitet er als Redaktionsleiter eines Stadtportals. Du kannst Sven bei Facebook, Xing und LinkedIn treffen.

63
Kommentare

  1. Shoy™
    5.3.2008 - 17:19 Uhr
    50

    wie schön, endlich mal wieder eine sachbezogene tiefendiskussion zu lesen, bei der nur wenige querschläger an ihrer wortwahl feilen könnten und die meisten differenziert ihre gedanken darlegen und viele gute posts dabei sind… :-) dann werd ich jetzt auch noch einen „kurzen“ kommentar dazu abgeben.

    ich finde alan’s beitrag durchdacht und intelligent und er zeigt, dass musik für ihn immer noch eine angelegenheit ist, bei der nicht reiner wegwerfkommerz, sondern herz & seele das wichtigste sind, ein antreibendes bedürfnis sozusagen. dass es generell mainstreamsoße gibt, sollte man nicht durchweg verdammen, denn es gibt menschen, die mögen nunmal einfaches fastfood und können vielschichtige dynamische musik nicht wertschätzen, weil sie nicht differenziert hören können, dafür können sie aber nichts. es gibt ja auch menschen, die musikantenstadl sehen und bei depeche entgeistert in ohnmacht fallen… für menschen mit einfachen ansprüchen darf es ruhig einfach gestricktes geben, ohne verurteilung oder wertung bitte!
    schlimm wird es erst, wenn sich eine ganze industrie einheitlich danach ausrichtet, eine spirale in gang setzt, die kaum noch umzudrehen ist und bedingungen erschafft, unter denen die vorher mögliche und dagewesene VIELFALT beschnitten wird und anspruchsvolle oder andersartige musiker plötzlich schwierigkeiten bekommen, wenn sie nicht das glück haben, schon etabliert zu sein.
    es gibt so viele geschmäcker wie es menschen gibt, und die bandbreite an musik sollte ebenso reichhaltig sein – für jeden etwas eben. musik ist nicht nur ein kommerzprodukt, sondern vor allem kultur, etwas, das über sprachgrenzen hinweg verstanden werden kann und in die herzen geht, über den verstand hinweg unser wesen anspricht. das ist eine äußerst wertvolle und unbezahlbare eigenschaft von musik, deshalb ist es traurig, wenn musik von wenigen entscheidungsträgern nur auf ein billig-rentables mittel zum zweck reduziert wird, mit der vorgabe, was uns zu gefallen hat. das liegt aber auch daran, das wir uns das „gefallen lassen“ und alles fressen, was uns vorgeworfen wird – ich meine damit die schnelle und billige möglichkeit des downloads, so wie es jetzt abläuft.

    menschen haben gerne spielzeuge und es ist nicht verwunderlich, dass die allgemeinheit mit mp3-playern spielt. das blöde daran ist, dass dadurch bestimmt viele vorher qualifizierte hörgewohnheiten abgeflacht worden sind und die leute sich daran gewöhnen. bestimmt ist vielen nicht wirklich klar, was ihnen verloren geht, oder es ist ihnen egal. ich persönlich steh nicht auf komprimiertes, ich hab gute ohren und vermisse dann die reichhaltigkeit der klänge und das vollmundige erleben der high end-musik. mp3 an sich ist nichts schlechtes, aber es ist scheiße, wenn digitale musikvermarktung dazu führt, dass die musikindustrie die künstler knebeln kann. wer ist schon die industrie? das wesen und die seele von musik sind doch die künstler, ohne die gäbe es die ganze industrie nicht! gerade kleine newcomer, die gute neue ideen haben, sind doch angesch… und müssen eher einen beruf als versicherungsvertreter mit nebenjob musiker annehmen, weil mangels cd-verkauf ein überleben als musiker immer schwieriger wird.
    die leute, die nach musikdownloads schreien, vergessen, dass sie damit etwas in gang setzen, was in der musikwelt einiges zerstört, und sie vergessen auch, dass das doch eigentlich nicht in ihrem sinne sein sollte. das geiz-ist-geil-verlangen nach immer billigeren oder womöglich gratis-downloads führt ins große nichts, musiker MÜSSEN einfach durch plattenverkäufe geld reinbekommen. wenn eine gruppe von 3-4 musikern ein jahr lang songs schreibt, aufnimmt und produziert und die bandmitglieder vielleicht auch noch familie haben – wovon zum teufel sollen die zig menschen ein jahr lang leben, wenn hinterher kein produkt ihrer arbeit verkauft wird und kein geld reinkommt (oder nur wenig)? die müssen doch auch miete zahlen, essen etc… brian molko von placebo hat mal gesagt, dass bands, wenn die entwicklung so weitergeht wie momentan, ihre konzert-tickets um ein vielfaches teurer als jetzt machen müssten, um die vorlaufkosten der produktion wieder reinzuholen und überhaupt leben zu können. das will doch auch keiner von uns, oder? nun ja, die entwicklung ist nicht rückgängig zu machen – eine andere möglichkeit wäre somit natürlich, downloads um die summer teurer zu machen, die nötig wäre, um den musikern ihren verdienst und damit ihr überleben zu garantieren… ?idee?
    diejenigen, die immer „noch billiger“ verlangen, sollten mal überlegen, dass sie als konsumenten dadurch auf die musikindustrie druck ausüben und dinge in gang setzen, die konsequenzen zur folge haben, die ganz bestimmt nicht erwünscht sind – klangarmut, angebotsarmut, stilarmut und überteuerte konzi-tix oder gar keine konzis mehr. frei nach dem motto „der zauberlehrling – die geister, die ich rief“. und das in einem bereich, der als einer der wenigen noch unsere seelen zum klingen bringt und uns unsere menschlichkeit fühlen lässt, das darf doch keiner wegen ein paar münzen oder aus download-bequemlichkeit zulassen! dann doch lieber in den shop latschen, ein paar euro für einen silberling hinlegen und so alles in gang halten. das sollte einem ein ECHTES (kein abgeflachtes) über jahre haltbares musikerlebnis doch wert sein. downloader, überlegt es euch gut, es ist in eurer maus-hand…

    ui, doch länger geworden…
    das sind meine ganz persönlichen überlegungen als laie und gefühlsmensch dazu, glückwunsch an die, die sich bis hier durch-gelesen haben, grins… ;-)
    gruß an die gemeinde!

  2. Atlas
    5.3.2008 - 16:15 Uhr
    49

    Und das Düsterste und tückisch Schleichendste überhaupt im Jazz ist natürlich Bohren & Der Club of Gore:
    discogs.com/artist/Bohren+%26+Der+Club+Of+Gore
    …die aber wohl auch bekannter sind.
    Zum Einstieg besonders zu empfehlen: das „Sunset Mission“-Album.

    Tolle Abrundungen eines Alan Wilder-Listening-Abends haben wir jetzt hier zusammengestellt ;)

  3. Atlas
    5.3.2008 - 16:07 Uhr
    48

    Da hier schon über Dark Jazz gesprochen wird, den man gut im stimmungsmäßigen Zusammenhang mit Alans Musik hören kann, noch drei Tipps:

    Terje Rypdal – Vossabrygg
    (E-Gitarre/Elektronik/Bläser/Bass/Drums)
    jazzecho.de/terje_rypdal_vossabrygg_op._84_102143.jsp

    Tord Gustavsen Trio – Being There
    (Piano/Bass/Drums)
    jazzecho.de/tord_gustavsen_trio_being_there__123262.jsp

    Wolfgang Haffner – Shapes
    (Elektronik/Bass/Drums/Bläser)
    actmusic.com/product_info.php?products_id=201

    Am Eingängigsten ist wohl die Haffner-Scheibe, gefolgt vom Gustavsen Trio. Das Rypdal-Teil hat dafür einige der bösesten Subbass/Beats-Parts ever ;)

  4. Kaleidoskop
    5.3.2008 - 12:08 Uhr
    47

    @jimmyjazz und breitmeyer

    kann euch in sachen jazz noch mulatu astatke und jack de johnette an herz legen. sind allerdings mehr die alte schule und nicht vergleichbar mit soundwelten von aarset. johnette war lange drummer bei miles und besonders „works“ bietet ne schöne bandbreite von stilen.

  5. Jimmy Jazz
    5.3.2008 - 11:36 Uhr
    46

    Und ich kann generell bemerken, dass sich hier die diskussionskultur im vergleich zu vor einem jahr stark gebessert hat. Großes lob an alle, die dazu beigetragen haben!

  6. Jimmy Jazz
    5.3.2008 - 11:34 Uhr
    45

    @Breitmeyer:
    Das wird sicherlich auch der fall sein. Bei Bitches Brew von Miles hats auch lange gebraucht, bis es angefangen hat für mich zu funktionieren. Ist bei mir bei den meisten eher schweren Jazz/Fusionplatten so. Aber DM haben ja auch einige Songs, die mir beim ertsen hören garnicht gefallen haben und erst bei wiederholtem aufmerksamen hören anfangen zu funktionieren. Ich bin jetzt von PTA wesentlich mehr überzeugt, als ich es nach dem ersten hören war.

  7. Kaleidoskop
    5.3.2008 - 9:37 Uhr
    44

    @michi

    du bist im falschen thread… stänkern kannste beim yazoo thread. hier wurde bisher (sogar ganz konstruktiv) über alan wilder, seinem artikel und anderen musikrichtungen diskutiert.

    wie scheiße du radiohead und andere „britpop“ bands (lachtot über vergleich) findest ist ja schön und gut, aber zeigt auch, dass du bei dieser diskussion in diesem thread einfach absolut „di niente“ konstruktives zum thema bringen kannst.

  8. breitMEYER
    5.3.2008 - 1:04 Uhr
    43

    moin,ich schmeiß erst mal ´n duden in die runde,den unser michi „f“öllig zurecht vängt….ähmn…fängt;-)!!(ansonsten kommentar überflüssig!)

    @jimmy
    kein problem,wenn dir“sonic codex“ keine
    gänsehaut verpasst hat.ich glaube aber,daß man die scheibe auch ein wenig länger auf sich wirken lassen muß,um sie endgültig zu beurteilen.aber hey,ich gehöre ja nu´nicht zu den leuten die anderen vorschreiben,was sie gut oder schlecht zu finden haben!
    e.s.t ist ebenfalls eine gute wahl-das letzte album wurde glaube ich von der STEREO zum audiophilen album des monats
    gewählt worden.ich habe mal reingehört und es hat mir auch gut gefallen.wird bestimmt bald den weg in mein CD-regal finden :-)!

    @intruda
    gemäß dem tita von hardenberg-motto:
    „bleiben sie stark!;-)“

    @michi
    siehe oben!

    @kaleidoskop
    danke für die info zu nick cave.damit läßt sich ja schon mal was anfangen und klingt sehr spannend!

    @all
    ich habe vor ein paar monaten hier mal gelesen,daß DM im februar diesen jahres mal wieder ins studio marschieren wollten,um an einem neuen album zu basteln.
    was ist eigentlich in der zwischenzeit passiert??
    wer da genaueres weiß sollte sich da mal entsprechend „räuspern“…..

    ansonsten:adiós y buénas nóches…….

  9. Jimmy Jazz
    4.3.2008 - 22:24 Uhr
    42

    @Breitmeyer:
    sonic codex gefällt mir ganz gut, haut mich aber nicht vom hocker, obwohl ich zugeben muss, dass ich nur etwas quergehört habe. Aarset passt aber gut zur Familie der wunderbaren Jazzer aus Skandinavien. Ich bevorzuge da allerdings lieber e.s.t. und Nils Petter Molvaer.

    @All:
    Wenn ihr das gefühl habt, dass die zeitgenössische musik für euch nichts hergibt, dann begebt euch mal auf last.fm, wo ihr nach “tags“ suchen könnt oder aber über die rubrik “similar artists“ auf erstaunlich viele auch unbekanntere künstler kommt, die euch interessieren bzw. gut zu eurem geschmack passen könnten. Mir erging es zumindest so.

  10. radiodepp
    4.3.2008 - 19:36 Uhr
    41

    Es ging mir hier nur darum, dass eine gewisse Person Vince Clarke und sein Schaffen als unwichtig und erfolglos darstellte. Gleichzeitig wurde dann noch an Mode genörgelt usw. usw. Genau dieser User brachte dann die „geniale“ Band Radiohead ins Spiel. Nebenbei wurde dann noch geschrieben, dass U2 nie das Niveau von Radiohead erreichen werden …lach schlapp… kommt drauf an ob man es von OBEN oder UNTEN betrachtet.

    Und bei aller Liebe, diese Typen (Radio…) werden der Musikwelt nichts hinterlassen, denn da gibt es wirklich bessere Bands. Was man von Vince (DM, Yazoo, Erasure etc.) schon behaupten kann. So kann nur einer labern, der erst seit ein paar Jahren so einigermaßen Mode-Fan ist und DM wohl auch nur gut findet, weil seine Ex mal auf Exciter stand! Es gibt aber auch junge Fans, die Hits von Yazoo und Erasure kennen, von daher kann ich das nicht mit seinem Alter entschuldigen!

    Hier gab es ja schon viele Vollhorste, die was von Robbie Williams, Matlock und was auch immer gelabert haben. Ich frage mich nur, was denen das bringen soll, denn hier steht sicher keiner so wirklich auf solche Bands.

    Das ist doch nichts anderes, als wenn in einem Stones-Forum über Jagger geredet wird und ein Wicht loggt sich ein und tut Jagger als unwichtig ab und bringt Schlumpf-Vater Abraham ins Spiel! Soll er doch ins Kicka-Forum gehen und da nerven. Haben Radiodiddel eigentlich kein eigenes Forum?

    Zu Kommentar 40! Volle Zustimmung! Dieser Kommentar könnte aber gefährlich werden, denn jetzt kommt sicherlich einer daher und sabbelt was von Bushidodingens rum.