Ein seltsames Kunststück ist das. Ein großartiges Album nach dem anderen. Ausverkaufte Touren, immer zahlreichere Fans, überschäumende Reviews. Und trotzdem gelten The National als so etwas wie ein Geheimtipp. Wenn sich das nach diesem Meisterwerk nicht ändert, stimmt definitiv etwas nicht mit dieser Welt.

Ende der 90er gründet sich die Band – bestehend aus den Brüderpaaren Dessner (Aaron+Bryce) und Devendorf (Bryan+Scott) sowie Sänger Matt Berninger – in Brooklyn (wobei die Ursprünge in Ohio liegen), die ersten beiden Alben bekommen schon einiges Lob, mit “Alligator” (2005) und v.a. “Boxer” (2007) wächst die Anhängerschaft deutlich. Die Alben vereint, dass man sie wiederholt hören muss, um ihre Schönheit vollends zu erkennen. Überwiegend ruhige Stücke, düster-melancholische Stimmung, warmer Gesang – nicht sofort eingängig, aber mit Langzeitwirkung.

High Violet” führt den bisherigen Stil fort, hebt ihn aber auf ein neues Niveau. Auf diesem Album gelingt es The National bei vielen Stücken, sie sofort im Ohr des Hörers zu verankern. Was nicht heißen soll, die Songs seien simpel und einfach gestrickt. Nein, sie sind weiterhin durchaus komplex, und es herrscht auch weiterhin eine überwiegend dunkle Atmosphäre, nur gibt man ab und zu zwischendurch etwas mehr Gas.

Die Songs sind reichhaltig instrumentiert, neben den vielseitig eingesetzten Gitarren finden sich hier ein Klavier, da ein paar Streicher, dort ein Bläser und immer wieder passende Synthesizersprengsel. Dazu kommt die fantastische Schlagzeugarbeit Bryan Devendorfs, die stets eigene Akzente setzt. Und dann ist da natürlich die Stimme von Matt Berninger. Ein unglaublich warmer Bariton (der manchmal Richtung Bass absinkt), der mal fast grummelnd durch die Songs schlurft, mal zutiefst sehnsuchtsvoll singt und Gänsehaut beschert.

Die Songs an sich sind natürlich auch stark geschrieben. Das fast schon poppige “Anyone’s Ghost”, das leicht elektrifizierte “Little Faith”, das von Sufjan Stevens unterstützte, von Gefühl und kleinen Details (ein Harmonium!) strotzende “Afraid Of Everyone”, das zu Recht zur Single erwählte “Bloodbuzz Ohio”, die Hymne “Conversation 16” (die die gelegentlichen Vergleiche mit Interpol fast doch rechtfertigt) oder das epische “England”, man könnte sie alle aufzählen.

Die älteren Fans von The National fürchten mit diesem Album eine “Coldplayisierung” ihrer Lieblinge, doch dafür hat dieser großartige Anwärter auf das Album des Jahres wohl noch zu viele Kanten. Oder? Na, wenn der Riesenerfolg nun doch zuschlägt, gönnen wir ihn der Band einfach, okay?!

(Addison)

P.S. Live: 08.07. Hamburg (Stadtpark) – 14.07. Dachau (Musiksommer) – 14.08. Haldern Festival – 17.08. Graz – 18.08. Wien – 20.08. Lausanne

The National – „Bloodbuzz Ohio“ (official video) from The National on Vimeo.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 20.5.2010 - 15:28 Uhr

    the national! diese band muss ich mir merken!

  2. 20.5.2010 - 15:26 Uhr

    echt klasse dieses stück!

  3. Salomon
    1
    20.5.2010 - 12:13 Uhr

    ein wunderbares stück musik….