Heute gibt’s mal wirklich ordentlich Beats hier. Von ravenden Norwegern, quer durch die elektronische Klangerzeugung hüpfenden Franzosen und dicke Bassregler durch die Gegend schiebenden Briten bis hin zu klassischem Berlin-Techno gibt es einiges auf die Ohren.


120 Days – 120 Days II


Vier Norweger lassen es hier mit ihrem zweiten Album ganz ordentlich krachen. Die kommen ursprünglich aus dem gitarrenorientierteren Bereich, haben aber mittlerweile zu viel Techno gehört, um nicht auch mal die Synthesizer rocken zu lassen.

So knattert am Anfang „Spacedoubt“ nach zunächst eher mildem Einstieg mächtig durch die Boxen, der verzerrte Gesang lässt an U2 in ihren elektronischeren Zeiten oder die härteren Songs von Echoboy sowie tatsächlich an guten, alten UK-Rave denken. Danach lässt man im instrumentalen „Dahle Disco“ auf knapp zehn Minuten den Dancefloor schwitzen.

Zwischendurch kommt immer mal etwas Luft an die Sache, doch spätestens auf „Lucid Dreams Part III“ gibt es wieder Vollgas. Mit „SF“ lässt man sich sogar ein Stück weiter in den Space hinaus treiben, bevor zum Abschluss das saftige „Osaka“ noch einmal zünftig und underworld-esk die Ravekeule zückt.

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Krazy Baldhead – The Noise In The Sky


Das Label Ed Banger Records steht ja zum Glück nicht mehr nur für dreckigen Bratzelectro. Auch dort ist mittlerweile mehr Vielfalt angesagt. So wie auf dem zweiten Album des verrückten Glatzkopfes hier.

Das Debüt des aus Südfrankreich stammenden Wahlparisers kam noch als elektronische Sinfonie daher, stilecht mit Klassikelementen. So etwas kommt wohl von zehn Jahren musikalischer Ausbildung am Konservatorium. Für den Nachfolger hat er die Strukturen nun jedoch aufgelockert. Einflüsse der elektronischen Musik der 70er sollen es nun sein, aber auch mehr heutige Sounds. Und Jazzelemente.

Von Letzterem merkt man wenig, Ersteres lässt sich durchaus erahnen in den zwölf Tracks, die die ganze Vielschichtigkeit moderner elektronischer Klangerzeugung widerspiegeln. Da gibt es verträumte Soundspielereien wie im Titeltrack, charttauglich verzerrte Bassmusik („Surabaya Girl“, „Empty Boy“), putzige Klänge zu putzigen Songtiteln („Alexander Platz“) oder experimentellere Soundforschung („Must There Be An Angel?“, „Castles And Clouds“). Trifft vielleicht nicht immer ins Schwarze, aber in jedem Falle gibt es eine ganze Menge zu entdecken.


KRAZY BALDHEAD – SURABAYA GIRL von edbangerrecords
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Addison Groove – Transistor Rhythm


Wenn der Künstler ein ähnliches Pseudonym benutzt wie der Rezensent, ist Achtung geboten. Aber: Nein, hier liegt keinerlei Verschwägerung vor, geschworen sei es! Trotzdem gefällt uns die vorliegende Musik wirklich gut.

Antony Williams heißt dieser Musiker eigentlich, und anfangs war er noch unter dem Alias Headhunter unterwegs, womit er sich in der britischen Dubstep-Szene schon einen Namen machte. Doch 2010 walzte er plötzlich als Addison Groove mit dem Hit „Footcrab“ die Tanzflächen platt. Und nun ist endlich das Debütalbum draußen.

Das ist dann auch kaum noch Dubstep, sondern fett produzierte Bassmusik, die längst nicht mehr nur in eine Richtung zielt, sondern auch Techno oder House zulässt. Gleich zu Beginn nordet „Savage Henry“ die heimischen Boxen neu ein, bevor zwei Beiträge mit Gaststar Spank Rock Chartpotential (und möglicherweise auch einen gewissen Nervfaktor) beweisen. Später wird es dann aber wieder clubbiger, und obwohl nicht unbedingt jeder Track zündet, ist doch viel Potential und Talent aus dieser Scheibe herauszuhören.

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Mobilee Back To Back Vol. 6 presented by Pan-Pot


Zum Schluss liegt da noch ein dickes Paket vor uns. Das Berliner Label mobilee widmet die sechste Folge seiner „Back To Back“-Reihe dem Produzentenduo Pan-Pot. Mit zwei CDs und einer DVD gibt es darauf eine ganze Menge Futter.

Auf CD Nummer Eins haben die beiden Herren ihre Labelfavoriten des letzten Jahres ausgewählt. Demzufolge gibt es ordentlich Techno auf die Ohren, wie er in den Berliner Clubs (aber nicht nur dort) auf der Nacht- und Tagesordnung steht. Höhepunkte sind die Beiträge von Sebo K (treibend), Anja Schneider (fast schon poppig), Martin Landsky (tolle Dynamik) und der derzeit überall in höchsten Tönen gelobten Maya Jane Coles – und natürlich sind auch Pan-Pot selbst (mit zwei Tracks, darunter die feine Single „Gravity“) vertreten.

Auf CD 2 sind dann Pan-Pot erst richtig dran. Es gibt einen „Back To Back Mix“, in dem die beiden ein frisches DJ-Set zusammengebaut haben. Aus ihren eigenen Veröffentlichungen und Remixen, exklusiven Sounds, neuen Edits und so weiter. Ein sehr schön durchlaufender Mix, in dem Pan-Pot-Fans ihre Favoriten neu entdecken können und man auch Künstler wie Booka Shade, Bodzin & Romboy oder Slam („Lifetimes“) wiederfindet. Und dann ist da ja noch die DVD, die in ihrer Laufzeit von einer Stunde sowohl Tourdokumentation als auch Künstlerbiografie und somit einen guten ergänzenden Einblick liefert.

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