Milu Vor uns liegt das zweite Soloalbum von Anke Hachfeld alias Milù. Vor Milù waren Mila Mar, die Band, die ab 1997 hochinteressante Musik in einem ganz eigenen Stil schuf und sich vor allem in der schwarzen Szene großer Beliebtheit erfreute. Nach dem erfolgreichen „Elfensex“ und dem experimentelleren „Picnic On The Moon“ wurde es zunächst ruhiger um die Frau mit dem beeindruckenden Stimmumfang von mehreren Oktaven. Dann nannte sie sich plötzlich Milú und trat zunächst als Gastsängerin auf.

Ausgerechnet für den Seichtelektroniker Schiller, das war schon eine ziemliche Überraschung. Ebenso die folgende Kollaboration mit dem umtriebigen Kollaborateur Peter Heppner. Für die, die sie von früher kannten, fiel ihr Solodebüt „No Future In Gold“ zumindest gewöhnungsbedürftig aus, auf dem Anke, während sie früher in wechselnden Stimmhöhen und Sprachen zwischen Englisch, Deutsch und einer Fantasiesprache sang, sich nun nur noch auf Deutsch und auch sonst sehr geradlinig präsentierte. Für den Chartferfolg waren die eher einfachen (jedoch nicht platten) Stücke gut. Es gab gute Texte auf diesem Debüt, aber nicht nur. Es gab gute Songs, aber nicht nur. Es fehlten so ein wenig die Ecken und Kanten.

Hier ist die gute Nachricht (und es wird keine schlechte im Ausgleich geben): Auf „Longing Speaks With Many Tongues“ ist die rätselhafte Fantasiesprache zurück. Und mit ihr das Intensive, Spannende, Berührende, das man von einer so interessanten Musikerin erhofft. Dieses Album wird nun frühere Hörer zurückgewinnen und Hörer, die die Künstlerin erst seit Kurzem kennen, fordern.

Die einzigartige Stimme wird oft wie ein Instrument eingesetzt. Die weitere Instrumentierung fällt abwechslungsreich aus, es gibt Synthesizer (mal mit Beat, mal ohne), Piano, Akustikgitarre, Bass. Gelegentlich gesellt sich ein (meist sanft im Hintergrund verharrendes) Schlagzeug dazu. Einflüsse orientalischer und mittelalterlicher Musik sind ebenso zu finden wie Folkmusik und moderne Trip-Hop-Elemente.

Highlights und somit Anspieltipps gibt es viele (Ausfälle keine). Dem mystisch einleitenden „Tara“ folgt das atmosphärische „Warm“ (Tipp!), das auf einem langsamen Rhythmus dahingleitet und auch Fans von Beth Gibbons und Portishead erfreuen dürfte. Im Refrain erhebt sich dann diese wundervolle, sehnsüchtige Stimme. „1000“ ist einer der etwas schnelleren Songs, mit guter Percussion und eigenwilliger, interessanter Melodieführung. Das akustische „Frida“ wird Freunde des Mittelalters begeistern, während in „Second Voice“ fast jazzige Schlagzeugarbeit zu hören ist. Im englisch gesungenen „Swan“ beeindruckt neben der erneut veränderten Klangfarbe der hier sehr dominanten Stimme ein dramatisches Klavier. Nach einem Interlude gibt es mit „Goodbye“ (Tipp!) ein ganz und gar tieftrauriges Lied zu hören. Tiefe Stimme, ruhige elektronische Flächen und eine Melodie, die den Hörer zu Tränen rührt. Hier muss es um Abschied gehen, und zwar um endgültigen Abschied. Dagegen ist das folgende, etwas kräftiger instrumentierte „Orchidee“ fast ein fröhliches Liedchen, bevor zum Abschluss mit „Nacht“ (Tipp!) eine klassische und sehr melodiöse Pianoballade wartet.

Ein ruhiges, atmosphärisches, zerbrechliches Album einer absoluten Ausnahmestimme, das man in der richtigen Stimmung (Rotwein!) hören muss, das einen dann aber ganz und gar gefangen nehmen kann.

(Addison)

Milù auf Tour: 02.04. Essen – 03.04. Karlsruhe – 04.04. München – 05.04. Hanau – 10.04. Köln – 12.04. Berlin – 13.04. Hamburg

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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