Hoppla, da werfen ja einige bereits großzügig mit „Album des Jahres“-Lorbeeren um sich. Der Hype lauert halt überall. Aber das kann man dem Künstler ja nicht vorwerfen, denn der liefert hier definitiv eines der originellsten und innovativsten (und dabei kompromisslosen) Werke der letzten Zeit ab.

James Blake ist gerade mal knapp über 21 Jahre alt. Damit ist die Bezeichnung „Unglaubliches Talent“ schon mal gerechtfertigt. Der junge Londoner machte seit Ende 2009 die Blogs verrückt, seine bisherigen vier Singles bzw. EPs waren heißbegehrt und spätestens mit seiner brillanten Coverversion von Feists „Limit To Your Love“ war er in aller Munde. Eine Version (die hier ebenfalls enthalten ist), die das nicht eben schlechte Original locker in den Schatten stellt. Piano plus soulige Stimme, und dann bricht unerwartet dieser minimalistische Post-Dubstep los, den man so tatsächlich bislang kaum gehört hat.

Auf dem Album spielt Blake nun mit seinen Hörern. Er beginnt mit den verschleppten Rhythmen von „Unluck“. Es rauscht, es klackert, es hackt, die Stimme wird bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet (was übrigens durchaus die Gemüter spalten könnte, hier im Rezensentenhaushalt hat es das bereits getan). Mit „The Wilhelm Scream“ folgt eines der absoluten Highlights des bisherigen Musikjahres. Warm, seelenvoll und zugleich mit unglaublich tief rumorenden Bässen.

Danach beweist Blake verstärkt Mut zum Experiment. Immer wieder überrascht er mit ungewöhnlichen Sounds und Effekten. Man höre nur das verrückte „To Care (Like You)“. Die – unbearbeitet ja schon sehr gut klingende – Stimme wird dabei stets auch als Instrument oder Tongrundlage betrachtet und so z.B. auf dem schlichten „Lindisfarne I“ und dessen mit ein paar Beats angereicherten Teil II gefährlich in Richtung Autotune geschoben.

Andererseit beweist er aber auch Mut zur Lücke. Das Soundbild ist sehr aufgeräumt, mitunter wird eben auch mit gezielter Weglassung Wirkung erzielt. Oder Blake und sein Klavier betören mit Atmosphäre, wie zu Beginn „Why Don’t You Call Me“, bevor leicht spukige Sounds hinzukommen. Und mit „Measurements“ gibt es am Ende gar noch einen modernen Gospel.

Wenn dieses Album Trends setzt – und das könnte in der Tat geschehen – dann heißt es wohl für 2011: Minimalismus und Langsamkeit sind Trumpf. Das ist in diesen hektischen Zeiten doch auch mal etwas Schönes (und zu flotten Rhythmen feiern gehen kann man ja zwischendurch trotzdem).

(Addison)

P.S. James Blake live: 13.04. Köln, 15.04. Hamburg, 16.04. Berlin, 18.04. München, 19.04. Zürich, 28.04. Krems (A)

James Blake – The Wilhelm Scream from Alexander Brown on Vimeo.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. 2.3.2011 - 22:05 Uhr

    Hammer-Album! Am besten über die Anlage hören – mit schön viel Bass :)