Jürgen Engler (Mitte) und seine Bandkollegen fotografisch eingefangen von Thomas Ecke.
Jürgen Engler (Mitte) und seine Bandkollegen fotografisch eingefangen von Thomas Ecke.

Muss man DIE KRUPPS noch einleiten oder ankündigen? Vermutlich nicht. Seit Jahrzehnten zieht die Band allein mit ihrem Namen massig Fans zu ihren Konzerten oder Festivalauftritten, um mit ihnen gemeinsam zu Industrial-Musik zu feiern. Heute haben wir Jürgen Engler, seines Zeichens Frontmann der Band, in unsere Interviewecke eingeladen und über ein neues KRUPPS-Album, seine Arbeit bei Cleopatra Records, Band – und Songentwicklung und seine Liebe zu den USA gesprochen. Ein paar Geschichten aus dem Musikernähkästchen hatte Jürgen auch parat und so erwarten euch neben interessanten News rund um DIE KRUPPS auch wieder ein paar Einblicke in die Gedankenwelt unseres heutigen Interviewgastes.

Hallo Jürgen, wie geht es dir und was machst du so im fernen Amerika?

Also mir geht es gut. Danke der Nachfrage. Was ich so mache? Ziemlich viel. Gerade arbeite ich an einem neuen KRUPPS-Album. Eventuell wird es noch eine EP vor dem Album geben, das kommt dann auf das Material an. Eine KRUPPS-DVD ist auch in Arbeit, sowie eine Live-CD. Ich arbeite natürlich auch an einer passenden Single.

Das hört sich für mich so an, als wenn du gut mit Arbeit bespaßt bist.

Moment, ich bin ja noch gar nicht fertig mit erzählen.

Dann erzähl ruhig weiter, was es neues gibt. Ich wollte dich nicht unterbrechen.

Ich arbeite gerade auch an einer Neuaufnahme der Stahlwerksinfonie mit verschiedenen Gastmusikern. Das war es zumindest erstmal an den KRUPPS-Sachen.

Also bist du eigentlich noch lange nicht fertig mir zu erzählen, was es neues gibt und woran du arbeitest oder?

Noch nicht ganz. Ich arbeite ja für Cleopatra Records und bin auch dort vollgepackt mit Arbeit. Deshalb dauert das auch eine Weile mit den neuen KRUPPS-Sachen. Ich kann mich nicht beklagen, andere Musiker müssen echt gucken wie sie zu Rande kommen. Ich habe das Privileg nur Musik machen zu dürfen.

Das klingt jetzt aber nach einer Mischung aus Stress und zufrieden sein, liege ich da richtig?

Es ist schon eine Mischung aus Beidem. Ich bin ja nicht bei fünf Bands wie manch andere Musiker. Es ist immer eine schwierige Geschichte auf verschiedenen Hochzeiten zu tanzen oder tanzen zu müssen. Ich kann das finanziell mit dem Plattenfirmajob ausgleichen und da habe ich die komplette musikalische Bandbreite. Von Christina Aguilera bis Iggy Pop war schon alles dabei.

Wow. Ich bin beeindruckt. Ich dachte schon, dass du nur mit Bands aus deiner Musikrichtung zu tun hast und nun erzählst du mir von Christina Aguilera. Hörst du eigentlich privat eher Pop oder mehr EBM und Electro?

Ich höre nicht den ganzen Tag elektronische Musik und wenn dann höre ich nur die Anfänge von EBM und Co. Mal nebenbei sowas zu hören ist für mich ganz in Ordnung, aber was in den letzten zehn Jahren rausgebracht wurde, ist ganz schön weit weg vom Original. Ich sehe da keine Innovation mehr wie bei den frühen Sachen, verstehst du.

Kann ich zum Teil durchaus nachvollziehen, wobei ich ganz schön viele verschiedene Stile auf meinem Schreibtisch liegen hab. Berufsbedingt. Aber das ist was anderes, privat höre ich auch viel zu viel „altes Zeug“.

Ich lasse nicht so viel von diesem Zeug in mich rein. Douglas von Fixmer/McCarthy hat auf Tour immer Songs von BON JOVI gesungen.  Glaub mir, keiner der „Alten“ hört noch dieses Zeug.

Das klingt jetzt schon nach Szenekritik. Was würdest du aufstrebenden Künstlern im Electrobereich gern mit auf den Weg geben?

Wenn etwas keinen eigenen Stil hat, kann man es vergessen. Also bitte unbedingt einen eigenen Stil suchen. Früher habe ich Musik gehört und wusste sofort, welche Band das ist. Jede klang anders und einzigartig. Das vermisse ich heute schon ein bisschen. Nach dem Kriterium der Einzigartigkeit höre ich mir auch heute noch Musik an, wenn jemand keinen hundertprozentigen Wiedererkennungswert hat, dann interessiert er mich nicht. Für mich ist alles, was nicht eigenständig ist, wertlos.

Das ist hart. Hart, aber ehrlich. Ich vermisse manchmal wirklich ehrliche Aussagen. Was hat denn für dich Wert? Oder besser gefragt: Wie definierst du „wertlos“?

Naja es ist doch so: Alles, was gedankenlos produziert wurde und wo sich niemand Mühe gegeben hat, was nur billig kopiert wurde, ist wertlos. Ich belaste mein Hirn nicht mit uninteressanten Sachen und nachgemachtes Zeug ist definitiv uninteressant. Innovation und Geist sind interessant. Versteh mich nicht falsch, die Leute können ja gern kopieren und machen, was sie wollen, aber ich mag das einfach nicht. Wenn es andere mögen, ist das für mich okay.

Frei nach dem Motto: Nachmachen kann jeder?

Nachmachen kann wirklich jeder. Ich gebe dir mal ein Beispiel: Jeder will wie RAMMSTEIN sein, aber die gibt es nun einmal schon. Es reicht nicht, sich silber anzumalen, um Erfolg zu haben. Es gibt das Original und die Fälschung und für mich ist die Fälschung langweilig, weil das wirklich jeder kann. Ich mag keine Leute ohne eigene Ideen, die nicht versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Und wenn ich als Neuling oder musikalischer Anfänger erstmal versuchen muss, meinen Stil zu finden?

Ich verstehe die Anfänger wirklich, die erst einmal ihre Lieblingsmusik nachmachen mit ihren Freunden. Das habe ich auch gemacht, ich will mich da gar nicht außen vor lassen. Aber ich habe dann etwas eigenes daraus entwickelt. Jeder experimentiert am Anfang. Jeder muss seine Richtung finden. Aber gerade in dieser Findungsphase etwas zu veröffentlichen halte ich für sinnlos. Heutzutage kommen einfach zu viele Bands mit teilweise halbfertigen Sachen und bringen diese auf den Markt.

Was war denn für deine musikalische Entwicklung wichtig? Erzähl doch mal.

Für die Anfänge waren auf jeden Fall Bowie, Iggy Pop, The Who und viele Glam-Rock-Bands wichtig. Das waren alles Punk-Vorreiter. Während der Punkphase waren auf jeden Fall The Who, Pere Ubu und Suicidal wichtig. Die haben dazu beigetragen, dass meine Musik zu DIE KRUPPS werden konnte.

Pere was? Entschuldige, dass ich nachfragen muss.

Du kennst die nicht? Das ist eine Experimental Rock Band aus Cleveland.

Okay, muss ich mir dringend mal anhören.

Solltest du. Die sind wirklich gut. Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Devo hat mich noch beeinflusst. Und das „Metal Machine Music„-Album von LOU REED. Ich habe den Titel des Albums wörtlich genommen und daraus etwas eigenes kreiert. Viele benennen ja immer KRAFTWERK als ihre Vorbilder, das ist bei mir nicht so. Ich habe mir deren Musik nie aktiv angehört. Da fand ich THE HUMAN LEAGUE und JOHN FOXX wesentlich spannender.

Da spricht anscheinend auch ein bisschen deine USA-Liebe aus dir. Gerade was den Musikgeschmack angeht.

Das liegt daran, weil die Ursprünge des Industrial aus den USA kommen. Das hat Mitte der 70er-Jahre angefangen.

Wo wir gerade bei deiner Liebe zu den USA sind: Warum bist du eigentlich dorthin umgesiedelt?

Ich wollte nie in Deutschland wohnen, ich hab mich schon als Kind nicht wohlgefühlt. Mitte der 80er war ich dann durch mit Deutschland. Mein erster USA-Besuch kam und ich wusste: Ich will hier weg. Es gab auch Phasen, da habe ich mir Deutschland schön geredet. Ich habe vor Jahren eine wunderbare Frau kennengelernt und bin heute amerikanischer Staatsbürger.

Was ist denn jetzt genau besser in den USA?

Fragst du mich das gerade wirklich? Hier gibt es keine Spießigkeit, weniger Engstirnigkeit. Alles ist bunter und interessanter. Die meisten Deutschen ignorieren die USA und bilden sich ihre Meinung über das Land durch Propaganda. Daraus basiert auch dieses Unwissen über das Land. Die USA sind viel mehr als L.A. und Disneyland.

Du klingst jetzt schon richtig verliebt in das Land und die Gegebenheiten dort. Wo wohnst du jetzt überhaupt genau?

Das stimmt schon. Seitdem ich in den USA wohne, bin ich total glücklich. Ich wohne derzeit in Austin. Das ist wirklich eine superschöne Stadt. Irgendwie sieht es hier ein bisschen aus wie in Südfrankreich. Es ist von hier auch nicht weit bis zum Meer. Außerdem ist Austin das „live music capital of the world“. Hier gibt es echt alles. In jedem Club spielt eine andere Liveband, es gibt vom Goth-Club bis zum Jazz-Laden echt alles. Jeden Tag gibt es andere Musik. Das ist wirklich inspirierend.

Ich komm dich mal besuchen, glaube ich.

Komm her und sieh es dir selbst an, es ist toll.

Ich arbeite dran. Vielen Dank für das nette Gespräch, ich hoffe wir hören uns bald wieder.

 

Mehr Informationen rund um Jürgen und DIE KRUPPS gibt es hier:

www.die-krupps.de

https://www.facebook.com/diekruppsofficial

 

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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6
Kommentare

  1. 6.3.2015 - 17:15 Uhr

    Vielen Dank! Ihr bestätigt grad das, woran ich glaube 😊
    Ich glaube das Zitronenkuchenrezept jeglicher Musikinterviews mit immer den selben Fragen, Releasegeplapper und Tourdaten will niemand lesen.

    Ich nehme auch gern Vorschläge zu Interviewpartnern entgegen. Mailt mir einfach 😊

  2. Demian
    4
    6.3.2015 - 15:48 Uhr

    Ich finde es auch gut, mal etwas privates zu erfahren, als immer nur Albumgeplapper.

  3. Marcel
    3
    4.3.2015 - 12:49 Uhr

    Schönes Interview

    Ich finde es gerade gut, dass hier nicht die Propaganda Maschine für neue Scheiben angeworfen wird, sondern Jürgen einfach mal was über sich erzählt.
    Empfand ich als wesentlicher interessanter und packender.
    Das mit dem Material über die neuen VÖ’s kommt schon noch früh genug! ;)

  4. 3.3.2015 - 12:35 Uhr

    Vielen Dank für den Hinweis zum vergessenen „x“. Ich habe das jetzt geändert.
    Ich kann auch verstehen, dass du sicherlich gern mehr Informationen zu den neuesn Releases gehabt hättest, aber manchmal ist es so, dass eben nichts genaues verraten wird, bevor es nicht wirklich spruchreif ist. Das sollte man respektieren.
    Den Rest deiner Kritik empfinde ich nicht gerechtfertigt und Phrasen wie „was sicherlich an der Autorin lag“ gehen schon in maximal abwertende Richtung.

    Da ich Jürgen definitiv noch einmal befragen werde, wenn es Veröffentlichungsdaten gibt, biete ich dir hiermit an, mir deine Wunschfragen an josie@depechemode.de zu mailen. Ich nehme gern einige davon in meinen Fragenkatalog mit auf :)

    • Lars
      2.1
      3.3.2015 - 15:07 Uhr

      O.K. ist angekommen – entschuldige
      ich war tatsächlich etwas enttäuscht, dass zu den anstehenden neuen Veröffentlichungen nicht nachgefragt wurde – hast Du ja vielleicht auch, nur er hat nicht geantwortet …
      bei John Foxx gehen bei mir immer gleich die Alarmglocken an, da er aus meiner Sicht einen viel größeren Bekanntheitsgrad verdient hat
      und ja, ich nehme gern Dein Angebot an und überlege mir Fragen

  5. Lars
    1
    3.3.2015 - 11:48 Uhr

    das war ja mal herrlich nichtssagend – was sicherlich an der Autorin lag – Pere Ubu nicht zu kennen, John Foxx falsch schreiben/ nicht kennen – ihn und The Human League als amerikanisch zu bezeichnen – ei jei jei – einem Jürgen Engler sollte man anders begegnen – und mehr über ein neues Album oder die Neuaufnahme der Stahwerksinfonie zu hören/ in Erfahrung zu bringen, wäre auch schön gewesen…