Was denn, Sting macht jetzt Elektropop? Nee, das war jetzt gemein. Ist doch seine Tochter Coco mit ihrem sehr eigenständigen Debüt! Aber es ist erstaunlich, wie ähnlich und zugleich unterschiedlich Stimmen klingen können. Musikalisch sollte eher der Name Robyn fallen – und das ist ja auch kein verkehrter Anhaltspunkt.

Dabei war das mit dem Elektropop nicht unbedingt von Anfang an geplant. Schon mit 15 arbeitete Coco Sumner an diesem Debüt, das jetzt, wo sie auch erst knapp 20 ist, erscheint. Lobenswert ist, dass hier nicht mit dem großen Namen des Vaters hausieren gegangen wurde und wird. Nein, Coco schrieb die für ihr Alter erstaunlich tiefgründigen Texte und große Teile der Songs selbst und überlegte dann, wie die klangliche Umsetzung aussehen sollte. Dass dann Namen wie Duran Duran und The Killers gefallen sein müssen, kann man deutlich hören.

Und die Robyn-Connection ist auch unverkennbar. Coco war eine Weile in Schweden unterwegs und entschied sich schließlich für Klas Åhlund als einen der Produzenten. Der ist ja musikalisch Robyns wichtigster Partner, so kam eines zum anderen. Bis nun sogar Robyn selbst auf der Single „Caesar“ den Co-Gesang übernahm. Der Song ist ein Hit, und er ist nicht allein. Auch die anderen Åhlund-Produktionen rufen alle: Radio! Tanzen! Hör mich rauf und runter! Elektropop deluxe, bei den flotten „Selfmachine“ und „Please Rewind“, und auch in ruhigerer Form überzeugend, beim zugleich düsteren wie auch hoffnungsvollen Finale „It’s About To Get Worse“.

Vielleicht hätte der Schwede noch mehr Songs betreuen sollen, denn natürlich ist der eine oder andere Titel dann doch einen Tick zu glatt oder cheesy geraten. Aber das sei verziehen, wenn auf der anderen Seite so schmissige Knaller wie „Quicker“ stehen (Versucht das mal aus den Ohren zu bekommen!) und auch die etwas getrageneren Momente wie das schöne „Summer Rain“ gut aussehen. Gelungene Kurzausflüge in Richtung Fast-Dancehall („Playwrite Fate“) und Fast-Reggae („No Smile“ und das Neil-Young-Cover „Only Love Can Break Your Heart“) funktionieren ebenfalls, und hier ist die stimmliche Verwandtschaft zum Vater wohl am klarsten zu erkennen.

Zum Schluss also letztmalig der große Name: Sting kann stolz auf seine Tochter sein, denn die legt hier in sehr früher Jugend ein sehr reifes Debüt vor, das mehr Klasse hat als so manches, was der Papa in den letzten 15 Jahren veröffentlicht hat. Was da wohl noch kommen mag?

(Addison)

P.S. Live hier: 21.03. Berlin, 23.03. Hamburg, 27.03. Köln, 28.03. München

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Dentaku
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    2.3.2011 - 10:53 Uhr

    Als alter Police-Fan komme ich nicht umher diese Ähnlichkeit dieser Stimme interessant zu finden. Auch die Machart dieses Songs weiß zu gefallen. Einzig stört mich der Stimmverzerrer an einigen Stellen des Liedes. Hätte sie nicht nötig gehabt, aber das hat man wohl an die jüngeren Fans gedacht die auf so etwas stehen und vielleicht auch kaufen sollen.