Für die Anhänger atmosphärischer Musik, die vom Techno abstammt, sich aber mittlerweile viel weiter verzweigt hat, für Freunde von Trentemøller & Co. also, für die gibt es mit dem dritten Album des Mannes aus São Paolo Nachschub. Überraschend düsteren Nachschub.

Gui Boratto ist mittlerweile einer der elektronischen Vorzeigeremixer und -produzenten. Bereits mit dem Debütalbum „Chromophobia“ (2007) landete er einen Hit – insbesondere mit dem immer noch unverwüstlichen „Beautiful Life“ – und fand seine Labelheimat bei Kompakt, denen er bis heute treu geblieben ist. Mit dem Nachfolger „Take My Breath Away“ vertiefte er seinen guten Ruf und angelte sich Remixaufträge en masse, von Goldfrapp und den Pet Shop Boys bis hin zu Moby, Massive Attack und eben auch Trentemøller. Dazu kamen Produzentenarbeiten (u.a. für Bomb The Bass), gespannt wurde nun sein drittes Album erwartet.

Bereits das schwarze, schlichte Cover deutet es an: Diejenigen, die auf eine weitere Öffnung in Richtung Pop und Radiofreundlichkeit getippt hatten, liegen nahezu komplett falsch. Den Brasilianer zieht es stattdessen dieses Mal in die Dunkelheit. Ein technoides, minimalistisches Album, ganz auf Atmosphäre ausgelegt, stilistisch fast schon beim guten alten Dark Wave anklopfend.

Bunte, poppige Klänge findet man hier also eher selten, wobei Boratto trotzdem clever genug ist, zwischen den minimalistischen Klangflächen immer wieder ein paar helle Breaks und Tupfer einzubauen. Die Elektronik wird durch den einen oder anderen Pianoeinschub, wenige Gitarrenspuren und vereinzelte Vocals (von Boratto selbst bzw. seiner Frau Luciana Villanova) aufgelockert und bereichert.

Ansonsten gibt es wundervoll düstere Elektroniklandschaften zu bewundern. Vom langsam heranschleichenden Opener „Galuchat“ (der durchaus deutlich an den hier bereits mehrfach erwähnten Dänen erinnert) über die stampfenden Kunstwerke „Stems From Hell“ und „Striker“ und das knackige vorab veröffentlichte „The Drill“ landet man in der Albummitte mitten in der Melancholie, die sich über das wunderschöne Trio „Flying Practice“, „Trap“ und „Soledad“ ausbreitet.

Danach lässt Boratto auch wieder ein bisschen Licht an den Schatten, so dass „III“ schließlich sogar mit positiver Stimmung endet. Dafür sorgen die letzten beiden Stücke, das fast euphorisch auslaufende „The Third“ und vor allem „This Is Not The End“, das inklusive der Vocals doch noch songorientiert gerät und das Finale nachdenklich und doch irgendwie optimistisch gestaltet.

Also: Kopf hoch, Ohren (und Kopfhörer) auf – und bitte laut genießen!

(Addison)

Gui Boratto – The Drill (KOM 232) by Kompakt

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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