Die Compilation-Reihe „Coming Home“ soll ja immer so etwas wie eine Beleuchtung der (musikalischen) Wurzeln darstellen. Wohl niemand hat das bislang so treffend umgesetzt wie DJ Hell. Der weitgereiste Münchener interpretiert das Konzept als Heimkehr nach Deutschland und lädt zu einer Reise durch über 30 Jahre deutscher Musikgeschichte ein. Wir sind dabei.

Los geht’s gleich mit einem der offensichtlichsten Vorbilder, wie auch auf seinem hervorragenden „Teufelswerk“-Album klar zu erkennen war: Kraftwerk. Und zwar die ganz frühen mit „Ohm Sweet Ohm“, was ja zugleich auch als Wortspiel wie die Faust aufs Auge passt. Es folgt das oft ins NDW-Fach einsortierte „Dreiklangsdimensionen“ von Rheingold, immer noch eine tolle Nummer.

Doch gleich danach wird es richtig schräg und Hell beweist, dass er keinerlei Scheuklappen und Genregrenzen kennt. Ohne besonderen Übergang – Hell hat die Songs weitgehend original belassen, höchstens hier und da ein wenig editiert und eben die Übergänge angepasst – fällt die Nina Hagen Band mit dem irren „Auf’m Friedhof“ aus der Kirche. Durchgeknallt wie eh und je, aber damals noch musikalisch interessant.

Über die Experimentalpioniere von den Einstürzenden Neubauten geht es mit dem unsterblichen City-Hit „Am Fenster“ zu Poesie mit Hilde Knef und den EBM-Vorvätern DAF. Der Visionär Klaus Nomi bekommt seinen Platz ebenso wie die weithin unbekannte „österreichische Donna Summer“ (DJ Hell), Gilla und die starke DJ Koze-Interpretation von Blumfelds „Tausend Tränen tief“.

Ebenfalls legendär sind sicherlich Fehlfarben, deren womöglich bestes Stück, „Paul ist tot“ hier vertreten ist. Nach Elektronik mit Der Plan interpretiert Eberhard Schoener Police, bevor Fischer Z als Ausländer und Ideal als Einheimische „Berlin“ besingen. Dann noch eine Überraschung: Ricky Shayne mit „Mamy Blue“, manche sagen womöglich Schlager dazu, Hell trifft es mit „deutscher Soul“ wahrscheinlich besser. Parallel als DJ Hell Remix auf Soundcloud (s.u.) zu hören.

Finito ist dann mit Reinhard Mey und einem Mitschnitt eines Rauswurfs aus einer Klaus-Kinski-Veranstaltung. Toller Trip, besten Dank, DJ Hell!

(Addison)

Ricky Shayne – Oh Mamy Blue (DJ Hell Edit) by GigoloRecords

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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